Die Top 5 Mythen rund um Kredite: So vermeiden Selbstständige Irrtümer

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 24 Februar, 2024
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Um Kredite ranken sich viele Geschichten und wohl noch mehr Mythen. Jeder kennt mindestens eine der Erzählungen oder vernahm wenigstens schon einmal Hinweise, die in die Richtung gehen. Viele der Erzählungen werden ohne weitere Erklärung geglaubt, was auch Selbstständige nicht ausschließt. Wer allerdings als Selbstständiger einen Kredit aufnehmen will, der sollte sich besonders vor diesen fünf Mythen hüten.  

Der erste Mythos: Der Kreditzins in der Werbung entspricht dem tatsächlichen Kreditzins

Das verlockende Kreditbeispiel in den Angeboten ist eben das: verlockend. Früher war es relativ ungeregelt, sodass jede Bank ihre Musterkunden beispielhaft nach vorne schießen und in Angebote platzieren konnte. Somit verhielt sich das damals genannte Schaufensterangebot auch schier unglaublich. Der Zinssatz war extrem niedrig, doch war die Bank besser informiert als der Kunde. Ging der Kunde davon aus, einen Teil des Angebotskuchens zu erhalten, so wusste die Bank, dass sie sich für das Angebot den perfekten Kunden in unerreichbarer Manier erschaffen hatte. Kurzum: Der Zinssatz galt für all diejenigen, die ohnehin gar keinen Kredit benötigten. Heute wird das repräsentative Beispiel genutzt, welches durchaus Besserungen mit sich bringt:

  • Gesetzliche Regelung – es ist genau festgelegt, wie das Angebot zu verfassen ist. Es muss im Durchschnitt auf zwei Drittel aller Personen zutreffen können, die für dieses Kreditangebot infrage kommen. Natürlich lässt die Regelung weiterhin viel Spielraum. Trotzdem können Kreditnehmer auf diesem Weg schonmal einen groben Überblick über einen Zinssatz bekommen, der an Kunden mit durchschnittlicher Bonität vergeben wird.
  • Eigene Vorgehensweise – in Kreditvergleichen hilft das Beispiel dennoch. Ist dieses schon höher als das der Konkurrenz, lässt sich davon ausgehen, dass die letztlich individuell mitgeteilten Konditionen auch über dem Durchschnitt liegen. Hilfreicher ist dabei jedoch die kombinierte Nutzung aus repräsentativem Beispiel und der Zinsspanne, die immer häufiger in Vergleichen mit eingeblendet wird. Sie offenbart den bestmöglichen Zins für Musterkunden, aber auch den schlechtesten Zinssatz für die Kunden, die gerade eben noch eine Chance auf einen Kredit haben.

Selbstständige müssen bei allen Vergleichen aber auch darauf achten, ob diese Beispiele für sie überhaupt gelten. Etliche Kreditanbieter schließen in den Details Unternehmer und Selbstständige von den Kreditangeboten aus. Das bedeutet zwar keinen direkten und endgültigen Ausschluss, doch müssen selbstständige Interessenten oft auf anderem Wege einen Kredit bei der Bank anfragen.

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Kreditmythen stehen einer erfolgreichen Kreditaufnahme mitunter im Weg. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich vorher zu informieren und daraufhin eine fundierte Entscheidung zu treffen. Bildquelle: @ Smava.de

Der zweite Mythos: Ein Kredit kann nicht widerrufen werden

Diese Annahme hält sich in allen Kreisen recht tapfer. Und sie ist falsch, denn nicht nur gilt bei Onlinekrediten das Fernabsatzgesetz, welches immer ein zweiwöchiges Widerrufsrecht einräumt, auch die gesetzliche Grundlage bei allen Darlehen sagt klipp und klar, dass die Kündigung möglich ist. Es gilt:

  • Widerrufsfrist – binnen zwei Wochen nach Zustandekommen des Kredits kann der Kredit immer schriftlich ohne Angabe von Gründen aufgelöst werden. Das gilt auch, wenn das Geld schon ausbezahlt wurde. Entnommene Beträge müssen natürlich komplett zurückbezahlt werden.
  • Spätere Kündigung – auch während der Laufzeit sind Kündigungen möglich. Inwieweit dies funktioniert, steht in dem Kreditvertrag. Allerdings ist es möglich, dass die Bank eine Gebühr in Höhe der ihr entgehenden Zinsen erhebt. Diese Vorfälligkeitsentschädigung kann bei Verbraucherdarlehen bis zu 1% der Restschuld betragen. Firmenkredite werden dabei jedoch anders behandelt, so dass Selbstständige hier genauer hinschauen sollten.

Und was ist mit dieser Zinsbindungsfrist? Sie schränkt nicht die Kündigungsmöglichkeit ein, denn sie sorgt nur dafür, dass die Bank die Zinsen nicht während der Frist zu ihren Gunsten erhöhen kann.

Der dritte Mythos: Der Dispokredit ist die beste Wahl

Der Dispokredit stellt sich durchaus als ein zweischneidiges Schwert dar. Denn er ist ungemein praktisch und hat viele Kreditnehmer sicherlich schon aus misslichen Lagen gerettet. Doch sollte der Dispokredit stets nur die absolute Notlösung sein. In allen anderen Fällen oder als echte Kreditlösung ist er schlichtweg zu teuer. Aber warum gibt es Probleme mit dem Dispo?

  • Zinssatz – knapp an die zehn Prozent Zinsen kostet der Dispokredit laut einer Analyse von Test.de. Die Kosten treten natürlich nicht zum Vorschein, wenn der Dispo hin und wieder rund um den Monatswechsel für geringe Beträge genutzt wird. Jedoch sind die Deutschen häufig tiefer im Dispo und das auch dauerhaft. Schon summieren sich die Kosten. Wer einmal in der Situation war, der kennt die Abrechnung auf dem Kontoauszug.
  • Gefahr – warum der Dispo diesen Sog entwickelt und der Kontostand immer weiter ins Minus rutscht, ist schwer zu erklären. Doch geschieht das häufig und irgendwann wird die Grenze der geduldeten Überziehung überschritten. Mit den monatlichen Einnahmen wird das Girokonto dann gerade so über Null gebracht und ein dauerhaftes Leben im Dispo beginnt. Es besteht zudem keine Flexibilität mehr, da der Dispo ja stets aufs Neue ausgeschöpft wird. Dafür entstehen zudem horrende regelmäßige Kosten.

Generell ist es ratsam, den Dispo so anzulegen, dass eine Gesamtnutzung problemlos binnen drei Monaten ausgeglichen werden kann. Die Nutzung sollte sich indes auf einen geringeren Betrag belaufen, sodass der Minusbetrag schon mit dem nächsten Geldeingang wenigstens zu fünfzig Prozent ausgeglichen ist – inklusive aller noch abgehenden Kosten.

Der vierte Mythos: Die SCHUFA entscheidet über Kredite

Dieser Mythos ist nicht grundsätzlich falsch, doch wird er falsch verstanden. Bei der SCHUFA werden von jedem Verbraucher Daten zu seinen Vertragsabschlüssen mit den Vertragspartnern der SCHUFA gespeichert und einem Punktwert zugeführt. Auf Basis von positiven wie negativen Einträgen ergibt sich am Ende ein gutes Bild über die Bonität des potenziellen Kreditkunden. Aber entscheidet die SCHUFA über den Kredit?

  • Bonitätsanfrage – die Banken holen bei der SCHUFA eine Bonitätsauskunft ein. Die Auskunftei kommt der Anfrage nach und übermittelt den Punktwert. Es ist jedoch nicht die SCHUFA die über die Kreditvergabe entscheidet, sondern die Bank und deren Regelungen. Es gibt durchaus Banken, die sagen, dass Personen im Alter x nur ab einem Punktwert von Y Kredite erhalten. Die Entscheidung liegt also letztlich beim jeweiligen Kreditgeber und Auskunfteien wie SCHUFA liefern nur die entsprechende Datenbasis.
  • Einflussnahme – jeder Bürger hat einen Einfluss auf die Schufa. Eine jährliche Prüfung aller Einträge hilft schon, denn es kann immer mal passieren, dass die Zwangsvollstreckung von Maier bei Meier eingetragen wird. Solche fehlerhaften oder veralteten Einträge können zur Löschung angemahnt werden.

Selbstständige haben durchaus weitere Probleme bei der Kreditaufnahme. Aufgrund ihrer oft schwankenden Einnahmen sind sie nicht die bevorzugte Kundengruppe in Bezug auf Kreditaufnahmen. Daher wird bei der Bonitätsauskunft gerne genauer hingeschaut. Übrigens können auch fehlende Einträge problematisch sein: Wer mit 40 bislang noch nie einen Kredit aufgenommen hat oder auch keine Kreditkarte besitzt, der kann hinsichtlich der langfristigen Verbindlichkeiten nicht bewertet werden. Bei Onlinekrediten lässt sich dieser Fakt schlechter kommunizieren und erklären als bei der Hausbank.

Der fünfte Mythos: Die Hausbank ist besser

Auch in diesem Mythos leuchtet ein Funken Wahrheit auf. Die meiste Zeit sind Kredite von Hausbanken teurer als die der Onlinebanken, zumal der Kunde weniger Vergleichsmöglichkeiten hat. Dennoch sollte die Hausbank nicht vollends vergessen werden, sondern in den Vergleich mit einbezogen werden. Teilweise ist sie sogar hilfreich für Selbstständige:

  • Bekannt – ist der Selbstständige seit Jahren oder auch Jahrzehnten Kunde der Bank, ist es durchaus möglich, dass die Hausbank eher die ihr vorliegende Situation entscheiden lässt, nicht aber die Bonitätsauskunft. Natürlich gibt es hierfür keine Garantie, aber auf privater und persönlicher Ebene lässt sich ein Bankberater meist besser überzeugen als ein Fremder im Internet.
  • Varianten – die Hausbank kann aufgrund der ihr vorliegenden Daten auf den Selbstständigen abgestimmte Kredite zusammenstellen. Ein simples Beispiel ist, wenn die Konten des Unternehmens bei derselben Bank laufen, der Selbstständige aber einen Privatkredit aufnehmen möchte. Anhand der der Bank vorliegenden Unternehmensdaten lässt sich das eigene Einkommen durchaus gut erklären.

Auf einen Kreditvergleich sollten Selbstständige dennoch niemals verzichten. Nur auf diese Weise lässt sich der Markt sondieren.

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Mit guter Planung und einem umfassenden Angebotsvergleich lassen sich die Kosten für einen Kredit auch als Selbstständiger am Ende niedrig halten. Bildquelle: Depositphotos.com

Was ist bei einem Kredit für Selbstständige grundsätzlich zu beachten?

Selbstständige sind für Banken ein Risikofaktor. Anders als bei Angestellten, ist das Einkommen bei Selbstständigen nicht gesichert und es gibt keinerlei Auffangnetz, wenn es ausbleibt. Daher bewerten Banken Selbstständige bei der Kreditaufnahme strenger. Je nach Kreditanbieter sind auch andere Unterlagen notwendig:

  • Jahresabschluss – die Bilanz oder die EÜR des Unternehmens der letzten zwei Jahre und ein Ausblick auf das laufende Jahr in Form einer BWA sind keine seltene Forderung. Bei Solo-Selbstständigen akzeptieren die Banken bei kleineren Summen auch die Steuerbescheide.
  • Sicherheiten – sie werden oft gefragt, damit der Kredit zusätzlich abgesichert werden kann. Allerdings gibt es je nach Kredittyp Unterschiede. Wer einen Autokredit aufnimmt, der wird ohnehin das Auto an sich als Sicherheit nutzen. Wer hingegen dieselbe Summe frei verfügbar aufnehmen möchte, der muss meist Sicherheiten vorweisen. Selbstständige haben hier das Problem, dass das eigene Einkommen nur eingeschränkt als Sicherheit dient, da es keine fixe Höhe aufweist.
  • Bessere Chancen – wer einen zweiten Kreditnehmer oder auch einen Bürgen vorweisen kann, der hat bessere Chancen auf den Kredit und kann günstigere Konditionen erwarten. Allerdings funktioniert diese Absicherung nicht bei Pauschalkreditangeboten aus dem Internet. Pauschalangebote sind vorab festgelegt und inkludieren keine Bürgen.

Generell sollten auch Selbstständige möglichst immer einen Kreditvergleich durchführen. Viele Portale erlauben es, schon vor dem eigentlichen Vergleich einen Haken bei der Selbstständigkeit zu setzen, sodass gar nicht erst all die Kreditangebote in der Übersicht auftauchen, deren Details einen Ausschluss von Selbstständigen verraten. Und auch die Hausbank sollte unbedingt angesprochen werden, denn eventuell findet sie eine Lösung.

Fazit – informiert auf die Kreditsuche gehen

Wenngleich Mythen meist ein wenig Wahrheit enthalten, sollte sich jeder potenzielle Kreditnehmer gut informieren und aufgeklärt in die Kreditsuche stürzen. Auch Selbstständige werden längst nicht grundsätzlich ausgeschlossen und haben die Chance auf günstige Angebote. Ob diese nun von der Hausbank, von einer Onlinebank oder aus dem P2P-Bereich stammen, ist letztendlich unerheblich. Ein Kreditvergleich bietet stets den besten Überblick über die Möglichkeiten, wobei der Verwendungszweck möglichst passend gewählt werden sollte. Auf diese Weise lassen sich die Zinsen niedrig halten und am Ende genau der Kredit finden, der voll und ganz zur eigenen Situation passt.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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