Freiberufler – welche Risiken kommen auf Sie zu?

Verfasst von Dennis.Singh. Zuletzt aktualisiert am 13 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Die meisten Menschen denken bei Freiberuflern an Personen, die sich beruflich frei entfalten und ihre Zeit nach Belieben einteilen können. Generell wird Freiberuflichkeit mit positiven Dingen in Verbindung gebracht – doch das ist nur die halbe Realität. Neben den ganzen Vorteilen gibt es auch zahlreiche Risiken und einige davon möchten wir uns hier näher anschauen.  

Schlechte Work-Life-Balance

Der Begriff Work-Life-Balance bezeichnet die Ausgewogenheit von Arbeits- und Privatleben. Zugegebenermaßen sind nicht nur Freiberufler von einer schlechten Work-Life-Balance betroffen, aber sie haben unumstritten häufiger damit zu kämpfen. Das liegt daran, dass Freiberufler im Regelfall mehr arbeiten als Menschen in Festanstellung. Sie haben schließlich keinen festen Feierabend und stehen oftmals unter Druck, da sie das geplante Arbeitspensum erfüllen möchten. Das kann im schlimmsten Fall sogar in Krankheiten wie einem Burnout resultieren. Da ein solcher mit ernsten Symptomen wie Entfremdung, Erschöpfung und verminderter Leistungsfähigkeit einhergehen kann, sollten Freiberufler alles daran legen, es nicht so weit kommen zu lassen. Im Ernstfall braucht es nicht nur eine längere Pause, sondern auch psychologische Hilfe.

Schadenersatzansprüche von Dritten

Freiberufler sind auch nur Menschen und infolgedessen machen sie gelegentlich Fehler, die Schadenersatzansprüche von Dritten zur Folge haben können. Solche Schadenersatzsprüche sollten auf keinen Fall unterschätzt werden, da gegebenenfalls auch mit dem privaten Vermögen gehaftet werden muss. Das kann schnell in einer finanziellen Notlage resultieren, denn Schadenersatzsprüche im sechsstelligen Bereich sind gerade in bestimmten Branchen keine Seltenheit. Eine Freiberuflerversicherung kann Freiberufler vor solchen Situationen bewahren. Neben der Erstattung von berechtigten Ansprüchen wehrt eine entsprechende Versicherung unberechtigte Ansprüche vor Gericht ab. Selbst unberechtigte Ansprüche stellen ein Risiko dar, da sie Rechtskosten nach sich ziehen.

Gefahr einer Scheinselbstständigkeit

Nicht alle Freiberufler haben eine gute Auftragslage, sodass die Gefahr einer Scheinselbstständigkeit auf keinen Fall unterschätzt werden darf. Nicht selten resultiert die Freiberuflichkeit darin, dass Aufgaben wie ein abhängig beschäftigter Arbeitnehmer ausgeübt werden und das ohne Lohnsteuer auf Auftraggeberseite oder sozialversicherungsrechtliche Abgaben. Eine Scheinselbstständigkeit ist vor allem wegen zwei Aspekten problematisch: Zum einen werden Freiberufler nicht selten ausgebeutet, zum anderen müssen sie bei Entdeckung durch das Finanzamt mit Bußgeldern oder – in schweren Fällen – sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen.

Teure Eigenschäden

Nicht nur Schadenersatzansprüche von Dritten können ein Problem darstellen, sondern auch andere Arten von Schäden, darunter teure Eigenschäden, die durch Versicherungen für Selbstständige abgesichert werden können. Sollte es beispielsweise zu einem Hackerangriff kommen, ist im schlimmsten die Arbeit von mehreren Wochen oder gar Monaten verschwunden. Da das Risiko von Cyberattacken immer höher wird, sind solche Szenarien keineswegs ausgeschlossen. Allerdings gibt es auch hier die Möglichkeit, sich durch eine Versicherung abzusichern. Interessant ist beispielsweise eine Cyberversicherung, die sowohl Eigen- als auch Fremdschäden im Cyberbereich abdeckt.

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Freiberufler – welche Risiken kommen auf dich zu? Bildquelle: Depositphotos.com

Krankheiten oder Unfälle

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern sind Freiberufler auf sich allein gestellt. Das stellt gerade im Krankheits- oder Unfallfall ein ernstzunehmendes Risiko dar. Sollte ein Freiberufler seine Arbeit nicht mehr vollbringen können, bedeutet das in den allermeisten Fällen, dass das komplette Einkommen wegbricht. Wer eine freiberufliche Tätigkeit anstrebt, sollte infolgedessen nicht auf eine Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung verzichten. Die meisten Berufsunfähigkeitsversicherungen zahlen dann, wenn man zu mindestens 50 % berufsunfähig ist. Dabei spielt es auch keine Rolle, welche Krankheit oder was für eine Art von Unfall die Berufsunfähigkeit verursacht hat. Im Grunde lässt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung für praktisch alle Tätigkeiten abschließen, aber die Beiträge können abhängig von individuellen Risikofaktoren stark variieren.

Fehlende Aufträge

Im Gegensatz zu Festangestellten sind Freiberufler auf Aufträge angewiesen, da sie andernfalls kein Geld verdienen. Gerade am Anfang ist es jedoch oft schwer, an Kunden zu kommen und sollte die wirtschaftliche Lage problematisch sein, verschärft sich die Situation zusätzlich. Glücklicherweise gibt es Möglichkeiten, um seine Auftragssituation aufzubessern und insbesondere die Akquise von Kunden ist entscheidend. Wie die Akquise letztendlich erfolgt, bleibt jedem selbst überlassen, aber gutes Selbstmarketing bestimmt maßgeblich die eigene Wirkung auf potenzielle Kunden. Wer möchte, kann sich auch Unterstützung von Agenturen suchen. Dabei muss zwar eine Provision entrichtet werden, aber dafür fällt die Kundenakquise deutlich einfacher aus. Ferner sollten Freiberufler sich immer Geld zurücklegen, da es im Regelfall gute und schlechte Monate gibt – die Einnahmen können infolgedessen selbst bei etablierten Freiberuflern stark variieren.

Zahlungsverweigernde Kunden

Kunden – insbesondere Neukunden – sind leider unberechenbar, weswegen es jederzeit passieren kann, dass Zahlungen verweigert werden. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn keine ausreichenden Reserven vorliegen. Freiberufler sollten daher immer für den Ernstfall gerüstet sein. Zudem ist es ratsam, bei Bedarf Mahnungen oder Zahlungserinnerungen zu versenden. Sollte selbst das nicht helfen, empfiehlt sich die Beauftragung eines Inkassounternehmens. Die meisten Inkassofirmen verlangen nur dann eine Provision, wenn das Geld erfolgreich eingetrieben wurde. Damit sind entsprechende Unternehmen eine gute Möglichkeit, um zahlungsverweigernde Kunden anzugehen. Nur in den seltensten Fällen kommt es zu einem Gerichtsverfahren. Trotzdem sollten Freiberufler ihre Kunden immer mit Bedacht auswählen. Selbst in finanziell suboptimalen Situationen sollten keine Aufträge von Kunden angenommen werden, die einem auf Anhieb nicht sympathisch sind.


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