Beim Beitragssatz sind alle Kassen gleich
Der allgemeine und der ermäßigte Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung sind gesetzlich festgelegt und damit bei jeder Kasse identisch. Wer als Selbstständiger freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt seinen Beitrag auf Basis des Einkommens, wobei eine Mindestbemessungsgrundlage gilt, unter die der Beitrag auch bei geringen Einnahmen nicht fällt. Freiwillig Versicherte zahlen zudem auf nahezu alle Einkunftsarten, also nicht nur auf den Gewinn, sondern etwa auch auf Miet- oder Kapitaleinkünfte. All das ist überall gleich, ein Vergleich allein über den Beitragssatz führt deshalb ins Leere.
Ob für Sie überhaupt die gesetzliche oder eine private Krankenversicherung sinnvoller ist, ist eine eigene Grundsatzfrage. Dieser Beitrag setzt eine Stufe später an und vergleicht die gesetzlichen Krankenkassen untereinander.
Wo Kassen wirklich um den Preis konkurrieren
Den einzigen echten Preisunterschied macht der Zusatzbeitrag, den jede Kasse selbst festlegt. Aktuell liegt er im Schnitt bei 2,9 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, die Spanne zwischen den Kassen reicht aber von gut zwei bis über vier Prozent. Für Selbstständige mit schwankendem Einkommen können wenige Zehntelprozent über das Jahr eine relevante Summe ausmachen.
Gut zu wissen: Erhöht eine Kasse ihren Zusatzbeitrag, greift ein Sonderkündigungsrecht. Ein niedriger Zusatzbeitrag ist also ein starkes Argument, aber nur eines von mehreren.

Die passende gesetzliche Krankenkasse für Selbstständige. Bildquelle: Depositphotos.com
Krankengeld ist eine Lücke, die teuer werden kann
Der Punkt, der für Selbstständige am schwersten wiegt, wird beim Preisvergleich am häufigsten übersehen: die Absicherung des Einkommens im Krankheitsfall. Wer den ermäßigten Beitragssatz wählt, zahlt weniger, hat aber keinen Anspruch auf Krankengeld. Wer sich absichern will, zahlt den allgemeinen Satz, und selbst dann setzt das gesetzliche Krankengeld erst ab der siebten Krankheitswoche ein. Die ersten sechs Wochen sind in jedem Fall selbst zu tragen.
Viele Kassen bieten Wahltarife an, mit denen sich der Krankengeldbeginn vorverlegen lässt, und genau deren Konditionen unterscheiden sich deutlich. Wer hier nur auf den Grundbeitrag schaut, riskiert im Ernstfall wochenlang ohne Einkommen dazustehen.
Leistungen, die im Alltag den Unterschied machen
Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen gibt es einen großen Bereich freiwilliger Satzungs- und Mehrleistungen, und der variiert erheblich: Zuschüsse zur professionellen Zahnreinigung, erweiterte Vorsorge, Reiseimpfungen, alternative Heilmethoden oder Gesundheitskurse. Hinzu kommen Bonusprogramme, die gesundheitsbewusstes Verhalten belohnen.
Für Selbstständige lohnt der Blick besonders auf Angebote, die zur eigenen Situation passen. Ein Beispiel dafür, wie eine Kasse ihre Leistungen gezielt auf diese Zielgruppe zuschneidet, zeigt die BKK GILDEMEISTER SEIDENSTICKER mit einem eigenen Leistungspaket für Selbstständige. Beim Vergleich gilt: Eine Leistung, die man tatsächlich nutzt, ist mehr wert als ein minimal niedrigerer Beitrag.
Wie gut ist Ihre Kasse erreichbar?
Gerade wer selbstständig ist, hat selten Zeit für Warteschleifen. Deshalb lohnt der Blick auf den Service: Gibt es eine funktionierende App und eine digitale Geschäftsstelle für Anträge und Bescheinigungen? Wie schnell reagiert der Kundenservice, und gibt es feste Ansprechpartner?
Ein kurzer Test vorab, etwa ein Anruf oder ein Blick in die Bewertungen der App, sagt oft mehr als jede Leistungsübersicht. Für viele Selbstständige ist reibungsloser digitaler Service am Ende wichtiger als ein Zehntelprozent beim Zusatzbeitrag.
In fünf Schritten zur passenden Kasse
- Prioritäten klären: Was ist Ihnen am wichtigsten, die Absicherung bei Krankheit, ein günstiger Beitrag, bestimmte Leistungen oder schneller Service?
- Krankengeld-Frage entscheiden: ermäßigter Satz ohne Anspruch oder allgemeiner Satz mit Anspruch, und ob ein Wahltarif für die frühere Zahlung sinnvoll ist.
- Zusatzbeitrag vergleichen: die Sätze der infrage kommenden Kassen gegenüberstellen, aber nie isoliert vom Leistungsumfang.
- Leistungen und Wahltarife erfragen: Satzungsleistungen, Bonusprogramme und die Bedingungen der Krankengeld-Wahltarife gezielt abfragen.
- Fristen prüfen und wechseln: die zwölfmonatige Bindung und die zweimonatige Kündigungsfrist beachten, dann den Wechsel anstoßen.
So entscheiden zwei Selbstständige
Beispiel 1: die Gründerin mit schwankendem Einkommen
Lena, 32, arbeitet als freie Grafikdesignerin, ihr Einkommen schwankt stark von Monat zu Monat. Für sie zählt vor allem, dass der Beitrag in schwachen Monaten nicht aus dem Ruder läuft, wobei sie die Mindestbemessungsgrundlage als feste Untergrenze kennt. Beim Vergleich achtet sie zuerst auf einen niedrigen Zusatzbeitrag und auf guten digitalen Service, weil sie Anträge lieber abends online erledigt. Krankengeld ab der siebten Woche reicht ihr fürs Erste, ein früher einsetzender Wahltarif ist für sie zweitrangig.
Beispiel 2: der Handwerker Mitte 50
Bernd, 54, ist selbstständiger Elektriker. Fällt er aus, steht der Betrieb. Für ihn ist die Krankengeld-Absicherung das wichtigste Kriterium überhaupt. Er wählt bewusst den allgemeinen Beitragssatz und sucht gezielt eine Kasse mit einem Wahltarif, der schon vor der siebten Woche zahlt. Der Zusatzbeitrag ist ihm wichtig, aber nicht um den Preis einer schlechteren Absicherung. Ein paar Euro mehr im Monat nimmt er in Kauf, wenn er im Ernstfall schneller Geld bekommt.
Häufige Fragen zur Krankenkasse für Selbstständige
1. Kann ich als Selbstständiger die Kasse jederzeit wechseln?
2. Bekomme ich als Selbstständiger automatisch Krankengeld?
3. Wie wird mein Beitrag als Selbstständiger überhaupt berechnet?
4. Lohnt ein Wechsel nur wegen eines niedrigeren Zusatzbeitrags?
Fazit: Die günstigste Kasse ist selten die beste
Der Grundbeitrag ist überall gleich, doch beim Zusatzbeitrag, bei der Krankengeldabsicherung, den Leistungen und beim Service unterscheiden sich die Kassen deutlich. Wer diese Kriterien an der eigenen Situation misst, statt nur auf den Preis zu schauen, findet die Kasse, die im Ernstfall wirklich trägt. Meist wiegen eine passende Absicherung und nützliche Leistungen schwerer als ein kleiner Unterschied im Beitrag.






