Die wichtigsten Tipps für Existenzgründer

Verfasst von Semra Dindas. Zuletzt aktualisiert am 13 Januar, 2024
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Der Traum vom eigenen Business ist bei vielen Menschen ein wichtiges Ziel für die Zukunft. Dank der Digitalisierung gibt es heute bessere Chancen denn je, ohne Chef und stattdessen mit eigenem Unternehmen den Arbeitsalltag vollkommen zu verändern. Doch bevor Hals über Kopf eine Entscheidung getroffen wird, kommt es maßgeblich auf eine gute Vorbereitung an. Denn wenn der Schritt in Richtung Existenzgründung gegangen wird, soll der Weg von Erfolgen, nicht von Rückschlägen geebnet sein.  

Step by Step: Die wichtigsten Basics für die Existenzgründung im Überblick

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen ist das Kapital, denn ganz ohne gelingt der Aufbau einer eigenen Existenz fast nie. Wenn ein guter Businessplan vorliegt, kann es sich lohnen, den ersten Liquiditätsschub durch eine Kreditvergabe zu günstigen Konditionen zu erreichen. Damit sich das aber wirklich lohnt und der Kredit am Ende auch zurückgezahlt werden kann, müssen folgende Kriterien erfüllt werden:

Die passende Geschäftsidee: Ideen gibt es wie Sand am Meer und wer eine neue Existenz gründen möchte, braucht eine Nische, die noch nicht übersättigt ist. Alternativ bietet sich die Möglichkeit an, ein Franchise aufzubauen oder ein Unternehmen zu übernehmen. Bei Letzterem sollte sich dann aber die Frage gestellt werden, warum das Unternehmen aufgegeben wird.

  • Der Businessplan: Wenn die Idee vorhanden ist, braucht es einen soliden Businessplan. Hier müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, die für die Existenzgründung nötig sind. Ein solcher Plan ist auch die Basis für die Kreditaufnahme, denn insbesondere Banken investieren nur dann, wenn eine vielversprechende Idee vorliegt.
  • Die Branche: Es gibt einige Branchen, in denen Erlaubnisse, Zertifikate oder Bescheinigungen erforderlich sind, so beispielsweise in der Gastronomie. Wer heute ein Restaurant eröffnen und dort auch Alkohol ausschenken möchte, braucht zum Beispiel eine Schanklizenz. Vor dem Durchstarten müssen all diese Bescheinigungen besorgt werden.
  • Die Versicherungen: Ein eigenes Geschäft zu führen birgt Risiken, daher ist es wichtig, dass das private Vermögen von Anfang an abgesichert wird. Ein Versicherungsmakler ist der ideale Ansprechpartner, wenn es um die Planung der neuen Karriereschritte und die nötige Absicherung geht.

Eine gute Geschäftsidee – sie kommt nicht über Nacht

Die wenigsten Menschen wachen morgens auf und haben die Idee, die ihr Leben verändern wird. Bei der Existenzgründung kommt es eher auf rationale Überlegungen und eine langfristige Analyse der eigenen Idee an.

Durch die Digitalisierung ist es möglich geworden, ein eigenes Business ganz ohne Geschäftsräume zu gründen, das Internet bietet ein erhebliches Wachstumspotenzial. Selbst die Generierung eines passiven Einkommens ist möglich. Doch bevor es auch damit losgehen kann, braucht es die Idee der Verwirklichung. Dabei sollten sich Gründer ein paar wichtige Fragen stellen und die Ansprüche festlegen, die an die Idee geknüpft werden:

  • Die Idee sollte einen Bedarf auf dem Markt decken und erfüllen.
  • Ein bekanntes Zielgruppenproblem sollte damit zu lösen sein.
  • Die Zielgruppe muss groß genug sein.
  • Idealerweise weißt die Idee ein Alleinstellungsmerkmal auf.

Wer mit einer bereits etablierten Idee durchstarten möchte, kann ein Franchise gründen, allerdings ist das für viele Existenzgründer nicht kreativ genug. Es lohnt sich, vor der Weichenstellung in Richtung Selbstständigkeit eine genaue Analyse der eigenen Fähigkeiten, Wünsche und Möglichkeiten vorzunehmen.

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Für Existenzgründer sind die ersten Monate oft eine finanzielle Herausforderung. Bildquelle: Depositphotos.com

Die Finanzierung der eigenen Existenzgründung

Jeder dritte Deutsche träumt davon, sich irgendwann einmal selbstständig zu machen. Für viele ist es eine Frage der Kosten, denn ein Business kann fast nie ohne Kapitalinvestition aufgebaut werden. Je nach Art der Gründung können größere oder kleinere Summen benötigt werden, vor allem junge Gründer verfügen nicht über genug Rücklagen, um die Gründung aus der eigenen Tasche zu finanzieren. Selbst wenn das Business im Homeoffice aufgezogen wird, braucht es eine Grundausstattung.

Software, Maschinen, Technik, all das muss beschafft werden, bevor es losgehen kann. Nicht zu vergessen sind auch die ersten Marketingkampagnen, denn um ein funktionierendes Business zu betreiben, braucht es eine Zielgruppe, die darauf zurückgreift. Auch der Erwerb von Lizenzen ist kostenpflichtig und so passiert es, dass vor den ersten positiven Umsätzen bereits Kosten entstanden sind, die zu decken sind.

Hohe Ausgaben – geringe Einnahmen, wie ist das Problem zu lösen?

Ein Kredit für Existenzgründer ist grundsätzlich eine wertvolle und wichtige Möglichkeit, um die ersten Monate im neuen Business zu überleben. Dabei ist es wichtig, dass der Kapitalbedarf möglichst exakt berechnet wird. Es ist eine Illusion, dass direkt nach dem Beginn der Geschäftstätigkeiten große Summen an Einkommen generiert werden. Stattdessen zahlt sich die Investition in die Selbstständigkeit oft erst nach Monaten aus.
Das Vorhandensein von Interessenten ist noch keine Garantie dafür, dass eine angebotene Dienstleistung auch wirklich genutzt oder ein neu entwickeltes Produkt wirklich gekauft wird. Das private Risiko darf dabei nicht außer Acht gelassen werden. Die meisten Selbstständigen waren zuvor angestellt und haben Lohn empfangen. Sozialversicherungspflichten wurden zu diesem Zeitpunkt noch über den Arbeitgeber abgedeckt. Bei einer Neugründung müssen folgende Kosten aus eigener Tasche bezahlt werden:

  • Beschaffung der nötigen Arbeitsmaterialien für die Umsetzung des Businessmodells.
  • Kranken- und Pflegeversicherung bei einer Krankenkasse.
  • Versicherungen für das Business und zum Schutz des Vermögens.
  • Die Lebensunterhaltungskosten nebst Miete für eventuelle Geschäftsräume.

Vor dem Antrag auf einen Kredit ist es wichtig, eine genaue Einnahmen- und Ausgabenliste zu erstellen. Möglicherweise gibt es passives Einkommen durch Immobilienvermietungen oder durch andere Nebenerwerbstätigkeiten, die die ersten Monate überbrücken können. Ein Kreditantrag hat bessere Chancen, wenn nicht nur ein solider Businessplan vorliegt, sondern auch eine fundierte Berechnung des benötigten Kapitals nebst einem Plan, wann das erste Einkommen fließen soll.

Versicherungsschutz ab dem ersten Tag ist wichtig

An das Thema Versicherungen denken die meisten Gründer in der Anfangszeit überhaupt nicht gern, denn erst einmal muss das Business funktionieren. Ein großer Fehler, denn besonders in der Anfangsphase können Schäden das Aus für die Tätigkeit bedeuten. Die Schadenshöhe kann so immens sein, dass das Geschäft finanziell nicht mehr zu betreiben ist und der Traum von der Selbstständigkeit schon nach kurzer Zeit vorüber ist.

Es geht nicht nur darum, das eigene Equipment abzusichern und bei einem Defekt der Hardware möglichst schnell Ersatz zu bekommen. Auch Unfälle spielen eine entscheidende Rolle, sie können im schlimmsten Fall Schadenersatzforderungen nach sich ziehen, die mehrere Zehntausend Euro betragen können. Die folgenden Versicherungen sind vor allem für Neuunternehmer von hoher Wichtigkeit:

  • Firmenrechtschutzversicherung: Kommt es durch Vertragsverletzungen zu einem Gerichtsverfahren, ist eine Firmenrechtschutzversicherung die bestmögliche Absicherung gegen horrende Gerichts- und Anwaltskosten.
  • Die Geschäftsversicherung: Kommt es zu Schäden an der Hardware und dem Inventar des Betriebs, haftet die Geschäfts- und Glasversicherung hierfür.
  • Die Betriebshaftpflichtversicherung: Um gegen Schadensansprüche dritter Personen abgesichert zu sein, ist eine Betriebshaftpflichtversicherung schon vor dem ersten Arbeitstag von hoher Wichtigkeit.
  • Die Krankenversicherung für Selbstständige: Nach dem Ende des sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverhältnisses besteht in Deutschland die Pflicht, eine Versicherung abzuschließen. Dies ist wahlweise auf freiwilliger Basis bei einer gesetzlichen Krankenkasse oder bei der privaten Krankenkasse möglich.
  • Die Berufsunfähigkeitsversicherung: Schneller als gedacht kann es zu einem Unfall kommen, der die Ausübung der Arbeitstätigkeit nicht mehr möglich macht. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert ab und sorgt dafür, dass das Existenzminimum abgedeckt ist.
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Wutanfälle gehören am Anfang manchmal einfach dazu. Pixabay © RobinHiggins CCO Public Domain

Ziele für das eigene Unternehmen definieren

Am Anfang einer Neugründung sind viele Fragen offen und es besteht eine hohe Motivation, endlich beruflich erfolgreich zu sein. Doch schon nach kürzester Zeit kommt die Realität ans Licht und es zeigt sich, dass der Traum, vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden, nicht innerhalb einiger Wochen oder Monate möglich ist. Stattdessen braucht es ein hohes Maß an Arbeitsbereitschaft, Investitionen und autodidaktische Fähigkeiten, um auf dem Markt der Selbstständigkeit zu überleben.

Es hat sich als hilfreich erwiesen, den Arbeitsablauf von Anfang an zu strukturieren. Viele Neugründer neigen dazu, in den ersten Monaten und Jahren zu viel Arbeit zu leisten, zu viele Aufträge anzunehmen und dabei die eigene Freizeit völlig zu vergessen. Im schlimmsten Fall droht dann nach einer Weile ein Burn-out und ein Zusammenbruch des Business.

Die Motivation, viel zu erreichen ist gut, wichtig ist aber auch, dass die Ziele realistisch gesteckt werden und dass das eigene Privatleben nicht unter dem Business leidet. Fürs erste Jahr ist es hilfreich, eine To-do-Liste zu führen, um aufzuschreiben, welche Etappensiege zu erreichen sind und welches Ziel am Ende des ersten Geschäftsjahres steht.

Wenn ein solches Etappenziel erreicht ist, darf ruhig auch einmal gefeiert werden. Neidvoll auf andere Unternehmer blicken, die schon jahrelang am Markt sind und sich bereits im Business etabliert haben, führt langfristig nicht zu Erfolgen. Kleine Schritte sind das A und O bei der Entwicklung eines funktionierenden Geschäfts und manchmal ist es sogar sinnvoller, nicht gleich nach den Sternen zu greifen, sondern erst einmal mit den kleinen Erfolgen vorliebzunehmen.

Fazit: Selbstständigkeit ist ein langwieriger Prozess, der funktionieren kann

Gestern noch Angestellter und morgen schon der eigene Chef? So schnell kann es zwar in der Theorie gehen, doch bis sich ein Business wirklich entwickelt hat, braucht es eine Menge Geduld und Zeit. Am Anfang gibt es kaum Kontakte, kein funktionierendes Netzwerk und noch keine festgelegte Zielgruppe. Die ersten Schritte bestehen daher nicht daraus, das Geld zu zählen und Erfolge zu feiern, sondern das eigene Angebot zu verknüpfen.

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es einfacher denn je, wichtige Businesskontakte zu knüpfen und durch ein weitverzweigtes Netzwerk die eigenen Chancen auf dem Markt zu erhöhen. Hilfe anzunehmen ist für Existenzgründer kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Merkmal dafür, dass sie bereit sind, sich ernsthaft mit dem Business auseinanderzusetzen. Zu hohe Erwartungen hingegen sind oft eine Garantie dafür, dass der Spaß an der Selbstständigkeit schnell verloren geht. Hier trifft einmal mehr das Sprichwort zu, dass Geduld eine Tugend ist, die sich am Ende auszahlt.


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Semra Dindas, die Assistenz der Geschäftsführung bei Selbststaendigkeit.de, vereint umfassende internationale Erfahrung und fundierte wirtschaftliche Kenntnisse. Ihre Rolle als Managerin für Internationale Operationen bei Teknik Fuarcılık und ihre Tätigkeit in den Internationalen Beziehungen bei der ITM International Textile Machinery Exhibition unterstreichen ihre Fähigkeit, in einem globalen Umfeld zu agieren und zu koordinieren. Ihr akademischer Hintergrund in Wirtschaftswissenschaften von der Wirtschaftsuniversität Wien ergänzt ihre beruflichen Kompetenzen, die sie in ihre zusätzliche Verantwortung für die Koordination der Advertorials bei Selbststaendigkeit.de einbringt.

Privat ermöglicht ihr die Flexibilität ihrer Tätigkeit bei Selbststaendigkeit.de, auf einem Bauernhof in der Türkei zu leben. Diese besondere Lebensweise spiegelt ihre Wertschätzung für Natur und Unabhängigkeit wider und bietet ihr einen ausgleichenden Kontrast zu ihrem beruflichen Alltag.

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