Produkthaftpflichtversicherung – Nutzen, Kosten und Anbieter auf einen Blick

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 13 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Als Produzent oder Händler können Sie mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden, wenn Ihre Produkte Mängel aufweisen und deshalb jemanden schädigen. Mit der passenden Versicherung schützen Sie sich vor diesem erheblichen finanziellen Risiko. Erfahren Sie, wann eine Produkthaftpflichtversicherung leistet und welche Varianten es gibt.  

Die Produkthaftpflichtversicherung als Bestandteil oder Ergänzung der Betriebshaftpflicht

Wenn ein Unternehmen ein fehlerhaftes Produkt ausliefert und einem Dritten entsteht dadurch ein Schaden, so kann dieser Schadenersatz fordern. So regelt es das Produkthaftungsgesetz. Um sich gegen dieses im schlimmsten Fall existenzbedrohende Risiko abzusichern, brauchen produzierende oder handelnde Unternehmer eine Produkthaftpflichtversicherung.

Es gibt zwei Formen der Produkthaftpflichtversicherung, die weiter unten noch näher erläutert werden: die konventionelle und die erweiterte. Während die konventionelle Produkthaftpflicht in den meisten zum Unternehmen passenden Betriebshaftpflicht-Tarifen bereits enthalten ist, muss die erweiterte Variante als Zusatzbaustein integriert werden. Ein separater Abschluss ist in beiden Fällen nicht üblich.

Typische Schäden und Leistungen

Kommt es zu einem Schaden und in Folge zu Schadenersatzforderungen, übernimmt die Versicherung zunächst die Kosten für die Prüfung der Ansprüche. Sind die Forderungen berechtigt, gestaltet sich die Begleichung des Schadens durch die Versicherung folgendermaßen:

ARTPERSONENSCHÄDENSACHSCHÄDENVERMÖGENS-
FOLGESCHÄDEN
VERMÖGENSSCHÄDEN
(nur bei erweiterter Produkthaftpflicht)
Mögliche SchädenVerletzungen, Verbrennungen, Verätzungen, allergische Reaktionen, Vergiftungen, Infektionen oder Tod Beschädigung oder Zerstörung eines Gegenstands (z.B. durch Brand, mechanische Einwirkung, Wasser) Vermögensschaden, der als Folge eines durch die Produkthaftungs- versicherung gedeckten Sach- oder Personenschadens entstanden istDurch ein fehlerhaftes Produkt direkt entstandener Vermögensschaden
LeistungenBegleichung der Schadenersatzforderungen für die medizinische Behandlung und Rehabilitation, Rentenzahlungen und Schmerzensgeld Begleichung der Schadenersatzforderungen für Reparatur oder Ersatz Ausgleichszahlungen Ausgleichszahlungen
BeispielDurch Fehler im Produktionsprozess sind Keime in einen Brotaufstrich geraten, was bei mehreren Konsumenten zu Lebensmittelvergiftungen führte. Vom Unternehmer kann Schadenersatz für Arzt- und Krankenhauskosten sowie Schmerzensgeld gefordert werden. Ein fehlerhaftes elektrisches Gerät löst einen Brand aus. Der Schaden umfasst die Ersatzkosten für die dadurch zerstörten oder beschädigten Gegenstände.Bei der Montage von Fahrrädern wurden ungeeignete Komponenten verwendet, wodurch es zu Unfällen mit längeren Arbeitsunfähigkeiten gekommen ist. Vermögensfolgeschäden sind hier die Verdienstausfälle der Geschädigten.Ein Maschinenbau-unternehmen lieferte Maschinen mit Konstruktionsfehlern aus. Dadurch waren auch die bei den Kunden darauf hergestellten Erzeugnisse fehlerhaft, wodurch Verluste entstanden.

Kosten für die Produkthaftpflichtversicherung

Da eine Produkthaftpflichtversicherung immer Baustein einer Betriebshaftpflicht ist, lassen sich die separaten Kosten dafür nur schwer benennen. Es gibt Faktoren, welche die Kosten für die Betriebshaftpflicht beeinflussen, und sich dabei speziell am Risiko der Produkthaftpflichtversicherung orientieren. Das sind im Wesentlichen die Branche, die Herstellung oder der Vertrieb besonders risikobehafteter Erzeugnisse (z. B. Heizdecken) und der Import von Waren aus Nicht-EU-Ländern.

Im Übrigen richten sich die Kosten für eine Betriebshaftpflichtversicherung vor allem nach folgenden Kriterien:

Produkthaftpflichtversicherung Kostenrelevante Kriterien der Produkthaftpflichtversicherung
  • Versicherungssumme
  • Selbstbeteiligung
  • Leistungsbestandteile (z. B. Verlust von fremdem Schlüsseln mitversichert, automatische Leistungsverbesserung bei neuen Versicherungsbedingungen)
  • Bestimmte Tätigkeiten mit höherem Risiko, z. B. Sprengungen, Gutachtertätigkeiten
  • Lagerung umweltgefährdender Stoffe
  • Kriterien für die Unternehmensgröße (Umsatz, Anzahl Mitarbeiter)
  • Auftragsvergabe an Subunternehmen
  • Zusätzliche unselbstständige Filialen oder Niederlassungen
  • Vertragsdauer
  • Zahlungsweise (z. B. jährlich)

Beispiel:

Eine kleine Bäckerei mit 5 Angestellten, ohne Filialen oder Café, kann eine Betriebshaftpflichtversicherung mit konventioneller Produkthaftpflicht bereits ab 170 € Jahresbeitrag abschließen. Hat die Bäckerei 25 Mitarbeiter und betreibt 3 Filialen mit Stehcafé, liegt der günstigste Jahresbeitrag bei etwa 725 €.

Bei der erweiterten Produkthaftpflicht ist die Risikoeinstufung und damit auch der Einfluss auf die Kosten eine individuelle Angelegenheit, weshalb auch die konkrete Art der Erzeugnisse in den Versicherungsvertrag aufgenommen wird. Wichtig sind vor allem 2 Kriterien:

  1. Werden Zwischenprodukte hergestellt oder gehandelt?
  2. Produziert, montiert, wartet oder handelt das Unternehmen Produktionsmaschinen oder Komponenten davon?

Beispiel:

Eine Maschinenschlosserei mit 10 Mitarbeitern möchte eine Betriebshaftpflichtversicherung mit einer Versicherungssumme von 5 Mio., einer Selbstbeteiligung von 250 € und 3 Jahren Vertragslaufzeit abschließen. Nur mit konventioneller Produkthaftpflicht würde der Jahresbetrag bei etwa 4.500 € liegen. Mit erweiterter Produkthaftpflichtversicherung, die in diesem Fall absolut empfehlenswert ist, bietet der gleiche Versicherer die Betriebshaftpflicht für ca. 7.600 € an.

Betriebshaftpflichtversicherung inklusive Produkthaftpflicht – Vergleichsrechner

Mit dem folgenden Vergleichsrechner können Sie nach geeigneten Tarifen für eine Betriebshaftpflichtversicherung suchen. Ob die konventionelle Produkthaftpflicht enthalten ist, entscheidet bereits die Angabe der Unternehmensart. Für die erweiterte Produkthaftpflichtversicherung sind zwei Fragen ausschlaggebend: Ob Zwischenprodukte hergestellt werden und ob Ihr Unternehmen Maschinen herstellt, montiert, wartet oder verkauft.

Wer sollte auf eine Produkthaftpflichtversicherung auf keinen Fall verzichten?

Die Produkthaftpflichtversicherung ist zwar nicht für jedes Unternehmen ein Thema, sie betrifft jedoch nicht nur Hersteller. Bei folgenden Unternehmensarten müssen Sie darauf achten, dass Ihre Betriebshaftpflichtversicherung eine konventionelle Produkthaftpflicht enthält:

  • Produzenten: Diese Unternehmen stellen Erzeugnisse unter eigenem Namen her. Sach- oder Personenschäden sind in vielen Bereichen denkbar, ob bei technischen Geräten, Möbeln oder Speisen in einem Restaurant.
  • Quasi-Hersteller: Es erfolgt keine eigene Produktion, aber der Vertrieb unter eigenem Namen. Der Quasi-Hersteller haftet für Schäden.
  • Händler: Diese haften immer dann, wenn der Hersteller im Schadenfall nicht ermittelt werden kann.

Darüber hinaus brauchen Zulieferbetriebe, die Zwischenprodukte herstellen, eine erweiterte Produkthaftungsversicherung. Diese deckt direkte Vermögensschäden bei B2B-Kunden ab. Das gilt auch für Hersteller, Monteure und Verkäufer von Produktionsmaschinen.

Vergleich ausgewählter Anbieter

Der folgende Vergleich bezieht sich auf eine Betriebshaftpflichtversicherung inklusive konventioneller Produkthaftpflicht für eine Bäckerei mit 10 Angestellten. Die Versicherungssumme für Personen- und Sachschäden liegt bei 5 Mio. €, die Laufzeit bei 3 Jahren und die Beiträge werden jährlich gezahlt.

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Konventionelle versus erweiterte Produkthaftpflichtversicherung: Die Unterschiede

Wenn Sie über einen Online-Vergleich oder eine direkte Anfrage bei Versicherern Angebote für passende Betriebshaftpflicht-Tarife anfordern, ist die konventionelle Produkthaftpflichtversicherung automatisch mit enthalten, sofern das für Ihr Unternehmen relevant ist. Diese deckt Personen-, Sach- und Vermögensfolgeschäden ab, die durch ein mangelhaftes Produkt verursacht wurden. Als Mangel gilt dabei auch, wenn eine vereinbarte Eigenschaft fehlt, z. B. wenn bei einem technischen Gerät ein versprochener Schutzmechanismus nicht vorhanden ist und dadurch jemand zu Schaden kommt.

Vermögensfolgeschäden entstehen als Folge eines durch die Haftpflichtversicherung abgedeckten Personen- oder Sachschadens, meist als Verdienst- oder Gewinnausfälle. Beispiel: Die falsche Zutat in einem Kosmetikprodukt verursacht schwere Hautschäden, was zu längerer Arbeitsunfähigkeit führt. Für den Personenschaden zahlt die Versicherung Behandlungskosten und Schmerzensgeld. Die Verdienstausfälle der betroffenen Verbraucher sind Vermögensfolgeschäden.

Die erweiterte Produkthaftpflichtversicherung spielt im B2B-Bereich eine Rolle. Sie versichert direkte Vermögensschäden, die den Kunden durch die Weiterverarbeitung fehlerhafter Produkte oder die Nutzung mangelhafter Maschinen entstehen. Welche Schäden und Kosten gedeckt sind, wird im Versicherungsvertrag individuell vereinbart. Beispiel: Für die Herstellung technischer Textilien wird fehlerhaftes Garn geliefert. Der Kunde erkennt den Fehler nicht sofort und kann die produzierte Ware nicht verkaufen, was einen finanziellen Verlust zur Folge hat.

Was die Produkthaftpflichtversicherung nicht abdeckt

Nicht in jedem Fall zahlt die Produkthaftungsversicherung. Bei den folgenden Schäden besteht in der Regel kein Versicherungsschutz:

Produkthaftpflichtversicherung- Hier zahlt die Produkthaftpflichtversicherung nicht
  • Schäden am eigenen, mangelhaften Produkt
  • Schäden durch Produkte mit Rechtsmängeln (z. B. bei Markenrechtsverletzungen)
  • Kosten für die Nachlieferung mangelfreier Erzeugnisse
  • Produktrückrufkosten
  • Eigenschäden, die der Unternehmer selbst erleidet
  • Vorsätzlich herbeigeführte Schäden
  • Bußgelder

Sinnvoller Versicherungsschutz: Ergänzungen der Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung

Ob als Baustein der Betriebshaftpflicht oder separat, bestimmte weitere Versicherungen könnten für Ihr Unternehmen ebenfalls sinnvoll sein. Informieren Sie sich über:

  • Private Haftpflichtversicherung (bei Einzelunternehmen in die Betriebshaftpflicht integrierbar)
  • Cyberversicherung (Schutz vor Schäden durch Cyberkriminalität)
  • Umwelthaftpflichtversicherung (bei Umweltrisiken meist Bestandteil der Betriebshaftpflicht)
  • Auslandsdeckung (Gültigkeit der Versicherung im Ausland)
  • Rechtschutz (für nicht von der Haftpflicht gedeckte Rechtsstreitigkeiten)
  • Produktrückrufkostenversicherung (kein standardmäßiger Bestandteil der Produkthaftpflicht)

Vergleichsrechner zur Betriebshaftpflichtversicherung inklusive Produkthaftpflicht

Nutzen Sie für die Suche nach einer Betriebshaftpflichtversicherung mit Produkthaftpflicht den folgenden Online-Vergleich. Achten Sie für die erweiterte Produkthaftungsversicherung auf die beiden Optionen zu den Zwischenprodukten und Produktionsmaschinen.

Fazit zur Produkthaftpflichtversicherung

Wer Produkte herstellt oder damit handelt, kann für Schäden durch mangelhafte Erzeugnisse haftbar gemacht werden. Da Schadenersatzforderungen die Existenz eines Unternehmens gefährden können, ist eine konventionelle Produkthaftpflichtversicherung standardmäßig Bestandteil der Betriebshaftpflicht für Produzenten und Händler.

Für Zulieferbetriebe im B2B-Bereich sowie Maschinenbau- und Wartungsunternehmen bietet sich darüber hinaus eine erweiterte Produkthaftpflicht an. Diese wird entsprechend der individuellen Gegebenheiten abgeschlossen und ebenfalls in die Betriebshaftpflicht integriert.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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