Der Weg zur Selbständigkeit – Tipps und Tricks

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 10 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Die berufliche Selbständigkeit streben viele an. Doch zwischen dem ehrgeizigen Wunsch und der tatsächlichen Umsetzung klafft oftmals noch die Lücke des Scheiterns und Aufgebens. Kein Wunder, denn der Weg in die Selbstständigkeit verlangt Ausdauer, Frustrationstoleranz und Opferbereitschaft. Und diese Voraussetzungen lassen viele auf halber Strecke scheitern.  

Viele kreative Köpfe verfügen über geschäftliche Ideen, die sie gerne mit anderen teilen möchten, indem sie sie zu Markte tragen. Manchmal sind es bewährte Konzepte, mitunter aber auch innovative Vorhaben, die so noch nicht umgesetzt wurden. So oder so: Am Anfang sind es oftmals mehr Visionen als konkrete Pläne. Um aus der Idee eine gelebte Selbständigkeit reifen zu lassen, bedarf es aber einer genauen Vorgehensweise. Sich selbstständig zu machen bedeutet dann, dass man selbst und ständig an seiner Vision, seiner Idee und dem konkreten Geschäftsmodell arbeitet. Daher sollte man zu Beginn immer einen Businessplan erstellen, der Idee, Kosten und die zu bewältigenden Schritte bis ins kleinste Detail ausführt und so aufbereitet, dass er auch von Außenstehenden begriffen wird. In vielen Fällen steht nicht genügend Eigenkapital zur Verfügung, um das Geschäftsmodell umzusetzen. Die Finanzierungsleistungen über Kredite oder Investoren werden nur dann bereitgestellt, wenn im Vorfeld der Businessplan plausibel und die Geschäftsidee zukunftstauglich ist.

Wie also vorgehen, wenn die Selbstständigkeit nicht nur eine Idee bleiben soll? Wir haben die wichtigsten Schritte aufbereitet und wollen so zeigen, wie ein guter Start in die Selbständigkeit funktionieren kann.

Geschäftsidee finden

An erster Stelle steht immer die Idee. Wenn man sich selbstständig machen will, muss der geschäftliche Ausgangsgedanke und die Umsetzung in einem Businessplan dokumentiert werden. Dabei muss überlegt werden, ob die Geschäftsidee für ein breites Marktsegment geeignet ist oder nur eine bestimmte Zielgruppe angesprochen werden soll. Entsprechend muss die Selbstständigkeit und auch der Businessplan strukturiert und wohl überlegt angegangen werden.

Wichtig sind hierzu folgende Fragen:

  • Wen spricht meine Geschäftsidee an?
  • Wie erreiche ich meine Zielgruppe?
  • Wie intensiv wird meine Geschäftsidee von der Zielgruppe gegenwärtig benutzt?
  • Welchen Umsatz kann ich mit meiner Geschäftsidee machen?
  • Wie gelingt es mir, meine Geschäftsidee am Markt zu etablieren?

Businessplan erstellen

Das Erstellen eines Businessplanes ist die erste Herausforderung für den Selbständigen in spe. Das setzt eine intensive Auseinandersetzung mit der Idee, der Finanzierung und dem Markt samt Wettbewerberumfeld voraus! Und am Businessplan hängt das zentrale Kriterium für den Umsetzungserfolg – die finanzielle Unterstützung. Auch fehlt Ihnen ohne Businessplan der Kompass für ein genaues Ziel im Rahmen der Selbstständigkeit. Denn ohne genaues Ziel kein Erfolg!

Die Geschäftsidee sollten Sie im Businessplan bis ins Detail planen. Es geht nicht nur darum, niederzuschreiben, welche Geschäftsidee Sie umsetzen wollen. Es geht auch darum, welche Kosten entstehen, welche Ressourcen (Materialien, PCs, Software-Programme …) benötigt werden und welche Einnahmen geplant sind. Außerdem muss beim Businessplan-Erstellen berücksichtigt werden, welcher zeitliche Rahmen vorgesehen ist, wie die Marketing-Strategie samt Branding realisiert und so die Zielgruppe erreicht werden kann. Und nicht zuletzt: Wollen Sie alleine durchstarten oder im Team? Wenn letzteres der Fall ist, aus welchen Personen setzt sich das Team zusammen?

Businesspläne finden sich zuhauf als Vorlagen im Internet. Diese Vorlagen sind so detailliert gegliedert, dass jeder relevante Punkt für die zukünftige Umsetzung berücksichtigt werden kann. Es lohnt sich daher, wirklich jeden Punkt minutiös zu beantworten. Je genauer der Businessplan ausgearbeitet wird, umso höher die Chancen, mit der Selbstständigkeit auch erfolgreich durchzustarten.

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Der Weg zur Selbständigkeit – Tipps und Tricks, Bildquelle: Selbststaendigkeit.de

Finanzplan erstellen

Zum Businesskonzept gehört auch ein Finanzplan. Je nach Finanzierung kann es sein, dass ein separater Finanzplan benötigt wird. Dieser muss etwa bei Banken oder auch der IHK vorgelegt werden, um entsprechende Kredite und Genehmigungen zu erhalten. Gerade wenn Sie mit finanziellen Dingen noch wenig vertraut sind, sollten Sie für die Erstellung des Finanzplans (ähnlich wie für den Businessplan) einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Die IHK bietet beispielsweise entsprechende Seminare an. Es gibt aber auch Berater für Unternehmensgründer bzw. Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, die beim Erstellen des Businessplans oder Finanzplans gerne behilflich sind. In vielen Fällen muss dafür Geld in die Hand genommen werden. Allerdings sorgt die fachmännische Betreuung auch dafür, dass man sich tatsächlich mit der Idee auseinandersetzt und eine kompetente Beurteilung des geplanten Geschäftsmodells erhält. So können grobe Fehler vermieden werden und der Start in das Entrepreneur-Dasein steht unter einem günstigen Stern.

Markenrechte klären

Ein Firmenname ist oftmals schnell gefunden. Und auch Produkte, die veräußert, produziert oder beworben werden sollen. Doch eine Frage stellt sich gleich zu Beginn: Hängen Markenrechte daran? Bevor ein Firmenname in Stein gemeißelt und Geld für entsprechende Logos und ähnliches ausgegeben wird, muss geklärt werden, ob andere Personen oder Unternehmen Rechte an diesem Namen haben. Geschieht das nicht, kann es zu Abmahnungen und hohen Geldstrafen kommen, die gezahlt werden müssen. Deshalb sollten Sie immer im Vorfeld prüfen, ob Markenrechte eventuell verletzt werden und das entsprechend abklären. So ist ein wichtiger Stolperstein auf dem Weg in die Selbstständigkeit beseitigt.

Genehmigung einholen

Bei der Selbstständigkeit geht es nicht nur darum, beim Finanzamt eine Steuernummer zu beantragen. Es geht auch darum, entsprechende Genehmigungen bei anderen Stellen einzuholen. Sicherlich darf sich jeder selbständig machen. Aber wenn beispielsweise mit Lebensmitteln gehandelt wird, müssen entsprechende Zulassungen vorhanden sein. Und das gilt auch für viele andere Branchen und Bereiche. Auch hier gilt es, im Vorfeld genaue Informationen einzuholen und die entsprechenden Genehmigungen zu beantragen.

Unternehmensform, Konto und Verträge

Ein Geschäftskonto sollte in der heutigen Zeit selbstverständlich sein. Auch Verträge mit unterschiedlichen Firmen und mit Versicherungen sind durchaus obligatorisch. Doch wie sieht es mit der Unternehmensform aus? Die Auswahl ist groß. Einige Beispiele sind:

  • Einzelunternehmen
  • GmbH
  • OHG
  • GbR
  • e.K.
  • KG

Welche Unternehmensform gewählt wird, hängt auch von der Branche ab und welche Haftung der Unternehmer anstrebt. Bei einem Einzelunternehmen haftet der Selbstständige in vollem Umfang. Bei einer GmbH haftet er in beschränkter Form. Auch hier lohnt es sich, im Vorfeld nicht nur Informationen, sondern auch eine professionelle Beratung einzuholen. Denn die Unternehmensform kann darüber entscheiden, ob die Selbstständigkeit gelingt oder nicht.

Standort wählen

Wenn sich das Unternehmensprojekt nicht ausschließlich auf das Internet konzentriert, ist der Standort ein wichtiger Faktor bei der Unternehmensgründung. Wo soll das Unternehmen angesiedelt sein? Werden Räumlichkeiten benötigt? Wenn ja, welche Kosten entstehen hierfür? All das sind Dinge, die umfassend erörtert werden müssen, bevor überhaupt der Start in die Unternehmer-Welt gelingen kann.

Bei Behörden anmelden

Die Anmeldung beim Finanzamt und gegebenenfalls anderen Behörden ist dann vorzunehmen, wenn alle anderen Punkte im Vorfeld geklärt und genehmigt wurden. Dann geht es darum, dem Finanzamt mitzuteilen, dass ein Unternehmen gegründet wurde. Ihr Unternehmen erhält dann eine Steuernummer, die nach einigen Tagen oder Wochen zugeschickt wird. Ist das erledigt, ist das Unternehmen rechtskräftig angemeldet und es kann auch nicht von Schwarzarbeit gesprochen werden.

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Eine gute Vorausplanung ist die Voraussetzung für eine gelungene Selbstständigkeit. Bildquelle: Selbststaendigkeit.de

Corporate Identity kreieren

Jedes Unternehmen benötigt ein Aushängeschild, um erfolgreich sein zu können. Und das von Beginn an. Eine Marke muss kreiert werden, um für Außenstehende nachhaltig sichtbar zu bleiben. Deshalb ist es wichtig, dass bei der Werbung ein einheitliches Bild entsteht. Ein Unternehmen benötigt ein Logo, einen Schriftzug, einen Werbeslogan und ähnliche Dinge. Und das geschieht im Rahmen der Corporate Identity und des Corporate Designs. Je besser das Branding gelingt, umso eher erinnern sich Menschen an das Unternehmen. Und umso erfolgreicher ist ein Unternehmen auch.

Der Corporate Identity folgt das Corporate Design. Im Internet gehört dazu eine Website mit modernem Design, zeitgemäßen Schriftzügen und Logos, welche sich einprägen. Offline müssen diese Guidelines ebenfalls befolgt werden, auf Visitenkarten, Messen, Produkten und nicht zuletzt im Unternehmen selbst.

Ein gutes Beispiel dafür ist Coca-Cola. Auch wenn man dieses Süßgetränk nicht bevorzugt, weiß jeder sofort, wie das Logo aussieht und was hinter dem Angebot steht. Das muss für jedes gegründete Unternehmen im besten Falle passieren. Je einprägsamer das Unternehmen ist, umso leichter ist auch die Positionierung am Markt.

Kundenakquise und Werbung starten

Ist das äußere Erscheinungsbild designt worden, geht es darum, auf sich aufmerksam zu machen. Bei der Selbstständigkeit gehören die Kundenakquise und die Werbung immer zu den wichtigsten Bausteinen. Die Kunden kommen nicht automatisch zu Ihnen. Man muss die Kunden ansprechen, und sie auf das Produkt aufmerksam zu machen. Das geht mit Werbung in Zeitschriften und Zeitungen, mit Reklame vor Ort, aber vor allen Dingen mit Sichtbarkeit im Internet wie etwa in den sozialen Medien. Ob online oder offline: Die Werbung muss auf den Kunden zugeschnitten sein. Sie muss den Kunden ansprechen, ihn abholen und vom Produkt überzeugen. Am besten, indem Sie Bedürfnisse wecken: Der Kunde sollte das Gefühl haben, dass er ohne das Produkt oder die Dienstleistung nicht mehr leben kann. Dann sind die Kundenakquise und Werbung gelungen.

Schwerpunktmäßig bietet sich gegenwärtig Online-Marketing an. Wollen Sie im World Wide Web gesehen werden, müssen Sie vor allem auf Search Engine Marketing (SEM) setzen. Hier bilden Anzeigen (Search Engine Advertising, kurz SEA) oder klassische Suchmaschinenoptimierung (SEO) die wichtigsten Hebel, um bei Google weit vorne zu ranken.

Gründungszuschuss, Startkapital ansparen und Versicherung

Wir haben es bereits mehrfach erwähnt – ohne finanzielle Hilfe ist der Start in ein Unternehmen kaum möglich. Hierfür können unterschiedliche Quellen angezapft werden. Das Startkapital bei der Selbstständigkeit kann zum Beispiel über die KfW Bank in Form von einem Gründungszuschuss bezogen werden. Aber auch normale Unternehmenskredite sind möglich. Letztere verlangen aber immer nach ausreichend Sicherheiten. Und diese Sicherheiten müssen zumindest in Form von einem ordentlichen Startkapital gegeben sein. Der Businessplan wird bei beiden Optionen immer benötigt.

Auch der Abschluss von Versicherungen für die unternehmerische Sicherheit ist wichtig. Ohne eine gute Absicherung sollte niemand in die Selbstständigkeit starten. Auch hier lohnt es sich, in einen Berater zu investieren, der gegebenenfalls auch vom Arbeitsamt zur Verfügung gestellt wird. Nämlich dann, wenn man aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit startet.

Gründungsseminare sollten beim anvisierten Unternehmertum ebenfalls immer in Anspruch genommen werden. Die IHK hat hier hervorragende Angebote, welche die wichtigsten Abläufe im Rahmen einer Selbständigkeit zeigen. Zu nennen sind die Buchführung oder die korrekte Abrechnung für das Finanzamt.

Unser Fazit

Die Selbstständigkeit ist für viele ein Traum, den sie in die Realität umsetzen möchten. Damit es gelingt, ist eine gute (Voraus-)Planung das A und O. Neben der korrekten Vorbereitung verlangt ein erfolgreiches Unternehmertum aber vor allem Mut, Risikobereitschaft, Ausdauer – und auch eine Portion Glück. Kommt dies alles zusammen, steht dem unternehmerischen Erfolg nichts mehr im Wege. Glück ist dann die Belohnung für den Tüchtigen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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