5 Warnsignale, die den Wandel der Unternehmensfinanzierung einleiten

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 9 Januar, 2024
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Die internationalen Börsenkurse haben in den letzten 10 Jahren ein phänomenales Wachstum hingelegt. Heute können die Börsianer von den Rekordwerten der Vergangenheit indes nur träumen: Dax-Höchstwerte von 13.500 Punkten liegen zurzeit in weiter Ferne und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Grund hierfür sind unter anderem die massiven Strafzölle, die Börsenschreck und US-Präsident Trump auf chinesische und europäische Produkte gelegt hat. Viele Experten rechnen auch langfristig mit einer Abkühlung des Booms oder gar einem Einbruch der Börsenkurse. Unternehmen sollten die drohende Rezession frühzeitig erkennen und Abhängigkeiten von einzelnen Banken unbedingt vermeiden. Früher oder später wird der Boom enden. In der Folge werden Unternehmensfinanzierungen teurer und unflexibler. Höchste Zeit für Unternehmen, sich nach alternativen umzuschauen.  

1. Wert der Unternehmens- und Staatsanleihen im Verhältnis zum Volkseinkommen zu hoch

Die Gesamtverschuldung von Unternehmen und Staaten hat ein extrem hohes Niveau erreicht. In der weltgrößten Volkswirtschaft, den USA, lag das Verhältnis zwischen Schulden und Volkseinkommen Ende 2017 bei 250 Prozent. Werte, die früher in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs undenkbar gewesen wären, haben sich mittlerweile fest etabliert. Mitverantwortlich hierfür ist die expansive Geldpolitik vieler Notenbanken. Während die Amerikaner die Gefahr erkannt haben und sukzessive den Leitzins erhöhen, beharrt die EZB zunächst auf ihrer Nullzinspolitik und fördert somit indirekt die wachsende Verschuldung im Euro-Raum. Ein knappes Jahrzehnt des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde paradoxerweise nicht genutzt, um Schulden abzubauen, sondern um diese noch zu vergrößern: Laut dem Bankenverband IIF stieg die internationale Verschuldung in den letzten zehn Jahren von 178 auf 247 Billionen Dollar. Viele Unternehmen haben sich mittlerweile an das billige Geld gewöhnt und kalkulieren auch langfristig mit Niedrigzinsen – ein Fehler.

2. Vermögensanlagen minderer Qualität gefährden Finanzmarkt

Insbesondere stark verschuldete europäische Staaten, wie Italien, Portugal oder Griechenland, könnten zum erneuten Problemfall für den Finanzmarkt werden. Die Renditen für Staatsanleihen liegen erstaunlich niedrig und das Ausfallrisiko ist hoch. Obwohl selbst Griechenland in den letzten Jahren ein stabiles Wirtschaftswachstum verzeichnen konnte, hat das Land immer noch mit einer massiven Staatsverschuldung zu kämpfen und könnte bei einer Anspannung der Märkte als einer der ersten Akteure erneut in eine Abwärtsspirale der Rezession, wie im Zeitraum 2009-2014, geraten. In der Folge würden Banken ihre Sicherheitenanforderungen erhöhen, um zusätzlichen Zahlungsausfällen vorzubeugen. Unternehmen droht somit eine unmittelbare Erschwerung des Zugangs zum Kapitalmarkt. Alternative Finanzierungsmodelle, wie Sale & Lease Back ermöglichen Unternehmen auch in Krisenzeiten einen starken Liquiditätsschub – ohne zusätzliche Sicherheiten.

3. Absurdität der Spekulation: Kryptowährungen

Der sagenhaft irrsinnige Boom der Kryptowährungen, allen voran Bitcoin, demonstriert die Spekulationsfreudigkeit vieler Anleger. Spekulation per se ist keine Ausnahme an den Finanzmärkten – im Gegenteil – aber eine künstliche Währung, die Ende 2017 noch 20.000 Dollar notierte und innerhalb einiger Monate auf knapp 6.000 Dollar einbrach, ist doch etwas besonderes. Durch fehlende Gegenwerte und kaum praktischen Nutzen müssen Anleger zudem mit einem hohen Totalverlustrisiko rechnen. Besonders absurd: Obwohl die private Währung bis heute weltweit von keinem einzigen Staat geduldet wird, hält sich der gefährliche Mythos der Investitionschance Bitcoin hartnäckig. Bitcoin und Co sind die Ausprägungen eines Booms, der seinen Höhepunkt bereits überschritten hat. Wenn Spekulationsblasen platzen, wird dies, wie bei vorangegangenen Krisen auch starke Auswirkungen auf andere Bereiche haben. Final werden Kreditvergabekonditionen und Unternehmenskredite seitens der Banken zurückgefahren. Insbesondere dann ist eine bankenunabhängige und asset-basierte Finanzierung ein sicherer Hafen. So werden beispielsweise bei Factoring Forderungen an einen Finanzierungspartner verkauft, der dem Unternehmen die offene Summe unmittelbar auszahlt und Mahnwesen sowie Zahlungsausfallrisiko übernimmt.

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Populisten gefährden Globalisierung und Freihandel, Selbststaendigkeit.de

4. Populisten gefährden Globalisierung und Freihandel

In zahlreichen Staaten gewinnen populistische Kräfte an Bedeutung. Damit einhergehend ist oftmals die Abschottung des Arbeitsmarktes sowie die Erhebung von Zöllen auf ausländische Produkte. Dass der hieraus resultierende Wettbewerbsvorteil für inländische Unternehmen nur temporär ist und Gegenzölle der betroffenen Staaten langfristig nur zu einer Belastung der Weltwirtschaft führen, muss auch ein Donald Trump noch lernen: Der Dow Jones ist seit Januar um mehr als 1.500 Punkte gefallen. In der Folge könnten auch die Leitzinsen weltweit unkontrolliert ansteigen. Ein Zinsschock könnte schnell zu Renditen auf Staatsanleihen von fünf bis zehn Prozent im Euro-Raum führen. Dies würde nicht nur zahlreiche Schwellenländer in Bedrängnis bringen, sondern auch die brüchige Stabilität vieler europäischer Industrienationen, wie Griechenland, Italien oder Portugal, gefährden. Die steigenden Zinsen bekämen auch Unternehmen zu spüren. Insbesondere im Kernsegment der Unternehmensfinanzierung – der Kreditvergabe – droht eine spürbare Verschärfung der Konditionen. Durch Crowdlending können Unternehmen bankenunabhängig und flexibel zu Krediten kommen.

5. Die Zinsen stehen Kopf

Der Zinssatz für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit liegt nur noch 0,26 Prozentpunkte über dem derer mit zweijähriger Laufzeit. Sobald die Zinsen im kurzfristigen Bereich höher liegen, gehen Investoren von einer nahenden Rezession aus, da sie langfristig mit einem schwächeren Wachstum rechnen. In der Folge zögern Banken bei der Kreditvergabe, weil das Zinsgeschäft an Profitabilität verliert und reduzieren Kontokorrentlinien, um drohende Einnahmeausfälle abzusichern – insbesondere ohne Vorliegen eines aussagekräftigen Businessplans. Unternehmen sollten daher dringend ihr Finanzierungsportfolio diversifizieren, um drohende Liquiditätseinbußen zu verhindern.

Unternehmern ist zur Vorsicht geraten

Unternehmen sollten die Jahre 2019 und 2020 mit äußerster Vorsicht beobachten, denn einige Vorzeichen der weltweiten Schuldenkrise von 2008 lassen sich auch heute beobachten. Um Investitionen zu fördern und Staaten sowie Unternehmen zu entlasten, wurde der Kapitalmarkt in den letzten Jahren mit Geld geflutet. Die zunächst befürchtete Inflation blieb aus – doch noch lassen sich die langfristigen Folgen des billigen Geldes nicht abschätzen. Auch Unternehmer sollten die Vorzeichen der Rezession ernst nehmen und zu große Abhängigkeiten von einzelnen Finanzdienstleistern vermeiden, um im Falle einer Krise unabhängig und liquide zu bleiben. Alternative, bankenunabhängige Finanzierungen, wie Factoring, Crowdinvesting und Sale & Lease Back, bieten Unternehmen krisenfeste Liquidität und ein diversifiziertes Finanzportfolio.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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