Baser fertigt innovative Sonnenschirmständer – und das im windigen Dänemark

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 30 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Im zarten Alter von 23 Jahren haben die beiden Dänen Josefine Østerby und Christian Jacobsen sich ein Herz gefasst und ihre private Liebesbeziehung durch eine geschäftliche Komponente ergänzt. Zusammen gründeten sie das Start Up Baser. In Dänemarks zweitgrößter Stadt Aarhus wird seitdem der Markt für Sonnenschirmständer revolutioniert. Schöner - besser - jünger. Wie es dazu kam und warum es funktioniert - darüber sprechen Josefine und Christian im Interview.  

Josefine, was ist Euer wichtigster Tipp für andere Start Ups?

Geduld! Wir arbeiten nach dem Motto: Gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Am Anfang haben wir viele Fehler gemacht, weil wir wichtige Entscheidungen zu impulsiv getroffen haben. Heute wissen wir, dass man mit vielen kleinen Schritten auch vorankommt und manche Sachen Zeit brauchen, bis sie wirklich gut sind.

Das darf aber auf der anderen Seite nicht mit Zögern oder Unsicherheit verwechselt werden. Ein weiterer wichtiger Tipp, den wir geben können, ist: Fail fast. Am Anfang ist man sehr auf Feedback angewiesen. Wir sind mit unserem Produkt sofort ins Feld gegangen, haben potentielle Händler besucht und Ihnen von uns und unserer Vision erzählt. Fällt Feedback negativ aus? Macht nichts – weitermachen. Daran kann man nur wachsen.

Christian, was waren Eure 3 größten Herausforderungen in der Startphase?

  • Die größte Herausforderung war erst einmal die Entscheidung zu fassen: „Ok, wir machen es.“ Ich hatte vorher zwei gut bezahlte Jobs, wir hatten eine schöne Wohnung. Dieses Leben mussten wir dann erst mal hinter uns lassen. Wir sind zusammen in ein Zimmer gezogen. Sich wieder von dem Leben zu verabschieden, das man sich allmählich aufgebaut hatte – das war erst mal hart.
  • Danach stand dann auf jeden Fall die Herausforderung, Startkapital aufzubringen und die Finanzierung gut durchzudenken. Wir haben uns für Funds beworben, was natürlich etwas neues war. Man geht ein erstes Risiko ein, das gut abgewägt werden muss.
  • Eine weitere Herausforderung war natürlich auch unser junges Alter. Anfangs waren wir unsicher, wo im Markt wir uns positionieren wollen. Trial and Error – aus Fehlern lernen, ist das einzige, was da hilft – und natürlich älter werden.

Was ist Euer Geschäftsmodell?

Josefine: Als non-tech Start Up haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, einen der nervigsten Gebrauchsgegenstände der Gartenwelt zu revolutionieren. Unser Sonnenschirmständer soll Funktionalität und nordisches Design verkörpern und sich so von seinen eher unscheinbaren Konkurrenten abheben. Mittlerweile arbeiten wir mit unserem 6-köpfigen Team jeden Tag mit Leidenschaft an unserem Produkt, das wir sowohl in unserem Online-Shop, als auch über Händler in Dänemark und Deutschland vertreiben. In Deutschland können wir mittlerweile sogar 70% unserer Kunden verzeichnen.

Baser Sonnenschirmständer

Baser fertigt innovative Sonnenschirmständer – und das im windigen Dänemark, mybaser.com

Wer ist Eure Zielgruppe und über welche Kanäle gewinnt Ihr sie?

Josefine: Unsere Zielgruppe sind erstmal alle Menschen mit Garten, Balkon oder Terrasse. Unsere Kunden schätzen die Einfachheit unseres Produktes, dass es so praktisch ist und dessen Design. Wir wollen also Menschen ansprechen, die, so wie wir, Alltagsgegenstände neu denken wollen. Vielleicht auch Leute, die etwas anderes als der Nachbar auf der Terrasse stehen haben wollen.

Diese Leute erreichen wir über viele Wege. Zum einen haben wir unsere Homepage inklusive Blog. In Dänemark kennt man uns mittlerweile auch schon durch die Medien. Gerade neulich hatten wir ein Interview mit einem regionalen dänischen Fernsehsender. Natürlich sind soziale Medien sehr wichtig. Seit diesem Jahr treiben wir das Projekt „Facebook“ richtig voran und treten durch witzige Postings, Wettbewerbe und Videos mit potentiellen Kunden in Kontakt.

Natürlich gehören auch Baumärkte und Garten-Center zu unserer Zielgruppe. Christian fährt mehrmals im Monat nach Deutschland und sucht den persönlichen Kontakt.

Wie habt Ihr die Finanzierung des Start Ups organisiert?

Christian: Bei der Finanzierung hatten wir zum Glück viel Hilfe vom Staat. In Dänemark bekommen Studenten, die eine gute Idee haben, Unterstützung durch einen micro grand. 50.000 DKK, umgerechnet knapp 7000€, bildeten so unser Startkapital. Ich habe noch ein wenig Eigenkapital investiert. Die Universität Aarhus stellt uns außerdem kostenlos Büroräume zur Verfügung. Das war am Anfang natürlich eine reisen Erleichterung. Natürlich mussten wir uns trotzdem bei mehreren production funds um Kredite bewerben, die wir dann auch bekamen.

Wie ist die Idee zu Baser entstanden?

Josefine: Die Idee zu Baser entstand wie so viele gute Ideen aus der Not heraus. Mein Vater war genervt von seinem Sonnenschirmständer – schwerer Beton, kaum zu bewegen, hässlich. Er hatte die Idee zu unserem Produkt und brachte den ersten Entwurf vor über 10 Jahren auf Papier. So lange verschwand dieser dann auch in seiner Schreibtischschublade, was mich geärgert hat. Ich war überzeugt von der Idee, hatte aber nicht den Mumm, die Sache selbst anzugehen – bis ich Christian traf. Wir wurden ein Paar und dann schließlich auch Geschäftspartner. Christian hatte die Motivation – sozusagen den Entrepreneur-Drive – der mir bis dato fehlte und zusammen entschlossen wir dann Anfang 2014 das Projekt Baser in Angriff zu nehmen.

Baser

Die Baser Gründer Josefine Østerby und Christian Jakobsen, mybaser.com

Was macht Baser einzigartig?

Christian: Wir glauben, dass wir selbst als Marke ein Unikum darstellen. Wir sind ein junges, kreatives Team und das wollen wir auch durch unser Produkt, unser Werbematerial und unsere Online-Präsenz ausdrücken. Ein Sonnenschirmständer wird selten als etwas cooles oder Praktisches wahrgenommen. Den kauft man sich, wenn man ihn braucht und lebt dann mit seinen Unzulänglichkeiten. Genau das ist bei uns anders. Wir haben ein Produkt entworfen – weg vom schnöden Alltagsgegenstand. Die größte Innovation dabei ist unser weltweit einziges, patentiertes Schließsystem – ohne Schrauben und ohne statisches Halterungsrohr. Mit unserem Schließsystem, das dem Prinzip eines Kabelbinders folgt, kann man jeden beliebigen Schirm fixieren.

Mit dem typisch nordischen, klaren Erscheinungsbild, mit dem der Ständer daher kommt bringen wir skandinavisches Flair auf die Terrasse. Zwei formschöne Sandbeutel a 15 oder 25 kg beschweren den Ständer – damit sind wir auch die erste Marke, die Stoffe für seinen Sonnenschirmständer verwendet. Die Sandbeutel, die übrigens aus wetterfestem und recyclebarem Polypropylen sind, gibt es in Hellgrau, Anthrazit und Taupe.

Habt Ihr direkt nach der Firmengründung Geld verdient?

Josefine: Die ersten 2,5 Jahre haben wir mit unserer Firma kein Geld verdient. Denn so viel Zeit brauchte es für die Entwicklung unseres Projektes. Diese 2,5 Jahre haben wir von dem Geld, das wir aus Funds bekommen haben, finanziert. Gelebt haben wir zu der Zeit von unseren privaten Ersparnissen. Das war natürlich anstrengend. Insbesondere das Bewerben um Geldmittel war oft kräftezehrend. Aber wir waren gut organisiert und sind am Ball geblieben. So konnten wir richtige Durststrecken vermeiden und stehen heute gut dar. Man ist natürlich immer auf das Geld anderer angewiesen. Im Moment suchen wir beispielsweise wieder Investoren, um unsere Produktentwicklung und die Expansion in andere europäische Länder voranzutreiben.

Habt Ihr sofort Vollzeit gegründet?

Christian: Im Prinzip haben wir uns vom ersten Tag an Vollzeit in die Selbstständigkeit gestürzt. Ich studiere zwar noch und auch Josefine hat ihren Bachelor erst 2 Jahre nach Firmengründung absolviert – aber die Firma hatte immer Vorrang. Das Studium wurde und wird quasi abseits der Geschäftszeiten bestritten.

Wie sieht aktuell Eure Arbeitswoche aus?

Josefine: Wir stecken viel Zeit in unser Projekt und arbeiten fast täglich. Meistens starten wir so gegen 8 Uhr am Morgen. Abends kann es dann schon mal länger werden. Selbstständig heißt eben selbst und ständig. Wir versuchen bei all der Arbeit aber auch zwischendurch mal Pause zu machen oder uns am Wochenende was Schönes vorzunehmen. Christian ist mittlerweile auch oft längere Zeit am Stück in Deutschland unterwegs, um unsere Händler zu besuchen. Ich halte dann in Aarhus im Büro die Stellung. Eine geregelte Woche, die jedes Mal gleich aussieht, gibt es bei uns also nicht.

Wo seht Ihr Euch und Baser in 5 Jahren?

Christian: In 5 Jahren wollen wir uns gerne als exklusive Messemarke, die gleichermaßen für Qualität und Originalität steht, weiter etabliert haben. Dabei wollen wir aber vor allen Dingen herausstechen, quasi als die “coolen Kids“ mit Alleinstellungsmerkmal. Anders sein ist ein wichtiger Aspekt für uns. Wer weiß – vielleicht gibt es ja in ein paar Jahren einen pinken Sonnenschirmständer von Baser. Generell wollen wir aber nicht einfach nur „dieser eine Sonnenschirmständer da“ sein, sondern unsere Produktpalette auf Grundlage unseres patentierten Schließsystems erweitern. Eine Marke für außergewöhnliche Base-Produkte, die in den Portfolien der wichtigsten Baumärkte Europas und vielleicht sogar darüber hinaus zu finden ist – das wäre schön.

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Euch und Baser zu hören!


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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