Die Gründung einer GmbH mit Sacheinlage – GmbH Gründung ohne Bargeld

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 12 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Um in Deutschland eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gründen zu können, muss ein angehender Unternehmer über ein Stammkapital von mindestens 25.000 Euro verfügen. Wer nicht so viel Geld in die Gesellschaft einzahlen kann, der kann auf eine GmbH Gründung mit Sacheinlage als Alternative ausweichen.  

Die Rechtsform der GmbH

Wer in Deutschland eine GmbH Gründung ohne Bargeld plant, stellt sich schnell die Frage, welche Rechtsform das Unternehmen haben soll. Vielen Laien ist erst einmal nicht bewusst, welche Rechte und Pflichten mit den unterschiedlichen Rechtsformen einhergehen. Die meisten neuen Unternehmer entscheiden sich für die Gründung einer GmbH, weil diese Rechtsform eine persönliche Haftung ausschließt. Das bedeutet, dass Unternehmer im Falle einer Insolvenz ihres Betriebes nicht mit ihrem privaten Vermögen haften müssen. Das persönliche finanzielle Risiko ist somit relativ gering.

Höhe des Stammkapitals für eine GmbH

Um eine GmbH gründen zu können, müssen Sie vor der Gründung ein Stammkapital zur Höhe von mindestens 25.000 Euro nachweisen können. Mindestens 12.500 Euro von dieser Summe sind vor der Unternehmensgründung beim Handelsregister in die Gesellschaft einzuzahlen. Die restlichen 12.500 Euro müssen spätestens dann eingezahlt werden, sobald diese von der Gesellschaft angefordert werden. Dies ist meist spätestens bei einer Insolvenz der Fall.

Die Gründung einer GmbH mit Sacheinlage – GmbH Gründung ohne Bargeld_TB

Eine GmbH kann auch mittels einer „Mischeinlage“ gegründet werden, Bildquelle: shutterstock.com/image-photo/happy-business-partners-shaking-hands-expressing-1289761516

GmbH Gründung mit Sacheinlage          

Das Stammkapital zur Höhe von mindestens 25.000 Euro muss nicht zwangsläufig in bar in die Gesellschaft eingezahlt werden. Das Stammkapital kann ebenfalls komplett oder zum Teil durch die Übertragung von anderen Vermögensgegenständen in die Gesellschaft eingezahlt werden. Bei einem solchen Vorgehen wird von einer „Sachgründung“ gesprochen, im Kontext der einzelnen Vermögensgegenstände von einer „Sacheinlage“. Mögliche Sacheinlagen bei der GmbH Gründung mit Sacheinlage sind alle Gegenstände, die einen messbaren Wert haben. Hierzu gehören

  • immaterielles Vermögen (beispielsweise Patente, Markenrechte oder Lizenzen)
  • bewegliches Vermögen (zum Beispiel Computer, Waren, Fahrzeuge oder Rohstoffe)
  • unbewegliches Vermögen (beispielsweise Grundstücke oder Immobilien)
  • Finanzanlagen (zum Beispiel Beteiligungen an anderen Unternehmen)
  • Forderungen gegenüber Dritten (zum Beispiel Forderungen aus Lieferung und Leistung)

Eine Sacheinlage für die GmbH Gründung mit Sacheinlage kann sich auch aus mehreren der oben genannten Positionen zusammensetzen.

Wert der Sacheinlage muss durch einen Gutachter ermittelt werden

Damit sichergestellt werden kann, dass die Sacheinlagen dem Wert des Mindeststammkapitals zur Höhe von 25.000 entsprechen, müssen die Sacheinlagen durch einen Gutachter bewertet werden. Dies kann mit einem hohen Aufwand verbunden sein. Schon allein aus diesem Grund wird in der Praxis eine GmbH Gründung mit Sacheinlage relativ selten vorgenommen.

Der entscheidende Wert der Sacheinlagen wird immer zu dem Zeitpunkt bestimmt, an dem die Gründung der GmbH beim Handelsregister angemeldet wird. Abhängig davon, welche Art von Sacheinlage gemacht wird, sind der Wiederbeschaffungswert, der Ertragswert oder der Umlaufwert ausschlaggebend für die Wertbestimmung der Sacheinlage.

Gemischte Einlagen: Geld und Sacheinlage in Kombination

Eine GmbH kann auch mittels einer „Mischeinlage“ gegründet werden. Das nötige Stammkapital zur Höhe von 25.000 Euro für die Gründung können Sie durch eine Kombination von Bargeld und Sacheinlagen nachweisen. Hier kann es auch sinnvoll sein, dass Sie bei creditSUN einen Unternehmenskredit aufnehmen.

GmbH Gründung mit Sacheinlage – Was sind die Folgen?

Im Rahmen einer GmbH Gründung mit Sacheinlage werden alle Sacheinlagen detailliert im Gesellschaftsvertrag aufgeführt. Jeder einzelne Gegenstand, beziehungsweise immaterieller Wert, muss im Gesellschaftsvertrag benannt werden.

Als Gesellschafter müssen Sie in einem sogenannten „Sachgründungsbericht“ erklären, warum die einzelnen Sacheinlagen in der Summe den nötigen Gesamtwert zur Höhe von 25.000 Euro ergeben. Sie müssen dabei Folgendes angeben:

  • Anschaffungskosten
  • Herstellungskosten
  • derzeitiger Marktpreis
  • Zustand
  • eventuelle Nutzungsmöglichkeiten / eventueller Mehrwert für die Gesellschaft
Die Gründung einer GmbH mit Sacheinlage – GmbH Gründung ohne Bargeld_TB2

Durch die Einbringung von Sacheinlagen können GmbH-Gründer Geld sparen, Bildquelle: 1112145257/ shutterstock.com

Haftung bei der GmbH Gründung mit Sacheinlage        

Alle Angaben rund um das Thema Finanzierung der GmbH Gründung mit Sacheinlage müssen nach bestem Wissen und Gewissen gemacht werden. Sollte bewusst getäuscht werden und die Sacheinlage nicht dem angegebenen Wert entsprechen, müssen Gründer den Differenzbetrag in bar nach der GmbH Gründung mit Sacheinlage nachzahlen. Diese Haftungsverpflichtung verjährt erst nach zehn Jahren.

Vor- und Nachteile der GmbH Gründung mit Sacheinlage im Überblick

Zu den wichtigsten Vorteilen einer GmbH Gründung mit Sacheinlage gehört die Tatsache, dass durch die Möglichkeit zur Sacheinlage eine GmbH-Gründung auch dann möglich ist, wenn kein Stammkapital zur Höhe von 25.000 Euro im Rahmen der Gründung eingezahlt werden kann.

Zu den Nachteilen der GmbH Gründung mit Sacheinlage gehört, dass das Wertermittlungsverfahren aufwendig, kompliziert und sehr bürokratisch ist. Zudem müssen für die Eintragung in das Handelsregister mit höheren Gebühren gerechnet werden, wenn mindestens eine Sacheinlage gemacht wird.

Viele junge Existenzgründer kennen die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Sachgründung nicht und müssen sich daher vor der Unternehmensgründung professionelle Hilfe suchen. Die Beauftragung eines Rechtsanwalts hierfür kann noch einmal circa 2.000 Euro zusätzlich kosten. Die Ermittlung des Werts einer Sacheinlage muss von einem professionellen Gutachter vorgenommen werden. Auch die Beauftragung des Gutachters ist vom Existenzgründer zu zahlen.

Fazit     

Wenn Sie eine GmbH gründen möchten, jedoch nicht über das geforderte Stammkapital von mindestens 25.000 Euro verfügen, kann eine Sacheinlage eine optimale Alternative darstellen, damit Sie sich den Traum vom eigenen Unternehmen doch noch erfüllen können. Sie sollten jedoch beachten, dass eine Sachgründung generell mit einem hohen Aufwand und Zusatzgebühren verbunden ist. Unbedingt sollten Sie sich bei Unsicherheiten zu dieser Thematik professionell beraten lassen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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