Weiterbilden als Selbstständiger – Finanzierung und praktische Tipps

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 9 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Für Selbstständige, die sich weiterbilden wollen, kristallisieren sich schnell zwei Probleme heraus. Wie finden sie die Zeit für eine Weiterbildung, ohne, dass das Unternehmen leidet und wie gelingt es, eine qualitativ hochwertige Fortbildung zu machen, ohne das Budget überzustrapazieren?  

Warum es nicht ohne Weiterbildung geht?

Technologien und Arbeitsmaterialien werden kontinuierlich verbessert und weiter entwickelt. Wer mit dem Zeitgeist nicht Schritt halten kann, wird abgehängt. Das gilt für die Digitalisierung, aber auch für die eingesetzten Technologien und Verfahren. Kunden erwarten von ihren Dienstleistern, dass sie bestmöglich beraten werden und zufriedene Kunden, sind das beste Marketinginstrument überhaupt.

Je nach Aufgabenbereich, liegen ggf. auch nicht alle Kenntnisse vor, die nötig sind, um ein Unternehmen allumfassend führen zu können. Dem Handwerker fehlen vielleicht betriebswirtschaftliche Kenntnisse und dem Betriebswert die nötigen Informationen über Produkte, die er vertreiben soll. In beiden Fällen muss eine Weiterbildung her, die Defizite ausgleicht.

Das Problem mit der Zeit

Jedes Geschäft hat seine saisonalen Hoch-Zeiten und ruhigere Phasen im laufenden Geschäftsjahr. Die ruhigeren Phasen sind für Fortbildungen natürlich besser geeignet. Doch selbst wenn der Laden das ganze Jahr über brummt, gibt es Zeitmodelle, die jedem die Teilnahme ermöglichen.

Berufsbegleitende Seminare sind inzwischen Standard bei den Bildungsanbietern, ebenso wie Webinare. Sind zeit- und ortsunabhängige Teilnahmen möglich, können selbst kurze Pausen genutzt werden, um die Inhalte zu verinnerlichen.

Geht es gar nicht ohne ein Präsenzseminar, ist etwas Organisationstalent gefragt. Kunden nehmen es gar nicht so schnell übel, wenn das Geschäft ein paar Tage geschlossen ist, vorausgesetzt, sie wurden rechtzeitig informiert. Wer keinen Kundenverkehr in den eigenen Räumen hat, sondern Termine vor Ort ausmacht, kann diese Organisation sogar noch besser umsetzen.

Die Dauer der Weiterbildung sollte unbedingt im Auge behalten werden. Mehrjährige Kurse (Aufstiegsweiterbildungen oder Fernstudium) können schnell mit der eigenen Lebensplanung kollidieren. Wächst die Familie oder der Arbeitsschwerpunkt verändert sich, hat die Fortbildung vielleicht nicht mehr die ursprüngliche Bedeutung.

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Weiterbilden als Selbstständiger – Finanzierung und praktische Tipps, Bildquelle: Stock Images by Depositphotos

Das Problem mit dem Geld

Seminare können wirklich teuer sein. Das muss sich ein Unternehmer auch leisten können. Das Argument mit dem Absetzen von der Steuer ist auch nur dann wirklich gut, wenn kräftig Steuern gezahlt werden. Ist es finanziell eng, sollten Fördermöglichkeiten geprüft werden. Tatsächlich geht der Service der Bildungsdienstleister inzwischen soweit, dass sie hier helfen. Zum einen informieren sie ob und welche Fördermittel für förderfähige Kurse in Betracht kommen und zum anderen helfen sie auch bei der Beantragung etc.

Viele Anbieter signalisieren die Bereitschaft zu Ratenzahlungen. Das klingt verlockend, ist aber oft sehr viel teurer. Wird neben der Ratenzahlung auch ein Rabatt für Sofort- und Einmalzahlung angeboten, sollte lieber versucht werden einen kleinen Kredit für Selbstständige aufzunehmen oder das Geld anderweitig aufzutreiben und dieses ggf. in Raten zurückzuzahlen.

Zum Punkt Zeit wurden langandauernde Kurse angesprochen. Damit Abbrüche einen nicht teuer zu stehen kommen, sollte immer im Vertrag überprüft werden, was passiert mit bereits bezahltem Geld oder mit offenen Raten. Wenn es ungünstig läuft, verfällt ein großer Betrag oder die Raten werden trotz Abbruch fällig. Bei geförderten Kursen kann es sein, dass Abbrüche gut begründet werden müssen, weil sonst Rückzahlungsforderungen in Rechnung gestellt werden.

Praxistipps

Bevor überhaupt ein Seminar gebucht wird, sollte der konkrete Weiterbildungsbedarf festgestellt werden. Geht es um Produkt-, Softwarekenntnisse oder ähnliches, kann der Support des Anbieters nach Onlineschulungen durchsucht werden. Oft sind diese sogar kostenlos.

Besteht eine Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft, sollte unbedingt auch auf die Seite der BG geschaut werden, welche Seminare es dort gibt. Oft sind die sogar kostenfrei.

Es lohnt sich auch immer, den App Store der benutzten Betriebssysteme zu durchforsten. Hier gibt es gratis oder für kleines Geld viele Apps, die beim Lernen helfen sollen oder gar als Selbstlernkurse gelten.

Achtung, was die Teilnahmebescheinigungen angeht. Es gibt Tätigkeiten, die spezielle Lizenzen oder Nachweise erfordern. Gerade bei Onlinekursen sollte darauf geachtet werden, ob die Nachweise den Wert haben, der gefordert wird.

Kommt es auf Nachweise nicht an, so sind auch Lernvideos auf YouTube durchaus zur Weiterbildung geeignet.

Kostenlose Schnupperkurse – wenn es diese gibt, dann unbedingt zugreifen! Gleiches gilt für einen Einstieg mit Geld zurück Garantie. Beides würden Anbieter ihren Kunden nicht vorschlagen, wenn sie davon nicht profitieren würden. Das heißt, die Qualität des Angebots stimmt mit den Erwartungen der meisten Teilnehmer überein. Trotzdem ist jeder individuell und vielleicht sind die eigenen Erwartungen doch ganz anders. Das kann hier risikofrei herausgefunden werden.

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Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss sich weiterbilden. Bildquelle: Stock Images by Depositphotos

Was sagt der Preis über die Qualität?

Unternehmer wissen: Preis ist nicht gleich Wert. Vieles was auf dem Markt angeboten wird, ist das Geld nicht wert. Bei niedrigen Preisen geben sich aber viele mit einer mangelnden Qualität zufrieden, bei hohen Preisen hingegen nicht. Was Unternehmer auch wissen: Vertrag ist Vertrag. Auch in Bezug auf Weiterbildungen. Also, worauf achten, wenn ein Preis hinterfragt wird:

1. Art des Kurses

  • Steht in Echtzeit eine Lehrkraft zur Verfügung?
  • Findet der Kurs vor Ort in einem Seminarraum statt?
  • Ist es ein Webinar oder gar ein aufgezeichnetes Video?

2. Dauer des Kurses

  • Tagesseminar
  • Mehrtägig
  • Mehrwöchig
  • Mehrere Monate/ Jahre

3. Support und Materialien

  • Gibt es Ansprechpartner, die Fragen beantworten – wenn ja, wie?
  • Wie sind die Lernunterlagen?
  • Bleiben die Materialien beim Kunden oder sind sie geliehen?
  • Bleibt die Verfügbarkeit von Onlinematerialien auch nach dem Kurs gegeben?

4. Bildungsziel

  • Beruflicher Abschluss
  • Teilnahmezertifikat ohne Kenntnisprüfung
  • Zertifikat nach Kenntnisprüfung

5. Lehrpersonen

  • Qualifikation
  • Didaktische Fähigkeiten

Bei den genannten Kriterien gibt es einige, die den Preis nach oben treiben können, andere hingegen sollten für einen niedrigeren Preis sprechen. Das Anmieten von Seminarräumen, Bereitstellen von Einrichtung und Technik und ein hochqualifizierter Dozent verursachen akute Kosten, die auf den Preis umgeschlagen werden. Ein aufgenommener Videokurs, der beliebig oft abgespielt werden kann, verursachte diese Kosten einmal und amortisiert sich schnell.

Fazit

Wer konkurrenzfähig bleiben will, muss sich weiterbilden. Ob diese teuer sein muss oder mit Support von Anbietern oder günstigen Onlineseminaren abgedeckt werden können, entscheidet der individuelle Weiterbildungsbedarf. Ist der nicht objektiv zu ermitteln, sollten Unternehmensberater oder Coaches zurate gezogen werden. Gute Seminare werden von Berufsgenossenschaften und zuständigen Kammern angeboten.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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