Business Model Canvas in 9 Schritten erstellen (inkl. Beispiel + Gratis-Vorlage)

Verfasst von Semra Dindas. Zuletzt aktualisiert am 31 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Sie haben eine Geschäfts- oder Produktidee, die Sie ausbauen möchten? Für die ersten Schritte auf diesem Weg hat sich das Business Model Canvas bewährt. Lesen Sie hier, wie diese Methode funktioniert, für welche weiteren Aufgaben sie sich eignet und wie es danach weitergehen kann. Eine ausführliche Anleitung inklusive Vorlage und Praxisbeispiel hilft Ihnen dabei, dieses Instrument selbst anzuwenden.  

Schnellcheck Business Model Canvas – die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Sie möchten wissen, ob sich das Business Model Canvas (BMC) für Ihr Vorhaben eignet? Folgende Fragen und Antworten fassen das Wichtigste zu diesem Tool zusammen:

  • Was versteht man unter einem Business Model Canvas?
    Das ist eine Methode, die durch Visualisierung die Konzeption, Optimierung oder Beschreibung von Geschäftsmodellen unterstützt.
  • Wie ist ein Business Model Canvas aufgebaut?
    Es ist in 9 Felder unterteilt, die jeweils für die wichtigsten Komponenten eines Geschäftsmodells stehen.
  • Warum erstelle ich ein Business Model Canvas?
    Es dient der strukturierten Ideensammlung, wenn Sie eine Gründung vorbereiten, ein Produkt entwickeln oder ein etabliertes Geschäftsmodell optimieren möchten.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, wie das Business Model Canvas grundsätzlich funktioniert, wofür es sich eignet und welche Grenzen es hat.

Was ist ein Business Model Canvas überhaupt?

Das Business Model Canvas ist eine Methode, mit der Teams ein Geschäftsmodell entwickeln oder optimieren. Konkret unterstützt es das Sammeln, Strukturieren und Konkretisieren von Ideen durch Visualisierung. Das Tool eignet sich für das Projektmanagement in Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Entwicklungsstadien.

Zur Erstellung eines Business Model Canvas werden werden 9 Felder nach einem vorgegebenen Schema auf einem großen Papierbogen, einer Leinwand (Canvas), einem Whiteboard oder in einer entsprechend digitalen Lösung hierfür angeordnet. Jedes davon steht für einen der kritischen Erfolgsfaktoren eines Geschäftsmodells. Während des Entwicklungsprozesses tragen Sie Fakten, Ideen und Vereinbarungen in die jeweiligen Felder des Business Model Canvas ein. So entsteht eine Übersicht, auf der die Teammitglieder ihre Überlegungen aufbauen können.

Ein Business Model Canvas eignet sich für folgende Zwecke:

  • Entwurf des Geschäftsmodells in Vorbereitung einer Gründung
  • Entwicklung eines Produkts
  • Erschließung neuer Märkte
  • Verbessern eines bestehenden Geschäftsmodells (Erkundung weiterer Ansätze zur Wertschöpfung, Analyse von Chancen und Risiken, Optimierung des Ressourceneinsatzes)
  • Begleitung von Änderungen, zum Beispiel der digitalen Transformation
  • Konzeptionierung strategischer Partnerschaften
  • Analyse der Auswirkungen einer bevorstehenden Fusion
  • Kommunikationsinstrument zur Erklärung eines Geschäftsmodells, beispielsweise gegenüber Investoren oder anderen Stakeholdern

Das Business Model Canvas ist ein Ansatz, mit dem Teams in der Praxis effizient arbeiten können. Es bietet folgende Vorteile:

  • Ganzheitlicher Blick auf das Geschäftsmodell unter Einbeziehung aller wichtigen Aspekte
  • Unterstützt durch das Visualisieren die intuitive Erfassung komplexer Zusammenhänge
  • Begünstigt das analytische und kreative Denken im Team
  • Konzentration auf das Wesentliche durch begrenzten Platz für Eintragungen
  • Fördert einheitliches Verständnis des Geschäftsmodells

Achtung: 

Das Tool dient der Entwicklung von Geschäftsmodellen in der Anfangsphase und hat auch seine Grenzen. Wenn Sie damit arbeiten möchten, bedenken Sie Folgendes:

  • Es kann nicht alle Details erfassen und ist daher für komplexe Geschäftsmodelle eventuell zu oberflächlich. Als Ideensammlung und Basis für weitere Überlegungen eignet es sich aber gut.
  • Finanzielle Aspekte stehen beim Business Model Canvas eher im Hintergrund, lassen sich aber später durch eine detaillierte Finanzplanung im Businessplan in die Geschäftsentwicklung einbeziehen.
  • Subjektive Interpretationen einzelner Aspekte durch unterschiedliche Personen sind möglich, weshalb während des Entwicklungsprozesses regelmäßig Abstimmungen durchgeführt und Vereinbarungen festgehalten werden sollten.

Wie ist ein Business Model Canvas aufgebaut?

Das Grundkonzept des BMC erarbeitete Alexander Osterwalder 2004 im Rahmen seiner Doktorarbeit. Gemeinsam mit Yves Pigneur entwickelte er es in den folgenden Jahren weiter, wobei Erfahrungen aus 470 Unternehmen einflossen. Dabei lag der Schwerpunkt auf der praktischen Anwendbarkeit des Tools. Ergebnis war ein Schema mit neun Elementen, das 2008 veröffentlicht wurde. Auch für die konkrete Schritt-für-Schritt-Anwendung und geeignete Gestaltungstechniken lieferten die Autoren Vorschläge.

Hier finden Sie eine kurze Übersicht über die 9 Elemente des Business Model Canvas, die im nächsten Abschnitt noch ausführlicher beschrieben werden:

  1. 1
    Kundengruppen und Zielkunden
    Da das Angebot auf die Bedürfnisse der Kundensegmente zugeschnitten werden soll, müssen diese zunächst definiert werden. Beispiele dafür sind der Massen- oder Nischenmarkt, B2B- oder B2C-Kunden beziehungsweise Kunden mit bestimmten demografischen Merkmalen.
  2. 2
    Wertangebote und Kundennutzen
    Bietet das Unternehmen den Kunden einen besonderen Nutzen? Welche Bedürfnisse erfüllt es damit?
  3. 3
    Marketing  und Vertriebskanäle
    Hier geht es darum, über welche Kanäle die Produkte oder Leistungen die Kunden erreichen, aber auch generell um Marketingstrategien und Ideen für die Kundenakquise.
  4. 4
    Kundenbeziehungen und Kundenbindung
    Wie soll die Beziehung zu den Kunden der einzelnen Segmente aussehen und welche Kundenbindungsmaßnahmen kommen infrage?
  5. 5
    Einnahmen
    Womit nimmt das Unternehmen Geld ein? Das können unter anderem Erlöse aus direkten Verkäufen, Abonnements oder Vermietungen sein.
  6. 6
    Schlüsselressourcen
    Welche physischen, wissensbasierten, menschlichen und finanziellen Ressourcen sind essenziell dafür, dass das Geschäftsmodell funktionieren kann?
  7. 7
    Schlüsselaktivitäten
    Das sind Aktivitäten, die für die Realisierung des Wertangebots unverzichtbar sind, zum Beispiel die Produktion und der Vertrieb.
  8. 8
    Schlüsselpartnerschaften
    Auf welche schwer ersetzbaren Partner ist das Unternehmen angewiesen?
  9. 9
    Kostenstruktur
    Mit welchen wesentlichen Kosten ist zu rechnen?
Business Model Canvas

Die Anordnung der Felder in der Übersicht ist nicht zufällig gewählt, sondern hebt die Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen hervor. Stärker voneinander abhängige Bereiche stehen näher beieinander. Im Zentrum eines Geschäftsmodells und deshalb in der Mitte befindet sich das Nutzenversprechen. Auf der rechten Seite sind die marktbezogenen Komponenten aufgeführt, während die unternehmensinternen links zu finden sind. Die Einnahmen und die Kostenstruktur bilden schließlich das Fundament im unteren Bereich.

Schritt für Schritt zum eigenen Business Model Canvas (inkl. kostenfreier Vorlage)

Osterwalder und Pigneur haben für die Arbeit mit dem Business Model Canvas konkrete Schritte vorgeschlagen, die Sie situationsabhängig aber auch abändern können:

  • Mobilisierung
    Zusammenstellung eines möglichst heterogenen Teams, Zieldefinition, Ablaufplanung
  • Verstehen
    Recherche und Zusammenstellung entscheidungsrelevanter Informationen
  • Gestalten
    Sammlung und Strukturierung von Ideen (Als Ergebnis sind auch mehrere Prototypen eines Geschäftsmodells möglich, von denen der erfolgversprechendste ausgewählt wird.)
  • Implementieren
    Realisierung des Geschäftsmodells, Markteintritt, Beobachtung der Marktreaktionen, eventuell Anpassungen
  • Durchführen
    Übertragung der Verantwortung vom Projektteam auf ein dauerhaftes Management

Die optimale Teamgröße und der Zeitaufwand hängen vom konkreten Projekt ab. Im Folgenden geht es schwerpunktmäßig um den Gestaltungsprozess, während dem Sie gemeinsam im Team die einzelnen Felder des Business Model Canvas beschriften. Bewährt hat sich die Reihenfolge, wie sie hier dargestellt ist. Die aufgeführten Fragen sollen Ihnen das Ausfüllen erleichtern und dienen als Anregung. Welche davon sinnvoll beantwortet werden können, hängt auch von der individuellen Situation ab.

1. Kundengruppen und Zielkunden

Hier legen Sie die Kundengruppen fest, die das Unternehmen ansprechen will. Hieraus lässt sich ableiten, welche Kundensegmente bedient werden sollen und auf welche man dabei besonderen Wert legt.

  • Welche Kriterien eignen sich für die Einteilung in Kundensegmente mit unterschiedlichen Anforderungen, etwa B2B oder B2C, demografische Merkmale, bevorzugte Einkaufskanäle, Einkaufshäufigkeit, spezielle Interessen (Nische)?
  • Wie groß ist das potenzielle Marktvolumen für die definierten Kundensegmente?
  • Welche Kundengruppen sind für Ihr Geschäftsmodell am profitabelsten?

2. Wertangebote und Kundennutzen

Definieren Sie den zentralen Unternehmenszweck und überlegen Sie, warum die Kunden bei Ihnen kaufen sollten. Stellen Sie dabei auch Zusammenhänge zu den definierten Kundensegmenten her.

  • Welchen Nutzen bringt Ihr Angebot?
  • Was ist das Alleinstellungsmerkmal?
  • Welche weiteren Vorteile bestehen für Kunden gegenüber den Angeboten der Konkurrenz?
  • Welche spezifischen Bedürfnisse und Präferenzen gibt es in den einzelnen Kundensegmenten und wie werden diese durch Ihre Produkte oder Leistungen erfüllt?
  • Wie kann Ihr Angebot die Lebensqualität der Kunden verbessern, auch im Hinblick auf emotionale und psychologische Bedürfnisse?
  • Welche quantifizierbaren Vorteile können Ihre Kunden durch die Nutzung Ihrer Produkte oder Leistungen erzielen (zum Beispiel Senkung der Kosten bei B2B-Kunden)?
  • Wie können Sie begründen, dass sich Ihr Wertversprechen erfüllt?

3. Marketing und Vertriebskanäle

Hier spielen 3 Aspekte eine Rolle: das Marketing zur Gewinnung von Aufmerksamkeit, die verschiedenen Vertriebskanäle (beispielsweise eigenes Ladengeschäft, Online-Versand, Großhandel, Dienstleistungsportal) und die Betreuung nach dem Kauf. Was sich von diesen jeweils am besten eignet, hängt von der Art des Angebotes und den Präferenzen der identifizierten Kundensegmente ab.

  • Setzen Sie auf direkten (eigene Kundenkontakte) oder indirekten Vertrieb (über den Handel oder andere Vertriebspartner)?
  • Wie erreichen Sie die einzelnen Kundensegmente über unterschiedliche Kanäle?
  • Wie lässt sich der Kaufprozess für die jeweiligen Kundengruppen möglichst einfach gestalten?
  • Brauchen Sie eigene Vertriebsstandorte?
  • Nutzen Sie digitale Vertriebskanäle, zum Beispiel einen Onlineshop, eine Verkaufsplattform oder eine App?
  • Mit welchen Vertriebspartnern werden Sie zusammenarbeiten?
  • Wie informieren sich Ihre Ziel- und Bestandskunden vorwiegend? Beispiele sind Fachmessen für B2B-Unternehmen, zielgruppengerechte Social-Media-Kanäle und Print-Medien.
  • Ist eine Betreuung der Kunden nach dem Kauf durch Beratung und Service notwendig?

4. Kundenbeziehungen und Kundenbindung

Es geht zum einen darum, wie die Kunden mit dem Unternehmen in Kontakt treten, wobei auch die Vorlieben in den unterschiedlichen Kundensegmenten eine Rolle spielen. Zum anderen planen Sie die Art der Kundenbindung, damit gewonnene Kunden wiederholt kaufen oder Vertragsbeziehungen aufrechterhalten.

  • Wie lassen sich die Kundenbeziehungen beschreiben (persönlich, automatisiert, selbstbedienend)?
  • Welche Präferenzen hinsichtlich der Kundenbeziehungen bestehen in den einzelnen Kundensegmenten?
  • Welche Möglichkeiten werden Sie zur Kommunikation mit Ihren Kunden nutzen (persönlicher Kontakt, E-Mail, Chat, soziale Medien)?
  • Möchten Sie die Kundenbindung auch über informative Kanäle wie Newsletter, Blog, Podcast oder ein Print-Magazin pflegen?
  • Mit welchen Maßnahmen werden Sie die Kundenzufriedenheit sicherstellen?
  • Erfordert Ihr Angebot einen Kundensupport und wie soll dieser organisiert werden (Hotline, persönlicher Ansprechpartner)?
  • Planen Sie Belohnungsprogramme für Stammkunden (Kundenkarten, Rabatte)?
  • In welcher Form nutzen Sie Kundenrückmeldungen zur Verbesserung Ihres Angebots?
  • Wie stellen Sie den kundenfreundlichen Umgang mit Reklamationen und / oder Beschwerden sicher?

5. Einnahmen

Der Hauptzweck einer unternehmerischen Tätigkeit besteht darin, dass Einnahmen fließen. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie folgende Fragen zeigen.

  • Wie generiert Ihr Unternehmen hauptsächlich Umsatz (direkte Verkäufe, Abonnements, Nutzungsgebühren, Lizenzgebühren, Affiliate-Einnahmen, Werbeeinnahmen, Provisionen)?
  • Gibt es ergänzende Einnahmequellen (kostenpflichtige Services, Upselling, Crossselling)?
  • Welche Umsätze fließen regelmäßig und welche nur gelegentlich?
  • Welchen Anteil haben die einzelnen Einnahmequellen am Gesamtumsatz?
  • Wie lassen sich die Einnahmen den Vertriebskanälen zuordnen?
  • Werden die Kunden bereit sein, für das Angebot zu zahlen?
  • Unterscheiden sich die Einnahmearten in den einzelnen Kundensegmenten?

6. Schlüsselressourcen

Analysieren Sie, welche wesentlichen Ressourcen vorhanden sein müssen, damit das Geschäftsmodell funktionieren kann. Konzentrieren Sie sich dabei auf die erfolgskritischen Faktoren. Im Business Model Canvas lassen sich die Schlüsselressourcen in 4 Kategorien unterteilen: physisch (Gebäude, Grundstücke, technische Ausstattung, Fahrzeuge, Arbeitsmittel, Rohstoffe), wissensbasiert (für die Realisierung des Geschäftsmodells notwendiges Know-how), menschlich (Mitarbeiter und ihre Qualifikationen) sowie finanziell (notwendige Kapitalausstattung).

  • Was brauchen Sie an technischer Ausstattung (Maschinen, Ausrüstungen, Fahrzeuge, Infrastrukturen)?
  • Welche Immobilien sind notwendig (Produktions-, Büro-, Verkaufsräume)?
  • Welches Fach- und Spezialwissen muss vorhanden sein?
  • Soll geistiges Eigentum geschützt werden (Design, Gebrauchsmuster, Patent, Marke)?
  • Benötigen Sie für die Geschäftstätigkeit besondere geschützte Rechte?
  • Wie viele Mitarbeiter brauchen Sie ungefähr für welche Tätigkeiten im Unternehmen?
  • Auf welche Mitarbeiterkompetenzen und -fähigkeiten können Sie nicht verzichten?
  • Wie viel Kapital brauchen Sie für den Start?
  • Welche finanziellen Ressourcen sind notwendig, um Ihr Unternehmen zu erhalten und wachsen zu lassen?
  • Sind Engpässe hinsichtlich bestimmter Schlüsselressourcen zu befürchten und wie können Sie diesen vorbeugen?

7. Schlüsselaktivitäten

Untersuchen Sie welche Tätigkeiten essenziell sind, um das Wertangebot zu realisieren (produzieren, vertreiben usw.)

  • Welche Beschaffungsprozesse sind notwendig?
  • Wie läuft die Produktion oder Leistungserstellung ab?
  • Auf welche Art und Weise organisieren Sie Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung?
  • Setzen Sie auf eigene Forschung und Entwicklung?

8. Schlüsselpartnerschaften

Diese umfassen nur die für das Unternehmen strategisch wichtigen Partner, die unverzichtbar sind.

  • Gibt es Lieferanten oder Dienstleister, die für Ihr Unternehmen besonders wichtig sind und sich nicht ohne Weiteres ersetzen lassen?
  • Läuft Ihr Vertrieb über bestimmte Partner?
  • Brauchen Sie Partner für die Forschung und Entwicklung?
  • Welche Partner sind für die Sicherstellung der Schlüsselressourcen oder Schlüsselaktivitäten wichtig?

9. Kostenstruktur

Diese Komponente beschreibt die Hauptkostenblöcke Ihres Geschäftsmodells sowie Ihre Kostenstrategie.

  • Welches sind die wesentlichen Kostenblöcke und wie hoch ist ihr jeweiliger Anteil an den Gesamtkosten?
  • Was sind die wichtigsten Kostentreiber?
  • In welchen Kundensegmenten verfolgen Sie eine kostenorientierte und in welchen eine wertorientierte Strategie?

Laden Sie hier eine kostenfreie Vorlage für das Business Model Canvas herunter!

Nutzen Sie für den Ausdruck der PDF Datei den Posterdruck, mit dem sich die Vorlage in der gewünschten Größe erstellen lässt. Alternativ können Sie die Felder auch auf einen großen Papierbogen zeichnen beziehungsweise eine Leinwand oder ein Whiteboard dafür nutzen. Während des Gestaltungsprozesses im Team hat sich die Arbeit mit Haftnotizen bewährt. Weiterhin gibt es digitale Tools, die den Entwurf eines Business Model Canvas unterstützen.

Beispiel für ein Business Model Canvas

Die grundlegende Geschäftsidee besteht darin, einen nach Bio-Standards arbeitenden Landwirtschaftsbetrieb zur Produktion und dem vorwiegend regionalen Vertrieb von Lebensmitteln aufzubauen. Zu den Erzeugnissen gehören Obst, Gemüse, Getreide, Ölsaaten, Kartoffeln und Kräuter. Ein relativ geringer Teil davon wird selbst verarbeitet.

Da der Platz auf der Vorlage begrenzt ist, sind im folgenden Beispiel nur knapp formulierte Stichpunkte aufgeführt.

Kundengruppen und Zielkunden

  • B2C-Kunden: Verbraucher, die Wert auf gesunde sowie nachhaltig und regional produzierte Lebensmittel legen; mittleres bis höheres Einkommen; alle Altersklassen; vorwiegend in der Region wohnhaft
  • B2B-Kunden: regionale Händler, Restaurants, weiterverarbeitende Unternehmen (Bäckerei, Mosterei), die Endkunden mit den oben genannten Merkmalen ansprechen
  • Größtes und wegen der hohen Abnahmemengen profitabelstes Segment sind weiterverarbeitende Unternehmen
  • Die zweitwichtigste Kundengruppe sind Käufer im Hofladen, auf Wochenmärkten, an Verkaufsautomaten und im Onlineshop
  • Ähnlich wichtig, aber mit etwas geringerer Bedeutung erweisen sich ausgewählte Händler und Restaurants
  • Endverbraucher, die Warenlieferungen abonniert haben, garantieren Abnahmen, aber in insgesamt in geringerem Umfang

Wertangebote und Kundennutzen

  • vielseitiges Angebot an Frischware und verarbeiteten Lebensmitteln
  • hochwertige Bio-Lebensmittel
  • umweltschonende Produktion
  • Nachweis für die Erfüllung des Wertversprechens: Bio-Zertifizierungen
  • Nachhaltigkeit auch durch vorwiegend regionalen Vertrieb
  • Alleinstellungsmerkmal: besondere Obst- und Gemüsesorten, die nicht überall erhältlich sind
  • Sonstige Vorteile für Kunden: unterschiedliche Bezugsmöglichkeiten (siehe Vertriebskanäle)

Marketing und Vertriebskanäle

  • Verkauf im eigenen Hofladen, Ergänzung des Sortiments durch Erzeugnisse anderer regionaler Bio-Betriebe
  • Teilnahme an Wochenmärkten
  • Vertrieb über Verkaufsautomaten für regionale Produkte
  • Vertragsbeziehungen mit lokalen Händlern, Restaurants und weiterverarbeitenden Betrieben; persönliche Lieferung
  • Verkauf ausgewählter haltbarer Produkte über eine E-Commerce-Plattform für nachhaltig erzeugte Lebensmittel (zum Beispiel Fruchtaufstriche, Trockenfrüchte, Kräutermischungen, Müsli)
  • Abonnements für Frischware; Preisvorteil für Kunden, da die Zusammensetzung nicht frei wählbar ist, sondern sich nach dem aktuellen Angebot richtet (Abbau von Beständen)
  • B2C-Kundengewinnung durch Präsenz auf Märkten, Anzeigen (Print und online), Werbeschilder für den Hofladen, Teilnahme an Festen und Veranstaltungen
  • B2B-Kundengewinnung hauptsächlich durch persönliche Anfragen
  • Betreuung nach dem Kauf hat bei Lebensmitteln weniger Bedeutung; Beantwortung von Fragen persönlich, per Telefon oder E-Mail

Kundenbeziehungen und Kundenbindung

  • persönlicher Kontakt mit größter Bedeutung (Verkauf im Hofladen und auf Märkten, persönliche Lieferung an Abonnenten und B2B-Kunden)
  • selbstbedienender Kontakt als Ergänzung (Verkaufsautomaten, Onlineshop), für Kunden, die das bevorzugen oder die anderen Möglichkeiten schlecht nutzen können
  • Interaktion mit Kunden und Einholen von Feedback hauptsächlich im persönlichen Gespräch
  • Auswertung der im Onlineshop abgegebenen Produktbewertungen
  • Rabattprogramm für Stammkunden im Hofladen
  • Kundenbindung weiterhin durch gelegentliche Posts auf Instagram und Newsletter zu besonderen Gelegenheiten

Einnahmen

  • regelmäßige Einnahmen durch Verkäufe an B2B-Kunden auf der Grundlage von Vertragsbeziehungen; wichtigste Einnahmequelle
  • Erlöse aus dem Verkauf im Hofladen; Höhe abhängig von der Nachfrage und dem saisonalen Angebot
  • relativ konstante Einnahmen über Verkaufsautomaten und den Onlineshop
  • regelmäßige Einnahmen durch Lieferabonnements

Schlüsselressourcen

  • landwirtschaftliche Flächen
  • Pflanzen und Saatgut
  • technische Ausrüstung für die Landwirtschaft (Landmaschinen, Fahrzeuge, Arbeitsmittel)
  • technische Ausrüstung für die Weiterverarbeitung (Küche)
  • Gebäude (Lagerhallen, Maschinenhallen, Gewächshäuser, Büro-, Küchen- und Verkaufsgebäude)
  • Transport- und Lieferfahrzeuge
  • Arbeitskräfte mit landwirtschaftlicher Qualifikation
  • Know-how in umweltfreundlichen Anbaumethoden
  • betriebswirtschaftliches Wissen
  • Kapital (Höhe ergibt sich aus der Finanzplanung)

Schlüsselaktivitäten

  • Planung der landwirtschaftlichen Arbeit
  • Einkauf
  • Anbau und Pflege der Pflanzen
  • Ernte
  • Lagerung
  • Verarbeitung und -verpackung
  • Vertrieb und Logistik
  • Marketing und Kundenbindung
  • kaufmännische Arbeiten (Buchhaltung, Lohnrechnung, Vertragswesen)

Schlüsselpartner

  • Lieferanten der wichtigsten Ausgangsmaterialien
  • regionale Landwirte und Verarbeitungsbetriebe für Kooperationen
  • Betreiber der Online-Verkaufsplattform
  • Betreiber der Verkaufsautomaten

Kostenstruktur

  • Personalkosten
  • Pacht, Miete, Gebäudekosten
  • Kosten für Landmaschinen- und Fahrzeugnutzung
  • sonstige Kosten für landwirtschaftliche Produktion (z. B. Saatgut, Düngemittel, Wasser, Energie, sonstiges Material)
  • Lager- und Logistikkosten
  • Produktionskosten für die eigene Verarbeitung
  • Kosten für Vertrieb und Marketing
  • Versicherungen
  • größte Kostenblöcke: Saatgut- und Fahrzeugkosten
  • Verfolgung einer wertorientierten Strategie für alle Kundensegmente

Was passiert mit dem Business Model Canvas – wie geht’s danach weiter?

Die Erstellung eines Business Model Canvas ist nur der erste Schritt bei der Konzeptionierung Ihres Geschäftsmodells. Es liefert Anhaltspunkte und bestimmt die Richtung. Was danach zu tun ist, hängt auch davon ab, zu welchem Zweck Sie das BMC erstellt haben. Im Anschluss können diese Maßnahmen folgen:

  • Feedback einholen
    Holen Sie die Meinung von Personen ein, die nicht an der Erstellung des Business Model Canvas beteiligt waren, aber vom Vorhaben betroffen sind, zum Beispiel potenzielle Kunden und Partner oder andere Abteilungen im Unternehmen.
  • SWOT-Analyse
    Stellen Sie die Stärken und Schwächen des Geschäftsmodells den Chancen und Risiken des Unternehmensumfeldes gegenüber.
  • Strategien entwickeln
    Planen Sie, wie Sie Ihr Vorhaben konkret umsetzen möchten, und treffen Sie dafür Maßnahmen. Vor einer Gründung dient hierfür unter anderem die Erstellung eines Businessplans.
  • Umsetzung der Pläne
    Dazu kann im Rahmen der Produktentwicklung die Herstellung eines Prototyps gehören. Bei Unternehmensgründungen folgen Kapitalbeschaffung, Investitionen in die Infrastruktur, der Aufbau von Vertriebskanälen und Partnerschaften sowie der Start der Leistungserstellung.

Alternativen zum Business Model Canvas

Für die Geschäftsmodellentwicklung im Rahmen der Vorbereitung einer Gründung eignen sich verschiedene Instrumente. Zwei Beispiele hierfür sind der Businessplan und die Lean Startup Methode. Obwohl beide nicht direkt Alternativen zum Business Model Canvas sind, lassen sie sich gut damit kombinieren.

Businessplan

Das Business Model Canvas lässt sich auch als verkürzte, visuelle Variante des Businessplans betrachten, da es die wichtigsten Kernaspekte klärt. Daher ist es die perfekte Vorarbeit für den Businessplan. Denn der erarbeiteten Grundstruktur des Geschäftsmodells kann auf diesem Weg eine fundierte, konkretere Planung folgen.

Ein Businessplan ist zur Vorbereitung jeder Gründung empfehlenswert. Auch Investoren sowie Kredit- und Fördermittelgeber interessieren sich dafür. Der Plan enthält unter anderem Informationen zur Geschäftsidee, zum Team und zur Organisation, eine Markt- und Wettbewerbsanalyse und eine umfassende Finanzplanung.

Tipp: 

Laden Sie hier eine Vorlage für den Businessplan herunter!

Lean Startup Methode

Die Lean Startup Methode setzt bei der Produkt- und Geschäftsmodellentwicklung auf iterative Experimente und Validierung. Hierdurch werden Risiken reduziert und ein effizienter Ressourceneinsatz gefördert. Ein Projektmanagement nach diesem Verfahren umfasst folgende Schritte:

  • Build
    Entwicklung eines Minimum Viable Products mit den Kernfunktionen und Einholung von Kundenfeedback
  • Measure
    Messen relevanter Kennzahlen zur Einschätzung der Kundenreaktion
  • Learn
    Analyse der Situation, Anpassungen, Weiterentwicklung
  • Pivot or Persevere
    Umkehren oder durchhalten, das heißt Strategie grundlegend ändern oder iterativ weiterentwickeln

Das Business Model Canvas unterstützt diese Entwicklungsschritte durch Visualisierung. Damit erleichtert es das Verständnis und die Kommunikation innerhalb des Teams. Während des Messens und Lernens können Sie die Erkenntnisse direkt in das BMC eintragen.

Fazit: Business Model Canvas als Instrument zur Ideenfindung

Ein BMC steht im Projektmanagement am Anfang eines Vorhabens. Durch seine visuelle Darstellung und die Konzentration auf das Wesentliche bietet es den Teammitgliedern einen schnellen Zugang zu allen wichtigen Aspekten. Dies begünstigt wiederum die Ideenfindung und -strukturierung.

Planen Sie für die Arbeit mit dem Business Model Canvas ausreichend Zeit ein. Bereiten Sie die Teamsitzungen gut vor, indem Sie wichtige Informationen wie Statistiken und Forschungsergebnisse recherchieren.


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Jetzt mit Semra Dindas, dem Autor dieses Beitrags vernetzen:

Semra Dindas, die Assistenz der Geschäftsführung bei Selbststaendigkeit.de, vereint umfassende internationale Erfahrung und fundierte wirtschaftliche Kenntnisse. Ihre Rolle als Managerin für Internationale Operationen bei Teknik Fuarcılık und ihre Tätigkeit in den Internationalen Beziehungen bei der ITM International Textile Machinery Exhibition unterstreichen ihre Fähigkeit, in einem globalen Umfeld zu agieren und zu koordinieren. Ihr akademischer Hintergrund in Wirtschaftswissenschaften von der Wirtschaftsuniversität Wien ergänzt ihre beruflichen Kompetenzen, die sie in ihre zusätzliche Verantwortung für die Koordination der Advertorials bei Selbststaendigkeit.de einbringt.

Privat ermöglicht ihr die Flexibilität ihrer Tätigkeit bei Selbststaendigkeit.de, auf einem Bauernhof in der Türkei zu leben. Diese besondere Lebensweise spiegelt ihre Wertschätzung für Natur und Unabhängigkeit wider und bietet ihr einen ausgleichenden Kontrast zu ihrem beruflichen Alltag.

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