Müssen Kleinunternehmer eine Umsatzsteuererklärung abgeben?

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 16 Mai, 2026
Lesezeit Minuten.
Seit dem Veranlagungszeitraum 2024 müssen Kleinunternehmer grundsätzlich keine Umsatzsteuerjahreserklärung mehr abgeben. Diese Entlastung brachte das Wachstumschancengesetz mit sich. Ausnahmen bestehen jedoch, wenn Sie auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet haben oder das Finanzamt eine Erklärung ausdrücklich anfordert. Dieser Artikel erklärt die aktuelle Rechtslage nach § 19 UStG und zeigt typische Praxisfälle auf, damit Sie wissen, welche Steuerpflichten für Sie gelten.  

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Pflichtbefreiung: Seit dem Veranlagungszeitraum 2024 sind Kleinunternehmer im Sinne des § 19 UStG grundsätzlich von der Pflicht zur Abgabe der Umsatzsteuerjahreserklärung befreit.
  • Wichtig: Eine Umsatzsteuererklärung ist trotzdem abzugeben, wenn Sie auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet und zur Regelbesteuerung optiert haben.
  • Ausnahme: Das Finanzamt kann trotz Befreiung jederzeit eine Umsatzsteuer Jahreserklärung anfordern, z. B. bei Zweifeln an der Einhaltung der Umsatzgrenzen.
  • Befreiung betrifft folgendes: Nur die Umsatzsteuer; Einkommensteuer (mit Anlage EÜR) und ggf. Gewerbesteuer bleiben weiterhin Pflicht.

Was gilt rechtlich: Müssen Kleinunternehmer Umsatzsteuererklärung abgeben?

Bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2023 mussten Kleinunternehmer formal eine Umsatzsteuerjahreserklärung abgeben, auch wenn sie keine Umsatzsteuer ausgewiesen haben. Dies führte in der Praxis oft zu sogenannten Nullmeldungen.

Durch das Wachstumschancengesetz entfällt für Veranlagungszeiträume ab 2024 die generelle Abgabepflicht der Umsatzsteuer Jahreserklärung für Kleinunternehmer.

Wenn Sie im betreffenden Jahr ausschließlich Umsätze als Kleinunternehmer nach § 19 UStG erzielt haben und nicht zur Regelbesteuerung optiert haben, besteht regelmäßig keine Abgabepflicht.

Die Nichtabgabepflicht gilt nur, wenn das Finanzamt keine individuelle Aufforderung zur Abgabe verschickt.

Achtung!

Diese Befreiung betrifft ausschließlich die Umsatzsteuerjahreserklärung. Andere steuerliche Erklärungen wie die Einkommensteuererklärung bleiben unberührt.

Wer gilt als Kleinunternehmer nach § 19 UStG?

Kleinunternehmer sind Unternehmer, deren steuerpflichtiger Umsatz im Vorjahr bestimmte Grenzen nicht überschritten hat und im laufenden Jahr voraussichtlich eine Obergrenze nicht übersteigt.

Bis einschließlich 2024 liegt die Vorjahresumsatzgrenze bei 22.000 Euro und der voraussichtliche Jahresumsatz im laufenden Jahr darf maximal 50.000 Euro betragen. Ab dem 01.01.2025 steigt die Vorjahresumsatzgrenze auf 25.000 Euro. Die Prognosegrenze im laufenden Jahr liegt dann bei 100.000 Euro. Bei Überschreiten der Umsatzgrenzen greift automatisch die Regelbesteuerung und eine Umsatzsteuerjahreserklärung wird wieder erforderlich.

ZEITRAUMVORJAHRESGRENZEPROGNOSE LAUFENDES JAHR
Bis 202422.000 Euro50.000 Euro
Ab 202525.000 Euro100.000 Euro

Kleinunternehmer können sein: Gewerbetreibende, Freiberufler, Einzelunternehmer sowie kleine Kapital- oder Personengesellschaften. Entscheidend ist die Umsatzhöhe, nicht die Rechtsform.

Hinweis: 

Der Begriff Kleinunternehmer (umsatzsteuerlich nach § 19 UStG) unterscheidet sich vom Kleingewerbetreibenden (handelsrechtlich, keine Kaufmannseigenschaft nach HGB).

Ausnahmen: Wann Kleinunternehmer trotzdem eine Umsatzsteuererklärung abgeben müssen

Trotz der generellen Befreiung gibt es mehrere wichtige Ausnahmefälle, in denen Sie als Kleinunternehmer weiterhin eine Umsatzsteuererklärung abgeben müssen. Wann Kleinunternehmer eine Umsatzsteuererklärung abgeben müssen, hängt vor allem davon ab, ob sie auf die Kleinunternehmerregelung verzichten, bestimmte grenzüberschreitende Umsätze tätigen oder vom Finanzamt ausdrücklich zur Abgabe aufgefordert werden.

Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung (Option zur Regelbesteuerung): Ab dem Verzicht gelten alle Pflichten wie bei regulär umsatzsteuerpflichtigen Unternehmern, inklusive Umsatzsteuerjahreserklärung und Umsatzsteuervoranmeldungen. Der Verzicht bindet Sie für mindestens fünf Kalenderjahre und muss schriftlich bzw. elektronisch gegenüber dem Finanzamt erklärt werden, beispielsweise über eine ELSTER-Nachricht.

Das Finanzamt kann die Abgabe einer Umsatzsteuererklärung ausdrücklich anordnen, etwa bei Zweifeln an der Einhaltung der Umsatzgrenzen oder bei ungewöhnlichen Umsatzkonstellationen.

Grenzüberschreitende B2B-Leistungen innerhalb der EU, innergemeinschaftliche Erwerbe oder die Nutzung einer Umsatzsteuer-Identifikationsnummer können zusätzliche Pflichten auslösen, z. B. eine Zusammenfassende Meldung.

Wird im laufenden Jahr die Umsatzgrenze unerwartet überschritten, muss ab dem Zeitpunkt der Überschreitung auf Regelbesteuerung umgestellt werden. Eine Umsatzsteuerjahreserklärung für das betreffende Jahr wird dann fällig.

Tipp

Halten Sie in Zweifelsfällen frühzeitig Rücksprache mit dem zuständigen Finanzamt oder einem Steuerberater, um Nachzahlungen und Verzugszinsen zu vermeiden.

Fristen, Form und Praxis: So gehen Kleinunternehmer bei der Umsatzsteuer vor

Die allgemeine Frist für die Umsatzsteuerjahreserklärung ist der 31. Juli des Folgejahres. Bei Vertretung durch einen Steuerberater verlängert sich die Frist regelmäßig bis Ende Februar des übernächsten Jahres (z. B. für 2024 bis zum 28.02.2026).

Diese Fristen sind nur dann relevant, wenn tatsächlich eine Abgabepflicht besteht, also bei Regelbesteuerung oder bei finanzamtlicher Aufforderung.

Die Abgabe erfolgt elektronisch über ELSTER (www.elster.de) unter Verwendung des Formulars Umsatzsteuererklärung mit dem Hauptvordruck USt 2 A. Eine papierhafte Abgabe ist nur in seltenen Härtefällen möglich und setzt eine gesonderte Genehmigung des Finanzamts voraus.

Umsatzsteuervoranmeldungen: Kleinunternehmer mit wirksamer Kleinunternehmer-Regelung müssen keine Voranmeldungen abgeben. Bei Regelbesteuerung richtet sich die Häufigkeit nach der Zahllast – monatlich oder vierteljährlich.

Auch als Kleinunternehmer sollten Sie eine saubere Buchführung in Form einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung führen. So können Sie bei einer späteren Prüfung oder Aufforderung schnell reagieren. Bei wiederkehrenden umsatzsteuerlichen Vorgängen wie einem Wechsel zur Regelbesteuerung oder EU-Umsätzen empfiehlt sich Buchhaltungssoftware mit ELSTER-Schnittstelle.

Häufig gestellte Fragen

1. Muss ich als Kleinunternehmer für 2023 noch eine Umsatzsteuererklärung abgeben?

2. Ab wann gilt die Befreiung von der Umsatzsteuerjahreserklärung?

3. Ich bin 2024 Kleinunternehmer, habe aber im Juli 2024 auf Regelbesteuerung verzichtet – brauche ich eine Umsatzsteuererklärung?

4. Muss ich trotz Kleinunternehmerregelung eine Einkommensteuererklärung mit Anlage EÜR abgeben?

5. Was passiert, wenn ich als Kleinunternehmer versehentlich eine Umsatzsteuererklärung abgebe?

6. Wie weise ich nach, dass ich die Umsatzgrenzen für 2024/2025 eingehalten habe?

Fazit: Wann Kleinunternehmer wirklich eine Umsatzsteuererklärung brauchen

Für reine Kleinunternehmer nach § 19 UStG entfällt seit dem Veranlagungszeitraum 2024 in der Regel die Pflicht zur Abgabe einer Umsatzsteuerjahreserklärung. Diese Entlastung geht auf das Wachstumschancengesetz zurück und reduziert den bürokratischen Aufwand spürbar. Eine Abgabepflicht entsteht nur noch, wenn auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet wird, Umsatzgrenzen überschritten werden oder das Finanzamt dazu auffordert. Unabhängig davon bleibt eine ordentliche Buchführung weiterhin unerlässlich. Auch die Einkommensteuer- und gegebenenfalls Gewerbesteuererklärung müssen fristgerecht eingereicht werden. Es empfiehlt sich, die eigene Situation regelmäßig zu prüfen und bei besonderen Fällen frühzeitig steuerlichen Rat einzuholen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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