AEVO Praktische Prüfung autodidaktisch

Verfasst von Semra Dindas. Zuletzt aktualisiert am 3 März, 2024
Lesezeit Minuten.
Die praktische AEVO Prüfung ist üblicherweise der zweite Teil der Ausbildereignungsprüfung. Nachdem Sie bereits in der schriftlichen AEVO Prüfung Ihr theoretisches Wissen unter Beweis gestellt haben, ist es nun Zeit einen Prüfungsausschuss von Ihrem Verständnis zu überzeugen.  

Die Prüfungsarten

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der praktischen AEVO Prüfung:

  1. Die praktische Unterweisung: Hierbei führen Sie eine echte Lektion, wie sie mehr oder weniger in der Praxis auftreten könnte, vor. Dies passiert üblicherweise mit einem Partner. Abhängig von den Präferenzen Ihrer zuständigen Stelle kann dies einer der Prüfer sein, ein anderer Prüfling, aber auch ein Freiwilliger Ihrer Wahl. Finden Sie unbedingt vorher heraus, welche Optionen Sie haben, um nicht überrascht zu werden.
  2. Die Präsentation: Sie präsentieren eine Ausbildungssituation mündlich, also mit einigen Folien und einem gut geübtem Vortrag.

In fast allen anderen Artikel, die ich zu diesem Thema gelesen habe, wird dringend zur Wahl der Unterweisung geraten. Die Begründung dafür ist, dass diese Methode am meisten der Praxis entspricht und Sie diese Kenntnisse sowieso bereits haben sollten. Dieser Ansicht stimme ich nicht zu und sehe die Wahl etwas differenzierter. Sollten Sie einen eher handwerklich orientierten Beruf ausbilden wollen, so haben Sie auch etwas zu zeigen. Gemeinsam eine Festplatte austauschen oder die korrekte Verwendung eines Werkzeuges zu erlernen ist interessant, einen Prozess vor dem Bildschirm darzustellen ist hingegen eher schwierig.

AEVO_Prüfung

Arbeiten Sie in Ihrem Alltag generell mit Präsentation oder haben keine Probleme damit eine gute Präsentation zu erstellen, so empfehle ich ganz klar die Prüfungsart der Präsentation. Mit dieser Methode haben Sie den Vorteil Ihre Inhalte ausführlich und sicher vorzubereiten. Sie schließen außerdem jegliche Überraschungen aus, da Sie sich nur auf sich selbst verlassen müssen.

Es ist zwar nicht legal, aber manche zuständigen Stellen erlauben so oder so nur eine der beiden Methoden und geben Ihnen gar nicht erst die Wahl. Informieren Sie sich darüber. Es ist außerdem wichtig zu erfahren, ob Sie ein Konzept oder Ihr Thema vorher einreichen müssen.

Das große Missverständnis

Nun folgt der vielleicht wichtigste Tipp für die praktische Prüfung: Es geht überhaupt nicht um die Inhalte, die Sie in Ihrer Lehreinheit vermitteln möchten. Wirklich nicht! Ich habe mir für die Auswahl meines Themas sehr viel Zeit genommen und versucht ein Thema zu finden, welches ich auch in der kurzen Prüfungszeit vollständig vermitteln kann. Dies ist der komplett falsche Ansatz. Das Ziel der Prüfung ist es, dem Prüfungsausschuss Ihre didaktischen Fähigkeiten und ein methodisches Vorgehen zu zeigen. Die Prüfer sind nicht da, um zum zehnten Mal zu lernen, wie man einen Karton richtig zerschneidet, sondern wollen wissen, wie Sie einen Auszubildenden lehren und Inhalte vermitteln. Die fachlichen Inhalte sind dabei fast egal. Im Gegenteil, es kommt sogar vor, dass Sie ein Prüfer auffordert den fachlichen Teil zu überspringen, sollten Sie es damit übertreiben. Stellen Sie sich Ihre Präsentation als eine Präsentation über eine Präsentation vor. Es geht um die Metaebene.

Der zeitliche Ablauf

Für Ihre Präsentation haben Sie üblicherweise 15 Minuten Zeit. Sie sollten auf keinen Fall mehr Zeit benötigen, aber auch kaum weniger. Am besten üben Sie eine Punktlandung. Schlechtgelaunte Prüfer unterbrechen Sie auch gerne nach den abgelaufenen Minuten.

In der zweiten Hälfte Ihrer Prüfung, üblicherweise ebenfalls 15 Minuten, werden Sie nun Rückfragen zu Ihrer Präsentation erhalten. Rechnen Sie mit Fragen wie: “Sie erwähnten, dass Ihr Auszubildender motiviert ist. Wie würden Sie denn verfahren, wenn dies nicht der Fall wäre?”.

Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt werden.

Laut Ausbilder-Eignungsverordnung ist es dem Prüfungsausschuss zwar nicht gestattet, aber Sie müssen außerdem mit fachlichen Fragen, wie in der schriftlichen Prüfung, rechnen. Für solche Fälle gibt es übrigens ein Protokoll der Prüfung und Sie können das Ergebnis anfechten. Es ist für Sie allerdings vermutlich deutlich leichter, auch solche Fragen selbstbewusst beantworten zu können und erfolgreich zu bestehen, statt einen Rechtsstreit zu beginnen.

Ausbildungsordnung

Der Aufbau Ihrer Präsentation

Natürlich können Sie besonders kreativ und originell werden, doch halten Sie sich, für absehbare Ergebnisse, bei der Struktur lieber an Bewährtes.

Einigen Prüfern scheint das Design sehr wichtig zu sein:

  • Es handelt sich um eine Prüfung und keine Werbeaktion. Auf Ihren Folien hat weder ein Firmenname, noch ein Logo etwas zu suchen.
  • Halten Sie Ihr Design einfach, es geht einfach nicht darum. Wählen Sie eine standard Schriftart, einen einfarbigen weißen Hintergrund, keine Animationen und eine Akzentfarbe.

Die Grundregeln für eine gute Präsentation:

  • Auf Ihren Folien sollten sich nicht viele Worte oder ganze Sätze befinden. Die Inhalte tragen Sie vor und nicht die Folien.
  • Am besten kennen Sie Ihren Text aus einigen Übungen mehr oder weniger auswendig, um kein Problem mit Nervosität zu haben.
  • Am besten üben Sie Ihre Präsentation laut, entweder vor einer anderen Person, dem Spiegel oder nehmen sich selber dabei auf.

Übernehmen Sie die folgenden Folien:

Folie: Deckblatt

  • Titel: Präsentation der Durchführung einer Ausbildungssituation
  • Untertitel: im Rahmen der Ausbildereignungsprüfung
  • Beruf: Fachinformatiker Anwendungsentwicklung
  • Thema: IT-Systeme vergleichen
  • Ihr Name

Tipp:

Verwenden Sie nicht mehr das Wort “Unterweisung”, diese Bezeichnung ist veraltet. Nennen Sie die Situation Lektion, Ausbildungssituation oder Lehreinheit.

Folie: Gliederung

Eine Liste mit den Titeln der 7 folgenden Folien.

Folie: Rahmenbedingungen

Stellen Sie die Situation dar, in welcher Sie die Inhalte an einen hypothetischen Auszubildenden vermitteln. Inkludieren Sie Informationen über:

  • Das Unternehmen: Größe, Standort und die Anzahl an Auszubildenden
  • Die Uhrzeit und die Dauer. Sie können diese mit dem Biorhythmus des Auszubildenden erklären
  • Den Ort: Das Konferenzbüro
  • Die Ausbildungsmittel: Ein Laptop und ein Fernseher zur Präsentation

Folie: Adressatenanalyse

Der Adressat Ihrer Lehreinheit ist Ihr hypothetischer Auszubildender. Stellen Sie diesen vor.

  • Name
  • Wie weit in der Ausbildung
  • Alter
  • Ein paar Eigenschaften wie Zielorientiert, eine gute Auffassungsgabe und ein hohe Lernbereitschaft
  • Dessen Vorkenntnisse
  • Der Lerntyp

Es fällt sehr einfach diesen Fakt zu vergessen, aber alle diese Informationen sind ausgedacht! Es handelt sich nur um eine hypothetische Situation, um Ihre Methodiken zu erklären.

4Lerntypen

Folie: Didaktische Analyse

Erklären Sie, wie Sie Ihr Feinlernziel operationalisiert haben. Suchen Sie sich dazu aus dem Rahmenplan in der Ausbildungsordnung ein Richt- und Groblernziel als Grundlage aus.

Folie: Methodische Durchführung

Diese Folie wird am meisten sichtbar sein, gestalten Sie diese am schönsten.

Gehen Sie Schritt für Schritt durch, wie Sie eine Ausbildungssituation abhalten:

  1. Methode: Das Lehrgespräch
  2. Ziel: Dem Auszubildenden wird das Lernziel vorgestellt.
  3. Aufbau: Als nächstes wird der Aufbau der Lehreinheit erläutert.
  4. Vorkenntnisse: Vor dem tatsächlichen Start, werden die Vorkenntnisse evaluiert.
  5. Beispiele: Sie lernen gemeinsam an verschiedenen Beispielen. Dabei übernimmt der Auszubildende nach und nach einen größeren Anteil. Sie stellen offene Fragen und gehen vom Generellen zum Speziellen.
  6. Ermutigen: Erwähnen Sie immer wieder, dass Sie den Auszubildenden ermutigen.
  7. Fehlerfall: Während des Lernens stellen Sie eine leicht fehlerhaft zu bearbeitende Frage oder Aufgabe. Ihr Auszubildender erkennt dies und Sie loben ihn dafür.
  8. Verständnis: Über einige Rückfragen stellen Sie das Verständnis des Gelernten fest.
  9. Üben: Im letzten Lernschritt lassen Sie Ihren Auszubildenden ein letztes Beispiel hauptsächlich selbstständig üben.
  10. Selbsteinschätzung: Vor einem Feedback, lassen Sie den Auszubildenden sich selbst einschätzen.
  11. Feedback: Der Auszubildende erhält ein Feedback.
  12. Loben: Erwähnen Sie immer wieder, dass Sie den Auszubildenden loben.
  13. Nachweis: Sie weisen den Auszubildenden darauf hin, dass das heutige Ergebnis in den Ausbildungsnachweis eingetragen und Ihnen zur Unterschrift vorgelegt werden soll.
  14. Nächste Einheit: Sie teilen dem Auszubildenden das Thema der nächsten Lehreinheit mit.

Folie: Didaktische Rahmenbedingungen

  1. Erklären Sie, auch wenn es dafür keine konkreten wissenschaftlichen Beweise gibt, sogar im Gegenteil2, die angewendeten Lernbereiche.
  2. Gehen Sie auf die Motivation des Auszubildenden ein.
  3. Erläutern Sie die relevanten Kompetenzen, wie z.B. die Kundenorientierung oder die Kompromissfähigkeit

Folie: Lernzielkontrolle

Nach jeder Lehreinheit ist es wichtig, sicherzustellen, dass die vermittelten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, auch verstanden wurden. Erklären Sie, wie Sie dies mit einer Lernzielkontrolle sicherstellen.

Folie: Fazit und Zusammenfassung

Fassen Sie zum Schluss noch einmal den Ablauf zusammen. Abhängig davon, wie viel Zeit Sie noch übrig haben und wie schnell Sie gesprochen haben, kann man diese Folien in 10 Sekunden oder in 2 Minuten vorstellen.

Folie: Ein Danke für die Aufmerksamkeit

Bedanken Sie sich zum Schluss für die Aufmerksamkeit Ihrer Prüfer und teilen Sie mit, dass Sie nun für Fragen zur Verfügung stehen.

Faktenwissen

Es gibt einige Themen, die von Ihnen als auswendig und fehlerfrei erwartet werden. Diese müssen Sie auswendig erklären und aufzählen können:

Ich habe Ihnen dieses Faktenwissen als ein Cheatsheet zusammengestellt.

SMART

Fazit und Zusammenfassung

Abschließend lässt sich sagen, wenn Sie Ihre Präsentation erfolgreich verinnerlicht haben und diese die richtigen Schlüsselwörter beinhaltet, ist die Prüfung für Sie schaffbar. Auch die Fragen der Prüfer sind normalerweise fair und mit fundierten Kenntnissen über den Ablauf und die Bedingungen einer Ausbildung gut zu beantworten. Mein Tipp: Beschäftigen Sie sich ein Wochenende am Stück sehr ausführlich mit Ihrer Präsentation. Machen Sie sich ein paar Gedanken über die Gründe Ihrer Aussagen und üben Sie das Zeitlimit einzuhalten. Auf diesem Weg können Sie mit einem erfolgreichen Ergebnis rechnen. Viel Erfolg!


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Semra Dindas, die Assistenz der Geschäftsführung bei Selbststaendigkeit.de, vereint umfassende internationale Erfahrung und fundierte wirtschaftliche Kenntnisse. Ihre Rolle als Managerin für Internationale Operationen bei Teknik Fuarcılık und ihre Tätigkeit in den Internationalen Beziehungen bei der ITM International Textile Machinery Exhibition unterstreichen ihre Fähigkeit, in einem globalen Umfeld zu agieren und zu koordinieren. Ihr akademischer Hintergrund in Wirtschaftswissenschaften von der Wirtschaftsuniversität Wien ergänzt ihre beruflichen Kompetenzen, die sie in ihre zusätzliche Verantwortung für die Koordination der Advertorials bei Selbststaendigkeit.de einbringt.

Privat ermöglicht ihr die Flexibilität ihrer Tätigkeit bei Selbststaendigkeit.de, auf einem Bauernhof in der Türkei zu leben. Diese besondere Lebensweise spiegelt ihre Wertschätzung für Natur und Unabhängigkeit wider und bietet ihr einen ausgleichenden Kontrast zu ihrem beruflichen Alltag.

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