Gestiegene Kosten durch Kredite finanzieren?

Verfasst von Dennis.Singh. Zuletzt aktualisiert am 3 März, 2024
Lesezeit Minuten.
Selbstständige und Privatpersonen gleichermaßen stehen derzeit vor dem Problem, dass die Kosten für Energie und zunehmend auch weitere Einkaufspreise in den letzten Monaten enorm gestiegen sind. Gerade im Handwerk und Baubereich betrifft dies viele Materialien und Vorprodukte, aber die Inflation ist mittlerweile in fast allen Sektoren angekommen.  

Welche Übergangslösungen gibt es?

Unternehmen reagieren normalerweise mit einer Erhöhung ihrer eigenen Preise und damit der Einnahmen auf diese Art von Herausforderungen. Allerdings können angehobene Preise häufig erst realisiert werden, nachdem in Vorleistung gegangen und beispielsweise Material zunächst auf eigene Rechnung gekauft wurde.

Die gestiegenen Kosten können außerdem nicht überall an die Kunden weitergegeben werden, da diese nicht immer bereit und in der Lage sind, höhere Preise für Waren und Dienstleistungen zu zahlen. Privatpersonen haben zwar die Möglichkeit, ihre Einnahmen durch Gehaltsverhandlungen oder Jobwechsel zu erhöhen und machen davon auch rege Gebrauch.

Das ändert allerdings nichts daran, dass die Reallöhne derzeit etwa 4 Prozent unter dem Niveau von 2008 liegen und selbst starke Gewerkschaften für einen Inflationsausgleich nur unzureichende Lohnerhöhungen für ihre Mitglieder erwirken konnten. So befinden sich mehr und mehr Menschen in der Situation, ihre Einnahmen kurzfristig erhöhen zu müssen und sich deshalb nach einem Kredit umzusehen.

Hier bieten Direktbanken häufig die besseren Konditionen, prüfen schneller und lassen flexiblere Konditionen zu. Bei einem Kreditvergleich sollten Sie daher mit Krediten von Direktbanken wie z.B. bei BankNorwegian.de beginnen, bevor Sie die Hausbank um ein Angebot bitten.

Ein Darlehen bei diesen Zinsen?

Die Entscheidung einen Kredit bzw. Geschäftskredit aufzunehmen sollte jedoch sowohl von Privatpersonen als auch von Selbständigen gut durchdacht werden. So bringt ein Darlehen zwar kurzfristig die benötigte Liquidität, bedeutet aber zugleich eine Erhöhung der monatlichen Fixkosten für einen Zeitraum manchmal bis zu Jahrzehnten. Ein Kredit ist daher nur eine Option, wenn auch die Tilgung sowie die Zinszahlungen zukünftig geleistet werden können, ohne wieder in Liquiditätsengpässe zu geraten.

Mittelfristig sollten daher sowohl Selbstständige ihre Liquiditätsplanung richtig auslegen und wie auch private Verbraucher, ihre Kosten senken oder ihre Einnahmen erhöhen. Ein Kredit eignet sich grundsätzlich für die Überbrückung dieser Phase, in der Sparmaßnahmen, erhöhte Preise oder Investitionen noch nicht die gewünschte Wirkung zeigen. Befände sich der Euroraum noch in der Niedrigzinsphase, würde wohl kaum ein Verbraucher oder Unternehmer lange über eine Kreditaufnahme nachdenken, doch die Geldpolitik der EZB hat sich geändert.

Gestiegene Kosten durch Kredite finanzieren_TB

Gestiegene Kosten durch Kredite finanzieren? Bildquelle: Depositphotos.com

Derzeit erhöht die Europäische Zentralbank kontinuierlich ihre Leitzinsen, die wiederum die Kredit- und Hypothekenzinsen relativ direkt beeinflussen. Am 16.03. erhöhte die EZB ihren Leitzins, unbeeindruckt von den aktuellen Turbulenzen im Finanzsektor, planmäßig auf 3,5 Prozent. Die Kosten für einen Kredit werden damit ebenfalls immer teurer, was beispielsweise Darlehensnehmer, deren Zinsbindung bald endet, böse überraschen könnte. Da die Erhöhung des Leitzinses das einzig wirksame Mittel gegen die Inflation zu sein scheint, ist mit weiteren Erhöhungen zu rechnen.

Obwohl die Zinsen bereits deutlich über dem Niveau der Vergangenheit liegen, könnte es daher ratsam sein, möglichst bald einen Kredit abzuschließen. Allerdings zeigen die Schwierigkeiten im Bausektor und der Stress im Bankensystem, dass die Erhöhung des Zinsniveaus nicht beliebig weitergeführt werden kann, ohne erhebliche negative Konsequenzen für die Wirtschaft in Kauf zu nehmen.

Da die Inflation aber derzeit noch das drängendere Problem zu sein scheint, gehen Experten zumindest für die nächsten Monate noch von weiter steigenden Leitzinsen aus. Eine Anpassung an das US-amerikanische Niveau von derzeit knapp 5 Prozent erscheint auch hier realistisch. Wenn Sie einen Kredit benötigen, sollten Sie daher eher früher als später einen Darlehensvertrag abschließen.

Welche Konditionen sind derzeit empfehlenswert?

Entscheiden Sie sich für die Aufnahme eines Kredits, sollten Sie neben dem effektiven Zinssatz (Sollzins + Gebühren und weitere Kosten) vor allem darauf achten, wie lange der Sollzinssatz festgeschrieben ist. Tendenziell wird der Sollzins höher, je länger Sie ihn festschreiben lassen möchten, was aber die Sicherheit und die Planbarkeit erhöht. In der Niedrigzinsphase waren Sie gut beraten, die höchstmögliche Festschreibungsdauer auszuwählen, doch so einfach ist es nicht mehr.

Viele Experten gehen aktuell davon aus, dass die Zinsen weiter steigen werden, was erneut für eine längere Zinsbindung spricht. Seriöserweise können Sie allerdings in der derzeitigen Lage kaum zuverlässige Vorhersagen für mehr als ein paar Monate bekommen. Kommt beispielsweise eine weltweite Rezession auf uns zu, kann es durchaus sein, dass wir zum Ende des Jahres oder im nächsten Jahr bereits wieder deutlich niedrigere Zinsen bekommen.

Hier kommt ein weiteres wichtiges Kriterium ins Spiel: die Möglichkeit, Kredite vorzeitig abzulösen beziehungsweise durch Sonderzahlungen zu tilgen. Je nach Höhe des Kredits und abhängig von den Möglichkeiten der Tilgung, könnten Sie aktuell beispielsweise darauf setzen, heute aufgenommene Darlehen in einem oder zwei Jahren abzulösen oder umzuschulden. Dann wäre eine entsprechende Zinsbindung und die Möglichkeit einer Sondertilgung in dieser Zeit das richtige Modell. Andere Experten gehen jedoch davon aus, dass eine Inflationsrate von 4 bis 8 Prozent uns noch über Jahre begleiten wird. In diesem Szenario wäre eine möglichst lange Sollzinsbindung angeraten und die Möglichkeit zur Sondertilgung nicht von Belang.

Da niemand in die Zukunft blicken kann, kann sich jede Entscheidung im Nachhinein als falsch erweisen. Das sind die Risiken, die mit Finanzentscheidungen immer einhergehen. Deshalb sollten Sie sich vor allem auf die eigene Situation, die Sie tatsächlich beeinflussen können, konzentrieren und beispielsweise für höhere Einnahmen oder reduzierte Ausgaben sorgen. Vermittelt über die Bonität gehen diese Faktoren ebenfalls in die Kreditkosten ein, weshalb es sich in jedem Fall lohnt, sie zu optimieren.

Als Letztes sollten Existenzgründer und Selbstständige immer zuerst nach staatlichen Fördermöglichkeiten oder geförderten Krediten Ausschau halten, bevor sie sich an reguläre Banken oder Kapitalgeber wenden.


Weitere hilfreiche Beiträge

Die Rolle von Immobilieninvestitionen bei der KosteneffizienzImmobilieninvestitionen spielen eine entscheidende Rolle in der Kosteneffizienzstrategie eines jeden KMU. Der strategische Erwerb von Mehr lesen...

Kosten sparen leicht gemacht: Effektive Budgetstrategien für Ihr KMU

Januar: Planung und Budgetierung Der Januar ist der ideale Monat, um Ihr finanzielles Jahr zu planen und ein Budget zu erstellen. Mehr lesen...

Checkliste für das Finanzjahr: Monatliche Pflichten für Selbstständige

Was bedeutet „aktive Rechnungsabgrenzung“? „Aktive Rechnungsabgrenzung“ mag nach einem komplizierten Begriff klingen, aber im Grunde genommen handelt es sich dabei lediglich Mehr lesen...

ARAP: Gewinnermittlung durch aktive Rechnungsabgrenzung verständlich erklärt
Jetzt mit Dennis.Singh, dem Autor dieses Beitrags vernetzen:

Die wichtigsten Artikel und mehr direkt in Ihr Postfach!
  • Unverzichtbares Gründerwissen
  • Wertvolle Tipps für Selbstständige
  • Exklusive Angebote für Ihr Business
* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.
Success message!
Warning message!
Error message!