Krisen besonnen meistern – Im Interview mit Sven Hohmann, Geschäftsführer ibau GmbH

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 29 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Die Corona-Pandemie zeigt, welche umfangreiche Auswirkungen Krisen und unvorhersehbare Ereignisse auf die Wirtschaft haben können. Gerade in solch herausfordernden Zeiten ist es enorm wichtig, schnelle aber keine voreiligen Entscheidungen zu treffen und die eigene Situation realistisch einzuschätzen. In diesem Interview zeigt Sven Hohmann, Geschäftsführer der ibau GmbH, wie erfolgreiche Unternehmen Gründer und Selbstständige inspirieren können.  

Was ist Dein wichtigster Tipp für Jungunternehmer, die gerade selbst gegründet haben?

In der Krise ist Kundennähe noch mehr als sonst das absolute Muss. Zugleich gilt es, mit größter Anstrengung die Liquidität zu halten bzw. deutlich zu erhöhen. In der Regel sind dies leider gegenläufige Ziele. Analysiere daher Dein Geschäftsmodell und hinterfrage alle Prozesse kritisch. Alles was vor der Krise gut und richtig entschieden wurde, ist heute nicht zwangsläufig immer noch gut und richtig. Welche Tätigkeiten sind letztlich entscheidend, um Dein Business erfolgreich weiterzuführen? Welche Tätigkeiten können aufgrund der Änderung der Situation gar nicht weitergeführt werden? Gerade zurzeit sollten sich Unternehmer, Jungunternehmer wie bereits erfolgreiche Manager auf die funktionierenden und ertragsversprechenden Prozesse und Tätigkeiten konzentrieren und intensiv mit ihren Kunden im engen Austausch stehen.

Was waren Deine Top 3 Learnings bei der Existenzgründung? 

Meine Top 3 Learnings sind definitiv „triff Entscheidungen“, „sei mutig“ und „bleibe zielstrebig“.  Im Geschäftsalltag geht es ständig darum Entscheidungen zu treffen. Aber genau dies fällt oft schwer. Die Angst falsche Entscheidungen zu treffen hemmt. Ich habe früh feststellen können, dass es mich erfolgreicher gemacht hat, Entscheidungen zu treffen und zu handeln, auch wenn es im Nachhinein nicht immer die beste Entscheidung gewesen ist. Zu entscheiden heißt auch Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Keine oder späte Entscheidungen zu treffen sind für mich gleichbedeutend mit Stillstand – und der schadet jedem Unternehmen.

Das bringt mich auch direkt zum zweiten Punkt. Entscheidungen treffen bedeutet mutig sein. Man hat nie alle Informationen, geht also mit jeder Entscheidung ein Risiko ein. Sonst wäre es keine Entscheidung, sondern eine Berechnung. Den Mut benötig man meistens auch länger, da das messbare Ergebnis oft erst nach einiger Zeit feststeht; die Kritik, der angebliche Misserfolg für die Zweifler, aber schon klar ist. Die Grenzen zwischen Mut, Waghalsigkeit und Borniertheit sind fließend. Aber erfolgreich ist niemand, der wie ein Blatt im Wind ständig seine Meinung und Entscheidung ändert. Das verunsichert nur Mitarbeiter und Kunden.

Und das ist auch mein letzter Punkt: „Halte dir deine Ziele ständig vor Augen“. Was willst Du für Deine Kunden erreichen? Erfolg kann zur Routine werden. Nie haben sich Kunden und Märkte schneller verändert als heute. Nie gab es mehr Konkurrenz durch neue Unternehmen. Das ist großartig für Kunden und für Dich – wenn Du Deine Ziele wirklich im Auge behältst. Gerade wenn es gut läuft und sich die Zahlen positiv entwickeln, sollte geprüft werden, ob bestehende Geschäftsfelder auch langfristig Erfolg versprechen oder ob nicht neue Geschäftsfelder zusätzlich erschlossen werden sollten. Es geht hierbei auch darum die eigene Komfortzone zu verlassen. Natürlich ist es schön den hart erarbeitenden Erfolg zu genießen – aber neue Herausforderungen zu finden, war für mich immer noch ein Stück erfüllender.

Was ist Dein Geschäftsmodell?

ibau versteht sich als Full-Service-Dienstleister. Unser Kerngeschäft basiert auf der digitalen Bereitstellung aller relevanten Informationen zu Ausschreibungen und Vergaben im öffentlichen sowie gewerblichen Sektor. Je nach Art und Umfang der Informationen errechnet sich der zu zahlende Preis für unsere Kunden. Durch die bereitgestellten Informationen ermöglichen wir den entscheidenden Kontakt zwischen Auftraggebern und Bietern. Darin liegt auch der Mehrwert für unsere Kunden – mit Hilfe unserer Informationen können sie einfach Aufträge akquirieren.

Wer ist Deine Zielgruppe und wie erreichst Du sie?

Ganz einfach formuliert sind unsere Zielgruppen alle Unternehmer und Firmen, die Aufträge ausführen oder suchen. Da öffentliche Institutionen Beschaffungen jeglicher Art und die Inanspruchnahme von Dienstleistungen jedweder Ausprägung öffentlich ausschreiben müssen, beschränkt sich unsere Zielgruppe nicht auf eine bestimmte Branche. Aufgrund unserer Historie machen aber die Beteiligten der Bauindustrie einen Großteil unserer Zielgruppe aus. Hierzu zählen vor allem ausführende Unternehmen, vom Generalunternehmer bis zum selbstständigen Handwerker sowie Industrie- und Handelsunternehmen der Baubranche.

Wir erreichen unsere Zielgruppe überwiegend digital und online. Die Nutzung von Suchmaschinen ist dabei für uns entscheidend. Durch langfristig angelegte SEO Maßnahmen erreichen wir unsere Zielgruppen heute schon bei der Suche nach relevanten Informationen rund um Ausschreibungen und Aufträge.

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Krisen besonnen meistern – Im Interview mit Sven Hohmann, Geschäftsführer ibau GmbH

Inwiefern beeinflusst die aktuelle Krise Dein Geschäftsmodell? 

Auftraggeber und Auftragnehmer müssen nach wie vor zusammenfinden, daher sind wir von den Auswirkungen durch die Corona-Pandemie glücklicherweise nicht so stark betroffen wie andere Unternehmen und Wirtschaftsbereiche. Aber natürlich bemerken wir Zurückhaltung und Unsicherheit bei unseren Kunden. Daher haben wir uns entschlossen, wie viele andere Unternehmen auch, unsere Zielgruppen zu unterstützen. Der Baubereich macht nahezu ein Drittel aller Ausschreibungen in Deutschland aus. Dementsprechend verfügen wir in diesem Bereich über die größte Datenbasis und die meisten Ansprechpartner in Person von Projektplanern, Investoren und Entscheidern. Auf Basis dieser Informationen möchten wir versuchen für alle Baubeteiligten wieder ein Stück Planungssicherheit zu schaffen, indem wir die ibau Sentiment Analyse auf unserer Website veröffentlichen: zur ibau Sentiment Analyse für April. In dieser Stimmungsanalyse geht es darum, welche Entwicklungen sich für die bevorstehenden Monate abzeichnen und welchen Eindruck der Situation relevante Entscheider schildern. Durch diese Insights ist es uns möglich Prognosen für die Entwicklung der Bauwirtschaft zu wagen.

Wie ist die Idee zu ibau entstanden?

So wie viele erfolgreiche Geschäfte beginnen: mit einer guten Idee. Unser Gründer hat erkannt, dass für die Beteiligten der Bauindustrie praktisch keine Transparenz besteht im Hinblick darauf, welche Bauprojekte geplant sind und wer an diesen arbeitet. Dementsprechend hat er es sich zur Aufgabe gemacht diese Informationen in Form von gedruckten Zeitschriften zu publizieren. Diese Kernidee bildet noch heute unsere Geschäftsgrundlage. Den anfänglichen Fokus auf den Baubereich haben wir jedoch auf alle Industrie- und Gewerbebereiche erweitert. Und natürlich heute 100 Prozent digital.

Was ist das Besondere an dem Startup ibau?

ibau ist schon wirklich sehr lange kein Startup mehr. Wir sprechen hier von einem etablierten Unternehmen. Aber von Anfang an bis heute differenzieren wir uns über einen einzigen Faktor: Wir kennen unsere Kunden und deren Geschäfte. Und zwar sehr genau. Unsere Produkte unterliegen permanenten Änderungen und Verbesserungen damit wir unseren Kunden immer die besten Informationen, genau auf Ihre Anforderungen zugeschnitten, anbieten können.

Wie liefen Deine ersten Monate in der Startphase an? Hast Du von Anfang an Geld verdient oder gab es auch richtige Durststrecken? 

Meine Startphase bei ibau war eine spannende Zeit. 2008 redeten alle von online, aber wie man einen Verlag vollständig digitalisiert wusste eigentlich niemand. Wir haben damals die mutige Entscheidung getroffen, uns völlig vom gedruckten Medium zu verabschieden und den Kunden eine SAAS Lösung mit großen Mehrwerten zu bieten. Und gleichzeitig alle unsere Abläufe und Prozesse zu digitalisieren. Offengestanden, musste ich intern mehr Überzeugungskraft aufbringen als bei unseren Kunden.

Hast Du Dich sofort Vollzeit selbstständig gemacht?

Bevor ich selbstständig wurde, hatte ich das Glück Geschäftsführer zu werden und immer für Gesellschafter zu arbeiten, die Unternehmer suchten. Ich genieße die freien Entscheidungsmöglichkeiten und die damit verbundene Verantwortung.

Wie sieht aktuell Deine Arbeitswoche aus?

Länger als üblich. Zusätzlich zu den ganz normalen operativen Dingen kommen mit Corona völlig neue Fragestellungen. Wir erleben gerade den größten Schub in Richtung Digitalisierung den es je in Deutschland gab. Gleichzeitig sind Kunden, Märkte aber auch die Kollegen verunsichert. Aber gerade deswegen sehe ich die Krise als Chance. Es gibt keine bessere Zeit als jetzt, um alte Zöpfe abzuschneiden und neue Wege zu gehen.

Wo siehst Du Dich und ibau in 5 Jahren?

Seit mittlerweile 13 Jahren kann ich mich jeden Tag für meinen Beruf begeistern und sehe mich in fünf Jahren genau dort wo ich gerade bin. Die Corona-Pandemie hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie schnell Unternehmen in der Lage sind, sich neuen Bedingungen anzupassen. Diese Fähigkeit zur Anpassung möchte ich auch in Zukunft weiter aufrechterhalten. Ich sehe ibau in fünf Jahren als international tätiges Unternehmen – jedoch immer mit dem Fokus auf den deutschen Markt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Jederzeit gern.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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