Im Interview: Sebastian Knoll, Geschäftsführer von MainFilm

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 29 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Heute im Interview auf selbststaendigkeit.de: Sebastian Knoll, Geschäftsführer von MainFilm. Die Videoproduktionsfirma bietet Live Streaming-Übertragungen für Unternehmen an und erledigt dabei alles - vom ersten Konzept bis zur Distribution des Contents. Mit selbststaendigkeit.de hat sich Sebastian über seine Erfahrungen als Gründer und Unternehmer unterhalten. Wir wollten wissen: Wie funktioniert Unternehmensführung eigentlich in der Kreativbranche?  

Du bist Geschäftsführer eines Unternehmens voller kreativer Köpfe. Sind dabei andere Führungseigenschaften gefragt als etwa in einer Steuerkanzlei oder einem Ingenieursbetrieb?

Eine gesunde Gesprächskultur, in der Ideen gefördert und neue Ansätze belohnt werden, ist sehr wichtig. Außerdem legen wir einen großen Wert darauf, dass auch der Arbeitsplatz selbst ein kreatives Umfeld bietet. Was den Umgang mit den Mitarbeitern betrifft, so halten wir es für wichtig, kreative Köpfe nicht zu sehr zu bevormunden. Das bremst unnötig die Identifikation mit dem Unternehmen und mit Projekten, was genau dem Gegenteil dessen entspricht, was wir mit unserer Arbeit erreichen wollen.

Viele in Deiner Branche wollen als Freelancer arbeiten und denken über eine Existenzgründung nach. Was würdest Du hier Berufsanfängern raten, die diesen Schritt in Erwägung ziehen?

Ich würde jungen Unternehmern mit auf den Weg geben, sich zuerst immer auf ihre Stärken zu konzentrieren. Während man das tut, müssen die eigenen Schwächen aber ebenfalls bedacht werden. Denn für die Bereiche, in denen es einem zu Beginn der Unternehmung an Expertise fehlt, sollte man sich Verstärkung holen.

Wie läuft ein Auftrag normalerweise ab?

In der Regel beginnt es bei uns mit einer Email oder einem Anruf, in dem ein potenzieller Kunde den groben Bedarf schildert. Da wir ein breit aufgestelltes Team mit unterschiedlichen Fachbereichen sind, unterscheiden sich die Abläufe von Projekt zu Projekt. Wenn beispielsweise ein eher ein technisch- kreativer Hintergrund wie bei einer Live Streaming Produktion verlangt wird, oder eher eine redaktionelle Auseinandersetzung mit dem Unternehmen wie bei einem Imagefilm erforderlich ist, ziehen wir die jeweiligen Experten hinzu. Auch Produktionen mit starkem Produktfokus können sich stark unterscheiden, weshalb sich bei MainFilm unterschiedliche Abläufe und Ansprechpartner mit den jeweiligen Projekten befassen.

Was jedoch immer gleich abläuft, ist die kostenlose Erstberatung, aus welcher wir für unsere Corporate-Kunden ein detailliertes Briefing ableiten. Bei Agenturkunden ist das Briefing meist ein Teil der Leistung, die sie mitbringen. Dann müssen wir den Input nur auf die filmische Umsetzung und Distribution zur jeweiligen Zielgruppe anwenden.

Unabhängig von der Projektausrichtung wissen danach alle Beteiligten, für wen was wie und bis wann umgesetzt werden muss – und natürlich, wie viel es kostet.  

Je nach Projekt geht es ab diesem Punkt unterschiedlich weiter. Entweder findet direkt die Planung statt, so wie z.B. bei Live Streaming-Produktionen. Dann beginnen wir mit der Umsetzung der ersten Maßnahmen. Das kann die Erstellung der Website mit interaktiven Features oder besonderen Datenschutz Richtlinien, die Buchung von den Stream bewerbenden Multiplikatoren, der Kameraplan und die Wahl der Internetverbindungen bis hin zu Hotelreservierungen für die Crew reichen. 

Beim Werbe- oder Imagefilm beginnt an dieser Stelle die Konzeptphase, die in einem Storyboard mündet. Im Anschluss an die Abnahme durch den Kunden werden Schauspieler gecastet und die Drehpläne vorbereitet. Gleichzeitig bringen wir das technische Equipment auf den Weg, welches für den Dreh benötigt wird.  Sind diese Vorbereitungen abgeschlossen, kann der Werbe- bzw. Imagefilm gedreht werden. Nach dem Dreh wird das audiovisuelle Material bearbeitet und für die unterschiedlichen Plattformen aufbereitet.

Jetzt beginnt eigentlich eine der spannendsten Aufgaben: die Distribution. In dieser Phase muss der Content zur Zielgruppe gebracht werden. Denn auch der schönste Film verfehlt sein Ziel, wenn ihn niemand sieht.    

Filme machen möchten viele, die Konkurrenz innerhalb der Branche ist hart. Kannst Du jungen Gründern einen Tipp geben, wie man sein Unternehmen unter solchen Bedingungen im Markt etabliert?

Ich kann hier nur für uns und den B2B-Markt sprechen. Was sich für uns hier am besten bewährt hat, ist anderen zum Erfolg zu verhelfen - egal um welche Projektausrichtung es sich dabei handelt. Schafft man für den Kunden messbare Erfolge, entstehen daraus Folgeaufträge. Und genau die sind es, die dem eigenen Unternehmen langfristig auch zum Erfolg verhelfen. Gute Arbeit setzt sich durch.

Im Interview - Sebastian Knoll, Geschäftsführer von MainFilm_TB

Die Mainfilm Gründer Sebastian Knoll und Stipe Braun, mainfilm.tv

Zu Eurem Portfolio gehören auch Videos für Social Media. In sozialen Netzwerken ist vor allem Authentizität gefragt. Hast Du an diese Videos eine andere Herangehensweise als etwa bei einem klassischen Imagefilm?

Ein guter Imagefilm hat qualitativ einen anderen Anspruch als ein Social Media-Video. Jedoch bewährt sich auch hier Authentizität. Ich halte nichts von Imagefilmen, in denen ein gesichtsloser Sprecher die Firmenphilosophie herunterbetet. Stattdessen sollten Emotionen geweckt und das Gefühlt vermittelt werden, dass Menschen und Existenzen hinter einem Unternehmen stehen. Dies gelingt sowohl bei der Maschinenbaufirma als auch beim Handyhersteller nicht nur durch Dramaturgie und Inszenierung, sondern durch nachempfindbare Charaktere, die exemplarisch für die Firma stehen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Dich aus? Gibt es den überhaupt?

Alles beginnt mit einem Kaffee und dem morgendlichen Blick in das Mailpostfach. Danach hängt mein Tagesablauf aber sehr stark von den Projekten ab, an denen wir arbeiten. Natürlich gibt es auch wiederkehrende Arbeitsabläufe. Doch durch die unterschiedlichen Projekte, ständige wachsende Plattformen sowie neue Formate und Möglichkeiten der Optimierung ist kein Monat wie der andere.     

Drohnenaufnahmen, anamorphe Linsen, Highspeed-Kameras… Wann lohnt sich der Einsatz von Hightech-Equipment wirklich?

Immer dann, wenn man sich als Marke absetzen möchte. Natürlich kann man mit einer Drohne für 2.500 Euro in 10 Bit aufzeichnen oder mit einer Blogger-Kamera für 5.000 Euro und dem richtigen Objektiv schöne Bilder einfangen. Doch gerade durch die erschwinglichen Preise und die Flut von Content durch Consumer-Kameras erhöht sich bei professionellen Produktionen auch gleichermaßen der Einsatz von hochwertigem Equipment. Die Möglichkeiten während der Aufzeichnung und auf dem Weg hin zum fertigen Film machen den Unterschied, wenn man beispielsweise das Szenario 5k DSLR- gegen 50k Arri-Kamera als Vergleich heranzieht.

Im Interview - Sebastian Knoll, Geschäftsführer von MainFilm_TB2

Kreative Konzepte mit modernster Technik für eine professionelle Filmproduktion, mainfilm.tv

Ihr fertigt auch Animationsfilme an. Wo liegen die Vorteile von Animationen gegenüber Realfilmen, beispielsweise bei Werbefilmen?

Ob Animationen oder Realfilm sinnvoll ist, kommt auf die Inhalte an, die vermittelt werden sollen. Ein Raumschiff über Frankfurt aus den Wolken hervortreten zu lassen ist über VFX günstiger umzusetzen. Ebenso ist es mit Hilfe einer CRD-Datei einfacher, durch dass Innenleben einer Maschine zu fliegen. Doch gerade beim Werbefilm sehe ich grundsätzlich mehr Vorteile im Format Realfilm als in der Animation.

Welche Tipps hast Du für die Erstellung von Produktvideos?

Der wichtigste Rat, den ich Unternehmen geben kann, ist: Spart nicht am Budget und der Vorlaufzeit, wenn Konzeptionsphase, Regieführung und das jeweilige Equipment kalkuliert werden. Wie in vielen anderen Kreativbereichen steigt die Qualität des Endprodukts maßgeblich, wenn ihm eine realistische Planung vorausgeht.

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Dir und Mainfilm zu hören!


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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