Fort- und Weiterbildungen für Kaufleute im Überblick

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 9 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Wer nach dem Schulabschluss eine Ausbildung absolviert, legt damit eine solide Grundlage für seinen beruflichen Erfolg. Besonders beliebt sind kaufmännische Ausbildungen. Ein Grund dafür sind die vielseitigen Weiterbildungsmöglichkeiten. Wir zeigen, welche Fort- und Weiterbildungen Kaufleute in Anspruch nehmen können und worin die Unterschiede zwischen Anpassungs- und Aufstiegsfortbildung liegen.  

Weiterbildungen und Fortbildungen als Inhouse-Schulung sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Aber auch externe Fort- und Weiterbildungen können vom Arbeitgeber gefördert werden. Vor allem dann, wenn der Arbeitgeber ebenfalls Interesse daran hat, dass seine Mitarbeiter auf dem neuesten Wissensstand sind, ist die finanzielle Unterstützung bei Weiterbildungen wahrscheinlich. Arbeitnehmer können sich aber auch aus eigenem Antrieb dafür entscheiden, neues Know-how zu erwerben, um ihre berufliche Karriere voranzutreiben. Eine solche Entscheidung bringt viele Vorteile mit sich.

Welche Vorteile hat eine kaufmännische Weiterbildung?

Ob eine Weiterbildung zum Betriebswirt IHK oder eine Fortbildung zum Fachwirt – absolviert man eine kaufmännische Weiterbildung, profitiert man von zahlreichen Vorteilen.

  • Einkommenssteigerung:
    Aus finanzieller Hinsicht lohnt sich eine Weiterbildung immer. Wie eine 2020 veröffentlichte Studie des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) zeigt, kann sich eine Ausbildung mit anschließender Weiterbildung finanziell sogar mehr lohnen als ein Hochschulstudium. Sowohl bei einer Anpassungs- als auch bei einer Aufstiegsweiterbildung erwirbt man eine Weiter- bzw. Höherqualifizierung, die mit einer Gehaltssteigerung einhergeht. Aufstiegsfortbildungen sind Anpassungsweiterbildungen dabei deutlich überlegen. Wie weit das Gehalt genau steigt, hängt jedoch immer von den neu bekleideten Aufgabenbereichen ab.
  • Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt:
    Keine Frage, Absolventen einer kaufmännischen Ausbildung gelten auf dem Arbeitsmarkt als sehr gefragt. Weil in vielen Bereichen ein höherer Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften als in anderen besteht, kann der Erwerb neuer Fähigkeiten und Kompetenzen die Karrierechancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Experten gehen davon aus, dass höher qualifizierte Arbeitnehmer eine größere Wahrscheinlichkeit auf einen festen Arbeitsplatz sowie einen beruflichen Aufstieg haben.
  • Mehr Flexibilität:
    Besitzt man zusätzliche berufliche Fähigkeiten, hat man die Möglichkeit, seine Karriere gezielt zu steuern. Schließlich genießen diejenigen, die besser qualifiziert sind, das Privileg, eine größere Auswahl bei der Stellensuche zu haben. Dies räumt ein hohes Maß an Flexibilität ein, etwa bei der Wahl des zukünftigen Wohnorts.
  • Mehr Routine im Arbeitsalltag:
    Durch den Erwerb neuer Kenntnisse oder eine Auffrischung bereits bestehender Fähigkeiten, kann man seinen Arbeitsalltag routiniert meistern. Das ist vor allem im Hinblick auf Digitalisierung und Strukturwandel wichtig. Indem man den damit einhergehenden Herausforderungen selbstsicher gegenübertreten kann, ist man gut auf die tägliche Arbeit vorbereitet.
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Fort- und Weiterbildungen für Kaufleute im Überblick, Bildquelle: Selbststaendigkeit.de

Anpassungsweiterbildung oder Aufstiegsfortbildung?

Möchte man eine Weiterbildung absolvieren, stellt sich grundsätzlich die Frage, ob es eine Anpassungsweiterbildung oder eine Aufstiegsfortbildung sein soll. Hier gibt es wesentliche Unterschiede. Wir stellen die beiden Weiterbildungsformen gegenüber und zeigen typische Charakteristika sowie deutliche Unterschiede.

  • Anpassungsweiterbildung/Anpassungsfortbildung:
    Hin und wieder können sich die Anforderungen am Arbeitsplatz ändern – neue Aufgaben kommen hinzu, alte fallen weg. Um optimal auf ein solches Szenario vorbereitet zu sein, können mit einer Anpassungsweiterbildung bzw. -fortbildung bereits bestehende Qualifikationen aufgefrischt oder erweitert werden. Üblicherweise findet die Anpassungsweiterbildung in Form eines Seminars statt, in welchem ein bestimmtes Thema behandelt wird. Man bildet sich also in einem speziellen Bereich weiter und ist danach dazu im Stande, seinen Betrieb mit neuem Know-how zu unterstützen. Häufig findet die Anpassungsfortbildung während der Arbeitszeit statt und kann entweder als Inhouse-Seminar oder bei einem externen Bildungsanbieter absolviert werden.

    Die arbeitsplatzbezogene Weiterbildung ist laut Qualifizierungschancengesetz förderfähig und hilft zum Beispiel dabei, sich und seine Mitarbeiter fit für die digitale Zukunft zu machen. Eine Prüfung müssen die Teilnehmer dabei nicht ablegen.
  • Aufstiegsweiterbildung/Aufstiegsfortbildung:
    Dem steht die Aufstiegsfortbildung bzw. -weiterbildung gegenüber. Diese ermöglicht einen beruflichen Aufstieg, setzt jedoch auch eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus. Darüber hinaus müssen Teilnehmer eine mehrjährige Berufserfahrung nachweisen. Während der Aufstiegsfortbildung wird man auf größere Aufgabenbereiche sowie eine höhere berufliche Verantwortung vorbereitet. In der Regel geht mit dieser Fortbildung eine Gehaltserhöhung einher.Klassische Beispiele für kaufmännische Aufstiegsfortbildungen sind Abschlüsse als Fachwirt/-in, Betriebswirt/-in und Fachkaufmann/-frau. Je nachdem, in welcher Branche man tätig ist, gibt es bei diesen Fortbildungen eigene Fachbereiche wie zum Beispiel Bankfachwirt im Finanzbereich oder Betriebswirt für Personalwirtschaft. Absolviert wird die Aufstiegsweiterbildung entweder in Vollzeit oder in Teilzeit neben dem Beruf. Nach mehreren Monaten bis hin zu drei Jahren müssen Teilnehmer eine Abschlussprüfung ablegen. Mit dem Bestehen der Abschlussprüfung wird ein anerkannter, qualifizierter Abschluss erworben.

Beliebte Weiterbildungen für Kaufleute

Mit einer kaufmännischen Ausbildung in der Tasche gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden. Nachfolgend zeigen wir zwei der beliebtesten Aufstiegsfortbildungen für Kaufleute.

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Eine kaufmännische Weiterbildung bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Bildquelle: Selbststaendigkeit.de

Weiterbildung zum Fachwirt:

Was für Handwerker der Meistertitel, ist für Kaufleute der Titel Fachwirt. Als Fachwirt qualifiziert man sich für höhere Positionen und eine höhere Gehaltsstufe. Absolviert werden kann die Weiterbildung zum Fachwirt sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit oder als Fernstudium. Entscheidet man sich für die Teilzeitweiterbildung, kann man nach 1,5 Jahren den Abschluss Fachwirt/-in erwerben; beim Fernstudium muss man mit 1,5 bis 2 Jahren rechnen; der Vollzeitlehrgang ist in der Regel nach wenigen Monaten abgeschlossen.

Während der Weiterbildung wird den Teilnehmern alles vermittelt, was sie für ihre späteren Aufgaben als Fach- und Führungskraft wissen müssen. Dazu gehören kaufmännische und wirtschaftsbezogene als auch handlungsspezifische Inhalte. Hier kann schwerpunktmäßig zwischen verschiedenen Fachrichtungen wie Personalwesen, Controlling oder Finanzen und Rechnungswesen gewählt werden

Weiterbildung zum Betriebswirt:

Der Betriebswirt gilt als höchster betriebswirtschaftlicher Abschluss, den Kaufleute ohne ein akademisches Studium erreichen können. Während der Weiterbildung können je nach Interesse verschiedene Schwerpunkte gesetzt werden. Zu den bekanntesten Fachrichtungen gehören Finanzwirtschaft, Touristik, Personalwirtschaft, Logistik, Absatzwirtschaft und Marketing.

Übrigens ist Betriebswirt nicht gleich Betriebswirt. Man unterscheidet in

  • Staatlich geprüfter Betriebswirt/-in
  • Betriebswirt/-in IHK
  • Technische/r Betriebswirt/-in IHK

Jeder der drei Weiterbildungsabschlüsse ist deutschlandweit angesehen und mit einem Hochschulabschluss vergleichbar. Absolviert werden kann die Weiterbildung berufsbegleitend in Teilzeit über Präsenz- oder Fernlehrgänge sowie in Vollzeit. Je nach gewählter Variante erhält man nach ein bis drei Jahren (berufsbegleitende Variante) oder nach drei Monaten bis zwei Jahren (Weiterbildung in Vollzeit) seinen Abschluss.

Mögliche Alternativen

Eine weitere Möglichkeit für Kaufleute stellt die Weiterbildung zum Fachkaufmann/Fachkauffrau dar. Sie ähnelt in einigen Punkten der Fachwirt-Weiterbildung und qualifiziert die Teilnehmer für einen bestimmten Funktionsbereich wie zum Beispiel Verwaltung oder Organisation. Darüber hinaus können Fachkaufleute Fach- und Führungsaufgaben übernehmen. Als Alternative für eine klassische Weiterbildung kommt auch ein berufsbegleitendes Studium in den Bereichen Management, Betriebswirtschaftslehre, Business Administration oder Wirtschaftswissenschaft infrage.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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