Hi Chris, bevor wir uns mit den Konstanten und Inkonstanten deiner Branche beschäftigen, erstmal die Frage wie du überhaupt dazu gekommen bist dich als Webdesigner selbständig zu machen.
Hi, um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht ob es den Beruf des Webdesigners offiziell überhaupt gibt. Zumindest gab es ihn während meiner Ausbildung, die ich 2004 begonnen habe so noch nicht.
Webseiten habe ich aber davor schon entwickelt. Von 2002 bis 2004 hatten wir z.B. ein eigenes Online-Musikmagazin. Das war mit einigen tausend Lesern gar nicht mal so klein und mit seinen “digitalen” Features schon damals seiner Zeit etwas voraus. Von 2007 an hatte ich dann begonnen mich aktiv mit Google als (Bau)Teil jeder Webseite auseinander zu setzen. Die Möglichkeiten Webseiten zu optimieren (damals auch Besucher zu tracken) gab es bereits und das hat mich fasziniert. Zu dieser Zeit und auch in den darauffolgenden Jahren habe ich dann fast ausschließlich für Agenturen gearbeitet. Zwischen den ganzen langweiligen Textmails die man damals im grauen Outlook Alltag fand, kam ich auf die Idee eine Miniversion meiner Webseite als designte Outlook-Email zu programmieren und an Agenturen weltweit zu versendet. Das war zu seiner Zeit ziemlich out of the box und kam sehr gut an. Ich würde sagen damit begann die Selbstständigkeit, die bis heute anhält. Nur heute sind die Methoden zur Kundenakquise ganze andere.
Stichwort ”Akquise”. Willst du uns verraten welche Kanäle du verwendest? Die gute alte Email scheint es ja nicht (mehr) zu sein.
Google spielt nach wie vor eine absolut entscheidende Rolle. Vieleicht heute sogar mehr als je zuvor. Ich habe über die Jahre aber auch viele neue Dinge ausprobiert. Das reicht von Mitgliedschaften in Unternehmerverbänden, über Vorträge und allerlei Kooperationen mit anderen Selbstständigen.
Manches hat geklappt, manches weniger gut.
Im Interview: Webdesigner Chris Hortsch
Spielt der Standort für deine Selbstständigkeit heute eigentlich überhaupt noch eine Rolle?
Die Frage kommt sehr häufig. Nach außen wirkt es oft so, als bräuchte man als selbständiger Webdesigner nur einen Laptop und dann kann man ganz easy von überall aus selbstständig arbeiten. Ich denke das kommt auf den Anspruch jedes Freelancers an. Für die einen ist die Ortsunabhängigkeit das Wichtigste für die anderen die Tatsache niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Sprich selbstständig sein zu können. Ich selber habe auch eine Zeit lang vom Ausland aus gearbeitet. Das ist eine ganze Weile her und die Zeit möchte ich nicht missen. Die eigentliche Veränderung kam, als ich selber an den Endkunden herantreten und nicht länger nur den Agenturen zuarbeiten wollte. Ich denke das war so um 2011 herum. Da war für mich klar, ich muss und will für meine Kunden auch vor Ort sein. Mit meinem Webdesign Berlin Angebot habe ich mich dann bewusst für diesen Standort entschieden und bin bis heute dabei geblieben.
Kommen wir zu den Inkonstanten: Welche Veränderungen haben dich als Selbständiger am meisten betroffen oder tun es eventuell heute noch?
In den letzten Jahren kamen sehr viele Anwendungen auf den Markt, die es auch dem Laien ermöglichen in recht kurzer Zeit anschauliche Webseiten einfach selbst zu entwickeln. Den Verlust dieser Kundschaft finde ich verkraftbar, denn wer DIY möchte wird heute auch einen Anbieter dafür finden. Allerdings hat das wiederum auch dazu geführt das eine Flut an selbstständigen Webdesignern auf den Markt kam, die letztlich eigentlich mehr Anwender als Webdesigner waren. Das hat die Akquise definitiv erschwert, oder wie man korrekt sagen würde: Es hat den Wettbewerb belebt.
Und welche Konstante kannst du in deiner Selbstständigkeit erkennen?
Seit ich 2004 begonnen habe Webseiten zu entwickeln ist eigentlich kein Stein auf dem anderen geblieben. Wahrscheinlich ist die Relevanz (zumindest für mich) von Google als ein Bauteil meiner Arbeit konstant wichtig geblieben. Der Wille zur Kundenbindung, in dem bei aller Liebe zur Digitalisierung eigentlich auch immer etwas alte Schule steckt, könnte man auch als Konstante bezeichnen. Auch wenn überall Automatisierungsprozesse eingeführt werden, wird bei mir kein Kunde und keine Anfrage jemals in einem automatisierten Funnel landen. Das bedeutet auch das jeder Anruf und jede Email persönlich beantwortet wird. Wenn nicht von mir, dann von einem meiner Kollegen. Und das soll auch in Zukunft so bleiben. Okay, außer eine Abwesenheitsmail während des Urlaubs. Die sind auch bei mir automatisiert.
Welche Tipps oder Hinweise würdest du deinem jüngeren Webdesigner-Ich heute mit auf den Weg geben? Oder anders gefragt: Hast du Tipps für alle die sich heute als Webdesigner selbstständig machen wollen?
Ja, fangt gar nicht erst damit an (lacht). Nein, im Ernst: Ich würde jedem Webdesigner empfehlen seine Arbeit als eine Art Handwerk zu begreifen. Bspw. Code, Design und Usability in seiner Gänze und auch Tiefe zu verstehen, statt nur Anwender von bunter Software zu sein, die sich andere ausgedacht haben. Ich denke wer weiß und versteht was im Hintergrund passiert, der kann bessere Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Webdesign Branche ziehen und ist damit auch besser für zukünftige Entwicklungen aufgestellt. Aber wahrscheinlich gilt das für alle Branchen.
Vielen Dank für deine Zeit und das informative Gespräch.