Selbstständig machen mit einer Bäckerei

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 13 März, 2024
Lesezeit Minuten.
Sie möchten den Traum eines eigenen Backbetriebs verwirklichen? Verschaffen Sie sich als angehender Selbstständiger einen Überblick über Möglichkeiten, Erfolgschancen und Bedingungen zur Geschäftsgründung. Wie Sie im Backwarensektor ein wettbewerbsfähiges Geschäft eröffnen, das Ihre Kunden anzieht und alle gesetzlichen Auflagen erfüllt, erläutern wir nachfolgend Schritt für Schritt mit hilfreichen Tipps.  

Welche Bäckerei soll es sein?

Brot und Backwaren haben in Deutschland eine lange Tradition. Dies haben Supermarktketten und Discounter für sich genutzt und flächendeckend Backstationen eingeführt, zulasten des traditionellen Bäckerhandwerks. Weiter verdrängt wurden die klassischen Bäckereien durch Selbstbedienungs-Bäckereien und Backshops, die als Franchiseunternehmen die Branche nachhaltig veränderten. Nach dem großen Boom der SB-Bäckereien gibt es nun den rückläufigen Trend zurück zu traditionellen Backstuben.

Finden Sie ein erfolgversprechendes Konzept für Ihren Bäckereibetrieb, das gut zu Ihnen, Ihrer gewünschten Zielgruppe und den Marktvoraussetzungen passt. Es gibt hier kein markterprobtes Geschäftsmodell, sondern vielfältige Möglichkeiten für die Gründung Ihres Bäckereibetriebes. Ob mit oder ohne integrierten Gastronomiebereich, kleiner oder großer Produktion vor Ort, Traditionsbäckerei-Konditorei oder Backshop-Franchise. Analysieren Sie Ihre Marktchancen, um das passende Konzept für Ihre Geschäftsidee zu konkretisieren.

Voraussetzungen für eine eigene Bäckerei

Als zulassungspflichtiges Handwerk unterliegen selbstständige Bäckereibetriebe der Genehmigung durch die Handwerkskammer. Dies bedeutet grundsätzlich, dass Inhaber eines Bäckereibetriebes einen Bäckermeistertitel haben müssen (Großer Befähigungsnachweis).

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Selbstständig machen mit einer Bäckerei, Bildquelle: Depositphotos.com

Ausnahmebewilligung für Bäcker ohne Meisterbrief

Neben dieser Voraussetzung gibt es noch andere Wege für die Zulassung durch die Handwerkskammer. Alternativ zur persönlichen Meisterpflicht kann eine Ausübungsberechtigung für Bäcker ohne Meisterbrief nach §7 HwO erteilt werden, wenn

  • ein Nachweis über 6 Jahre Berufsausübung als Bäckergeselle vorliegt. Davon müssen 4 Jahre in leitender Stellung ausgeübt worden sein und entsprechende betriebswirtschaftliche, kaufmännische und rechtliche Kenntnisse bestehen (Altgesellenregelung).
  • ein Bäckermeister als Betriebsleiter eingestellt wird, um die Qualität sicherzustellen.

Ist der Inhaber der Bäckerei selbst kein ausgebildeter Bäcker, muss er in jedem Fall ein aktuelles Gesundheitszeugnis vorlegen können.

Erfüllen Sie keine dieser Voraussetzungen für eine Ausübungsberechtigung für das Bäckerhandwerk, ermöglichen Ausnahmebewilligungen die Geschäftsaufnahme. Die Ausnahmebewilligung für Bäcker ohne Meisterbrief nach §8 HwO erteilt die Handwerkskammer, wenn

  • ein Nachweis über Kenntnisse und Fertigkeiten im Bäckerberuf vorliegt.
  • ein Ausnahmefall besteht, wodurch das Ablegen der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung bedeuten würde.
  • Sie Ihre Backdienstleistungen auf unwesentliche Tätigkeiten beschränken.

Mit welchen Kosten sind bei einer neuen Bäckerei zu rechnen?

Wie bei jeder Geschäftsgründung bedarf es eines Startkapitals. Zu erwartende Betriebskosten und Rücklagen zur Sicherheit sind weitere zu erfassende Kostenpunkte. In einem Finanzplan vor der eigentlichen Gründung sollten folgende Ausgaben berücksichtigt werden:

  • Beratungskosten in der Gründungsphase
  • Gewerbeanmeldungsgebühren, Gebühren bei Ämtern, Notargebühren
  • Startkapital für die Anfangsphase (für Umbau-, Renovierungsarbeiten, Werbung)
  • Kapital für Wareneinkauf, Kauf oder Anmietung von Gerätschaften wie professionelle Bäckerei-Backöfen, Inventar und Einrichtung
  • Laufende Betriebskosten wie Ladenmiete oder Anmietung von Außenbereichen, Wasser-, Strom- und Heizkosten, Personalkosten
  • Kosten für Steuerberatung, Versicherungen
  • Kosten für EDV, Kasse und EC-Kartenlesegeräte
  • Beiträge für Handwerkskammer, Berufsgenossenschaft
  • Kosten für das Qualitätsmanagement, Hygieneschulungen oder Beauftragung von Schädlingsbekämpfungsdiensten
  • Finanzielle Reserven für Reparaturen, Erneuerungen

Je nach Art des Bäckereibetriebes entstehen Kosten für Franchisegebühren wie Eintritts- und Investitionsgebühren.

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Brot und Backwaren haben in Deutschland eine lange Tradition. Bildquelle: Depositphotos.com

Welche Formalitäten sind notwendig?

Zunächst sind Sie verpflichtet, sich in die Handwerksrolle einzutragen. Dadurch werden Sie Mitglied in der zuständigen Handwerkskammer. Mit der Bestätigung Ihrer Eintragung gehen Sie im nächsten Schritt zum Gewerbeamt Ihrer Gemeinde, um Ihr Gewerbe anzumelden. Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft. Bei den Unternehmensformen der UG und GmbH ist auch die Eintragung im Handelsregister erforderlich.

Der perfekte Standort für die Bäckerei

Die richtige Standortwahl ist das Kriterium schlechthin für den zukünftigen Erfolg Ihrer Geschäftsgründung. Nicht immer steht das perfekte Objekt zur Verfügung. Jedoch sollten für das Gelingen Ihrer Unternehmung genügend Aspekte vorhanden sein, die geschäftsfördernd wirken. Folgende Punkte sollten ausreichend analysiert sein, um daraus Standortvorteile abzuleiten:

  • Mitbewerber
  • Infrastruktur
  • Zielgruppe
  • Kaufkraft der potenziellen Kundschaft
  • Laufkundschaft
  • Anbindung an öffentlichen Nahverkehr
  • Parkplätze

Rechtsform des Unternehmens

Welche persönlichen Qualifikationen wie betriebswirtschaftliches Know-how, wie viel Zeit und Leistungsfähigkeit können Sie in das Unternehmen einbringen? Möchten Sie das Unternehmen allein oder mit gemeinsamen Partnern führen? Berücksichtigen Sie Startkapital, steuerliche Aspekte und Haftung bei Ihrem Gründungsvorhaben. Als Rechtsformen kommt Einzelunternehmen, UG (haftungsbeschränkt), GmbH oder GbR sowie weitere Unternehmensformen infrage.

Tipps und Geschäftsideen für die Neugründung

Als Franchiseunternehmer sind Sie dazu angehalten, die Vorstellungen des Mutterkonzerns zu erfüllen. Dies limitiert die Gestaltungsfreiheit, gibt aber auch Orientierung. Lieben Sie es ganz frei und ohne Vorgaben zu arbeiten und eigene Ideen umzusetzen? Dann eignet sich der eigene Betrieb besser.

Sie können die Produkte produzieren, die Ihnen liegen oder eine spezifische Zielgruppe bedienen. So können Sie Biosortimente oder Frühstückslieferservice, außergewöhnliche oder traditionsreiche Backwaren anbieten, um sich von der Konkurrenz abzuheben.

Wenden Sie besondere Marketingstrategien an und werten Sie mit gezielten Verkaufs- und Werbeaktionen Ihren Standort auf. Nutzen Sie Trends und erschließen Sie sich Nischen, um das Interesse der Kunden zu wecken.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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