Freischaffender Übersetzer: Tätigkeit mit Zukunft

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 19 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Die zunehmende Globalisierung und die damit einhergehende Ausweitung der Handelsbeziehungen sorgt für eine steigende Nachfrage nach Übersetzungen. Daher sind die Dienstleistungen freischaffender Übersetzer gefragter denn je.  

Übersetzer als Freiberufler: Statistisches

Laut Angaben des Statistischen Bundesamts üben in Deutschland insgesamt 40.000 Personen den Beruf des Übersetzers aus. Die Mehrzahl von ihnen (33.000 Personen) sind freiberuflich tätig. Zwei von drei freischaffenden Übersetzern sind weiblich. Weil die Berufsbezeichnung hierzulande rechtlich nicht geschützt ist, kann prinzipiell jeder ohne entsprechende Ausbildung die Sprachdienstleistungen anbieten. Eine wissenschaftliche Studie zum professionellen Übersetzermarkt, die die IHK in Kooperation mit der Freelance-Market International GmbH durchführte, wertete Interviews mit freischaffenden Übersetzern und ihren Auftraggebern aus. Darüber hinaus wurden Veröffentlichungen der Berufsverbände für Übersetzer als Datenbasis herangezogen.

Die Studie ergab, dass 7.000 Übersetzer im größten Berufsverband, dem BDÜ, organisiert sind. 1.200 Übersetzer mit dem Schwerpunkt Literaturübersetzungen waren 2011 in dem spezialisierten Berufsverband VDU Mitglied. Laut Auskunft der Landesjustizverwaltungen sind 20.000 freiberufliche Übersetzer und Dolmetscher auf juristische Texte spezialisiert.

Voraussetzungen für den Übersetzerberuf

Weil die Berufsbezeichnung Übersetzer in Deutschland nicht geschützt ist, kann sich jeder, der über sehr gut aktive und passive Sprachkenntnisse und eine Sprachbegabung verfügt, als Übersetzer bezeichnen. Daher finden sich unter den freischaffenden Übersetzern mitunter Personen, die eine zweisprachige Erziehung hatten und solche, die längere Zeit im Ausland gearbeitet haben. Die Mehrzahl der professionellen Übersetzer hat eine Ausbildung an einer Universität oder Fachakademie absolviert. Der Hochschulabschluss oder die staatliche Prüfung sind Pflicht, wenn der freischaffende Übersetzer seine Tätigkeit hauptberuflich ausübt. Neben exzellenten Fremdsprachenkenntnissen benötigt er

  • interkulturelle Kompetenz
  • profunde Kenntnisse in mindestens einem Fachgebiet
  • kommunikative Fähigkeiten

Während seiner Ausbildung lernt der angehende Übersetzer grundlegende Übersetzungstechniken kennen. Er wird zum Fachübersetzer geschult: Vertiefte Kenntnisse in einem oder zwei Fächern sind für seine spätere Spezialisierung beispielsweise zum juristischen Übersetzer oder Literaturübersetzer unabdingbar. Zu den weiteren Voraussetzungen des Berufs zählen landeskundliche Kenntnisse und solche im Bereich der Sprachdatenverarbeitung und Terminologiearbeit: Ein Übersetzer für Medizin muss imstande sein, das medizinische Fachvokabular in die andere Sprache zu transferieren. 

Freischaffender Übersetzer Tätigkeit mit Zukunft_TB

Als Übersetzer selbstständig machen, Bildquelle:: Selbststaendigkeit.de

Übersetzer beenden ihr Hochschulstudium mit den Abschlüssen Bachelor of Art (BA) oder Master of Art (MA). Der sich an den Bachelor anschließende Master-Abschluss erhöht ihre Chancen bei der Auftragssuche. Außerdem dürfen sie sich nach ihrer dreijährigen Ausbildung an einer staatlich anerkannten Fachakademie Übersetzer nennen. Eine Prüfung vor der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) berechtigt sie ebenfalls, sich als Staatlich geprüfter Übersetzer zu bezeichnen. Personen, die über entsprechende Fremdsprachen- und Fachkenntnisse verfügen sowie eine mindestens dreijährige Berufspraxis nachweisen können, dürfen sich ebenfalls zur staatlichen Prüfung anmelden. Professionelle Übersetzer erfüllen zusätzlich die Anforderungen an eine Beeidigung vor Gericht.

Als Prüfungsordnung gilt die Richtlinie zur Durchführung und Anerkennung von Prüfungen für Übersetzer, Dolmetscher und Gebärdensprachdolmetscher vom 12. März 2004. Die Einzelheiten werden durch ergänzende landesrechtliche Bestimmungen geregelt. Die Prüfung vor einer Industrie- und Handelskammer empfiehlt sich, wenn der zukünftige freischaffende Übersetzer im Bereich der Wirtschaft tätig werden möchte. Die schriftliche und mündliche Prüfung erfolgt in den Bereichen

  • Texte verfassen
  • schriftliches Übersetzen
  • mündliche Kommunikation

und impliziert wirtschaftsbezogene Inhalte, interkulturelle und landeskundliche Kenntnisse. Personen, die sich für eine staatlich anerkannte Weiterbildung zum Übersetzer interessieren, erhalten bei der zuständigen IHK Adressen zugelassener Anbieter und Informationen zur Zulassungsvoraussetzung. Maßgebend für die Übersetzerprüfung ist die Verordnung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 8. Mai 2017. Sie ist konkret an die besonderen Anforderungen angepasst, die freiberufliche Übersetzer zu erfüllen haben. Zu den Softskills, über die diese Berufsgruppe verfügen sollte, gehören Fähigkeit zur Selbstorganisation, Flexibilität, Kreativität, Organisationstalent und Belastungsfähigkeit.

Als freischaffender Übersetzer arbeiten

Staatlich geprüfte Übersetzer melden die selbstständige Tätigkeit bei ihrer zuständigen Steuerbehörde an. Diese ist in ihrem speziellen Fall gleichbedeutend mit einer freiberuflichen Tätigkeit und wird steuerrechtlich von der gewerblichen Selbstständigkeit abgegrenzt. Sie sind verpflichtet, die Übersetzungsleistungen in eigener Person zu erbringen: Eine Auftragsvergabe an Dritte ist nur in begründeten Einzelfällen zulässig. Freischaffende Übersetzer üben ihre Tätigkeit auf eigene Rechnung sowie mit Gewinnerzielungsabsicht aus. Um Aufträge zu erhalten, bieten sie ihre Sprachdienstleistungen öffentlich an (eigene Webseite, Anzeigenschaltung, Freelancer-Portale).

Bei Vorliegen der steuerlichen Freiberuflichkeit ist eine Gewerbeanmeldung nicht erforderlich. Freischaffende Übersetzer geben einmal im Jahr ihre Einkommenssteuererklärung ab, wobei die einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung genügt. Bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen können sie sogar die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Abs. 1 Satz 2 UStG in Anspruch nehmen. Dann entfallen der Vorsteuerabzug und der Umsatzsteuerausweis auf den ausgestellten Rechnungen. Weil freischaffende Übersetzer ihre Tätigkeit meist als Einzelunternehmung ausüben, haften sie mit ihrem geschäftlichen und privaten Vermögen.

Sich als Übersetzer selbstständig machen: Notwendige Vorüberlegungen

Hat sich der Übersetzer im Rahmen seiner Ausbildung auf ein Fachgebiet spezialisiert, empfiehlt es sich, die erworbenen Kenntnisse durch Fortbildungen stets aktuell zu halten. Eine derartige Fokussierung macht in Anbetracht der großen Konkurrenz auf dem Übersetzermarkt Sinn. Dennoch weichen die Fachrichtungen von Hochschulstudium und späterer Berufspraxis oft ab.

Beispiel: Während des Studiums belegen 43 % die Fachrichtung Technische Übersetzungen. In der Praxis zählen jedoch 76 % der Übersetzungen zu diesem Fachgebiet. Hauptkonkurrenten des freiberuflichen Übersetzers sind Übersetzungsbüros, weil diese aufgrund ihres größeren Auftragsvolumens niedrigere Preise anbieten können. Für die eigene Preisgestaltung gilt, dass für Übersetzungen in speziellen Fachgebieten und für schwierigere Texte höhere Honorare gefordert werden dürfen. Besonders gefragt sind muttersprachliche Übersetzer, weil man ihre Sprachkompetenz höher einschätzt.

Freischaffende Übersetzer rechnen ihre Dienstleistung pro Normseite mit 17,50 Euro oder pro Wort ab. Bei der Preisgestaltung können sie sich an den Vorgaben des Fachverbands für Übersetzer orientieren. Um eine hohe Qualität zu gewährleisten, arbeiten freiberufliche Übersetzer mit PC oder Laptop, Internetanschluss, moderner Übersetzungssoftware, Wörterbüchern und Fachwörterbüchern. Da sie im Homeoffice tätig sind, benötigen sie kein hohes Startkapital.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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