Selbstständig machen mit einer Möbellift Vermietung? Christian Fehrmann zeigt wie es funktioniert

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 29 Januar, 2024
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In seiner früheren Tätigkeit als Umzugshelfer begegnete Christian Fehrmann häufig gestressten Mietern, rückengeplagten Helfern und knappen Zeitplänen. Deshalb machte der Familienvater aus der Not eine Tugend und gründete 2016 die Möbellift Vermietung in Berlin. Trotz der Tatsache, dass in der Bundeshauptstadt so wenig umgezogen wird wie nirgends sonst, kann der Unternehmer sich über volle Auftragsbücher freuen. Denn die mobilen Geräte werden vielfach auch zur Unterstützung von Bauvorhaben eingesetzt, deren Zahl im Lauf der nächsten Jahre noch zunehmen dürfte.  

Sie führen seit 2016 die Möbellift Vermietung in Berlin. Was hat Sie damals zu dem Entschluss gebracht, sich selbstständig zu machen?

Vor meiner Existenzgründung habe ich einige Jahre als Möbelpacker und Kraftfahrer in einem Umzugsunternehmen gearbeitet. Dabei wurden nur selten Umzugslifte oder Schrägaufzüge eingesetzt. Für mich und meine Kollegen resultierte daraus ein deutlich höherer Kraft- und Zeitaufwand. Wenn doch mal ein Lift vorhanden war, konnten Aufträge deutlich schneller und schonender abgewickelt werden. Hinzu kam, dass die Auftraggeber generell zufriedener waren, wenn sperrige Habseligkeiten komplett schadensfrei und sicher transportiert werden konnten. Da es zu dem Zeitpunkt kaum Anbieter für die Vermietung von Schrägaufzügen gab, habe ich Eins und Eins zusammengezählt und mir meinen ersten Lift finanziert. Dieser Schritt war zu Beginn natürlich kein leichter, da niemand mein Unternehmen auf der Karte hatte. Durch den hohen Bedarf und die stetige Dynamik im Berliner Wohnungsmarkt konnte ich mich allerdings recht schnell etablieren. Unser Ziel ist, künftig noch mehr Firmen die Möglichkeit zu geben, einen Lift bei uns zu buchen und damit nicht nur ihre Budgets, sondern vor allem die Mitarbeiter zu entlasten.

Wie sieht normalerweise Ihr Arbeitstag aus?

Als Familienvater nehme ich mir morgens immer die Zeit, meine Kinder in den Kindergarten zu bringen. In meinen Tag starte ich dadurch bereits einige Stunden vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn. Ich plane gern mehrere Tage vorab und habe so eine gute Struktur, wodurch ich das Glück habe, auch Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. In meiner Branche ist es allerdings normal, dass täglich Unvorhergesehenes eintritt. Deshalb plane ich bewusste Pufferzeiten ein, in denen ich auf solche spontanen Ereignisse, Anfragen oder Termine reagieren kann. Diese Flexibilität ist einerseits persönlich wichtig für mich, aber auch absolute Voraussetzung für Unternehmen in der heutigen Zeit. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass sich mit gutem Willen für jedes Problem eine Lösung finden lässt.

Der Wohnungsmarkt in Berlin war selten umkämpfter. Jährlich wächst die Stadt um 40.000 Menschen. Wie wirkt sich das auf Ihre Auftragslage aus?

Unsere Auftragslage ist sehr gut und zeigt, dass das Interesse an der Vereinfachung und effizienten Abwicklung von Umzügen und Bauarbeiten groß ist. Viele Kunden berichten uns, dass sie mehr private Zeit genießen und sich mit anderen Dingen beschäftigen möchten oder müssen. Wenn wir ihnen dann erklären, wie niedrig die Mietkosten unserer Lifte sind, blicken wir oft in positiv überraschte Gesichter. Das liegt daran, dass der Begriff des Umzugslift oft mit einem Kran verwechselt wird und häufig angenommen wird, die Kosten wären vergleichbar. Tatsächlich setzen wir aber auf deutlich Platz- und kostensparendere Lifte mit einer Traglast von bis zu 400 Kilogramm.

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Welche sind die Ihrer Meinung nach größten Veränderungen, die Ihre Branche und die alltägliche Arbeit in Ihrem Unternehmen in den nächsten Jahren beeinflussen werden?

Grundsätzlich können unsere Lifte sehr flexibel und vielseitig an Fassaden und Häusern angebracht werden, weshalb wir für die Zukunft sicher aufgestellt sind. Einige Neubauten verfügen aber über große Personenaufzüge, die von Mietern gerne für Umzüge genutzt werden. Der Teufel steckt hier aber im Detail: Viele Mietverträge in besagten Objekten untersagen die Nutzung dieser Aufzüge für Umzugstätigkeiten. Den meisten Mietern ist das nicht bewusst, was man ihnen meiner Meinung nach nicht verübeln kann. Auch beobachten wir, dass beispielsweise in vollklimatisierten Gebäuden oft keine Fenster mehr verbaut werden, die sich für unsere Zwecke weit genug öffnen lassen. Das macht es schwieriger, große Objekte in die höheren Stockwerke zu befördern.

Was ist Ihre Sicht auf den generell diskutierten Fachkräftemangel? Sehen Sie Überschneidungen zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der Mitarbeitergewinnung in Ihrer Firma?

Davon sind wir in geringerem Maße betroffen, als man vermuten würde. Einerseits freuen wir uns natürlich, wenn wir jemanden mit reichlich Erfahrung in der Bedienung unterschiedlicher Baumaschinen einstellen können. Für mich persönlich sind Schulabschlüsse oder Gesellenbriefe aber nicht die Kriterien, die bei der Suche nach neuen Mitarbeitern für mich entscheidend sind. Als viel wichtiger empfinde ich das persönliche Engagement, Gewissenhaftigkeit bei der Arbeit und die nötige Ruhe im Umgang mit den Maschinen. Wille und Motivation sind meiner Erfahrung nach die deutlich besseren Merkmale, an denen sich Arbeitgeber orientieren sollten. Deshalb bilden wir motivierte Mitarbeiter gerne aus und führen sie nach und nach an den verantwortungsbewussten Umgang mit unseren Maschinen heran. Viele Unternehmen machen Schulabgängern, die nur mittelmäßige Noten vorweisen können, den Weg zu ihrem Traumjob unnötig schwer. Da bleibt meiner Meinung nach viel Potenzial liegen.

Was würden Sie jungen Gründern empfehlen, die sich in der Hauptstadt selbstständig machen möchten?

Ich denke, dass viele Gründer heute Schwierigkeiten im Umgang mit dem Erwartungsdruck von außen und dem eigenen persönlichen Anspruch haben. Deshalb würde ich jedem Gründer raten, Kunden gegenüber stets ehrlich und natürlich zu bleiben. Nichts zu versprechen, was man nicht halten kann ist heute wichtiger denn je, da die Konkurrenz in vielen Branchen zugenommen hat. Letztlich kochen aber auch die Großen nur mit Wasser. Sich nicht einschüchtern oder entmutigen zu lassen, ist in der Gründungsphase besonders wichtig. Als letzten Tipp würde ich allen Gründern unabhängig von der Geschäftsidee mitgeben wollen, nichts als selbstverständlich anzusehen und Kundenzufriedenheit stets als oberste Priorität zu betrachten.

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Ihnen und moebellift-vermietung.berlin zu hören!


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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