Guten Tag, Herr Schaefers! Wir freuen uns, dass Sie Zeit für das Gespräch gefunden haben. Lassen Sie uns zunächst über Ihren Werdegang sprechen. Wie kam es zur Gründung von edelmat.?
Es freut mich, hier zu sein. Nun, die edelmat. GmbH entstand 2009 aus zwei Einzelunternehmungen. Eine davon – patentblau – war sehr stark mit der Berliner Club Kultur verwurzelt. Unser Fokus lag auf den Bereichen DJ-Technik und Beschallung. Tresor, Watergate und Berghain zählen übrigens auch heute noch zu unseren Kunden.
Seit 2016 führe ich die Geschäfte alleine und statt der Technik ist der Mensch in den Vordergrund gerückt. Im Jahr 2018 wurden wir ausgezeichnet als Preisträger beim Wettbewerb „Berlins beste Ausbildungsbetriebe“. Im Folgejahr, nach unserem Standortwechsel, haben wir den Reinickendorfer Ausbildungsbuddy gewonnen.
Lassen Sie uns noch ein wenig weiter zurückblicken. Wie kamen Sie auf das Thema Veranstaltungstechnik?
Im Jahr 2000 zog ich von Köln nach Berlin, um hier zu studieren und als DJ die Stadt und ihre Bewohner kennenzulernen. Kurze Zeit später wurde ich Teil des Kollektivs patentblau. Für unsere Veranstaltungen benötigten wir passende Technik – so entstand ein Verleihgeschäft.
Heute sind wir Spezialisten für Veranstaltungstechnik. Unsere Tätigkeit umfasst Beratung, Konzeption, Installation, Vermietung, Verkauf und Service. Vor der aktuellen Krise haben wir zuletzt mehr die technische Konzeption von Kongressen etc. übernommen, mit dem Fokus Veranstaltungs- und Besuchersicherheit. Aktuell transformieren wir Veranstaltungsformate, um diese zu streamen. Außerdem professionalisieren wir Besprechungszentren und Schulungsräume für digitale und hybride Anwendungsbereiche.
Im Interview: Daniel Schaefers von edelmat. Bildquelle: 2019, Karl Günter Rammoser, PUBLIC ADDRESS presseagentur
Mit welchen Herausforderungen haben Sie als Veranstaltungstechniker zu tun?
Hier sind ganz klar die saisonalen Schwankungen und kurzfristigen Anfragen zu nennen. Unsere Kunden waren es gewohnt, dass wir die benötigte Technik und sämtliche Serviceleistungen auch kurzfristig bereitstellen können. Aktuell liegen die Herausforderungen unserer Branche eher in der fehlenden Planungssicherheit – hierdurch kann keine Nachfrage entstehen.
Welche aktuellen Trends gibt es in der Veranstaltungsbranche?
Zurzeit findet der größte Teil der Veranstaltungen online statt. Es ist davon auszugehen, dass ein Teil dieser Entwicklung nachhaltig sein wird. Vor allem informative Veranstaltungsformate wird es weiter in digitaler oder hybrider Form geben.
Wir sind daran interessiert, über Notlösungen hinausgehende Konzepte für unsere Kunden zu entwickeln. Gut funktioniert das beispielsweise bei Workshop-Formaten und Schulungsanwendungen. Doch auch im klassischen Event-Bereich und bei Konzerten können Veranstalter ihre Reichweiten und Umsätze mit digitalen Elementen steigern.
Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit?
Unmittelbar nach der Absage der ITB – also noch vor dem ersten Lockdown – hatten wir eine Storno-Quote von 100 % für das laufende Jahr. Unser Kerngeschäft stand von einem Augenblick zum anderen still. Ich gehe davon aus, dass es so oder so ähnlich auch den meisten anderen Unternehmen unserer Branche erging.
Wir waren wieder Start-Up, standen dabei aber von Beginn an mit dem Rücken zur Wand. Vor allem die interne Kommunikation hat stark gelitten. Durch unsere neue Ausrichtung ist es uns gelungen, die Krise zu bewältigen. Ich mache aber 3 Kreuzchen, wenn unser Kerngeschäft wiedereinsetzt.
Wie schätzen Sie die Entwicklung in den kommenden Jahren ein?
Die Verantwortlichen in der Politik haben zu keinem Zeitpunkt Lösungen zugelassen. Viele Menschen haben unsere Branche verlassen. Nach über einem Jahr herrscht weiterhin eine unabsehbare Planungsunsicherheit und Perspektivlosigkeit.
Unsere Branche wurde massiv und nachhaltig geschädigt. Ich könnte mir vorstellen, dass hier die Probleme erst anfangen, wenn es plötzlich wieder los geht.
Vielen Dank für das informative Gespräch und die interessanten Einblicke!