Unterschiedliche Anspruchsgruppen von Unternehmen
Jedes Unternehmen – egal wie klein oder groß es auch sein mag – ist von bestimmten Personen und Personenkreisen umgeben, die gewisse Erwartungen an das Unternehmen haben. Diese Erwartungen können dabei stark variieren: Gewinn und Umsatz fallen zumeist darunter, aber auch Expansion, Steigung der Mitarbeiteranzahl oder neue Produkte, die in kontinuierlichen Abständen auf den Markt gebracht werden, können im Sinne dieser Personenkreise sein.
Je nachdem, welche Position die Personen eines solchen Kreises haben, unterscheidet man zwischen einem Shareholder und einem Stakeholder. Grundlegend bedeuten sie dasselbe; jedoch machen sich bei genauerer Betrachtung einige Unterschiede bemerkbar, die zugleich eine Entscheidungshilfe darstellen, ob es sich bei einer bestimmten Person oder einer bestimmten Gruppe um einen Shareholder (einen teilweisen Eigentümer des Unternehmens) oder um einen Stakeholder (jemand, der Ansprüche hinsichtlich der Dienstleistung oder der Produkte des Unternehmens stellt) handelt.
Shareholder – der Anteilseigner
Vor allem bei börsennotierten Großunternehmen ist der Begriff des Shareholders geläufig. Gemeint sind damit in erster Linie Anteilseigner, also jemand, der – wenn auch nur prozentuell und anteilsmäßig – der oder einer der Eigentümer des Unternehmens ist. Dies kann ein Geschäftsführer, der Gründer oder auch ein Aktionär sein. Als Shareholder ist man vor allem am wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens, am Gewinn und am Umsatz interessiert. Außerdem genießen Shareholder den Luxus, gewisse Machtworte sprechen zu dürfen: Bei Aktionärsversammlungen sind sie in der Lage, in der allgemeinen Unternehmung mitzubestimmen, was vor allem Auswirkungen auf die einzelnen Positionen, die Art der Unternehmensführung und allfällige Entscheidungen hat.
Shareholder und Stakeholder: Die Anspruchsgruppen eines Unternehmens, Selbststaendigkeit.de
Stakeholder – der Einfluss
Auch Stakeholder haben ein berechtigtes Interesse an den Abläufen, Vorkommnissen und Entwicklungen im jeweiligen Unternehmen. Der Unterschied zum Shareholder liegt darin, dass der Stakeholder nicht zwingend Anteilseigner ist, dennoch ist er aber in bestimmte Entwicklungen und/oder Projekte involviert und hat berechtigtes Interesse daran, jeden Unternehmensschritt mitzuverfolgen. Dies gilt sowohl bei jungen Existenzgründungen als auch bei alteingesessenen Unternehmen. Ein weiterer Unterschied ist, dass Stakeholder gewissermaßen auch Ansprüche an das Unternehmen stellen. Dem zur Folge sind die wohl naheliegendsten Stakeholder die eigenen Mitarbeiter sowie die Kundschaft; egal ob es sich um Privat- oder Geschäftskundschaft handelt. Im weiteren Sinne sind auch Handelspartner, der Gesetzgeber, Institutionen wie Banken und Verbände, Öffentlichkeit und Politik als Stakeholder zu bezeichnen.
Durch ihr Verhalten beeinflussen Stakeholder gezwungenermaßen das weitere Verhalten des Unternehmens. Werden neue Gesetze erlassen, hat das Unternehmen sein Geschäft dahingehend anzupassen (zum Beispiel Rauchverbot). Informiert die Bank über neue Richtlinien, so muss das Unternehmen sich an diese halten, wenn es weiterhin Kunde bei der entsprechenden Bank bleiben will. Auf diese Weise ist das Unternehmen an seine Stakeholder gebunden.
Der Vergleich
Wie sich erkennen lässt gibt es zwischen Stakeholder und Shareholder nicht nur Parallelen sondern auch Unterschiede. Eine Gemeinsamkeit ist beispielsweise, dass grundsätzlich beide Gruppen direkt in Verbindung mit dem betroffenen Unternehmen stehen. Streng genommen ist also beides das Gleiche; denn schließlich kann der Kunde (Stakeholder) eines Unternehmens auch Unternehmensanteile besitzen (Anteilseigner = Shareholder). Da der Shareholder jedoch aus eigener Tasche investiert, ist dieser in erster Linie am finanziellen Erfolg des Unternehmens interessiert. Ein Stakeholder – gehen wir einmal nur von einem Kunden ohne Anteil aus – will von dem Unternehmen lediglich bedient werden: Produkte sollen verfügbar sein und er will sie erwerben, der schlussendliche Unternehmenserfolg ist für ihn jedoch weit weniger interessant als für einen Shareholder.
Die Webseite aktien.net beschreibt in Zusammenhang mit Stakeholder und Shareholder nicht nur die beiden Interessengruppen näher, sondern erklärt zudem, was es mit den so genannten Stakeholder- und Shareholderansätzen auf sich hat und was unter Shareholder Value zu verstehen ist. Für Geschäftsleute ist außerdem von Bedeutung, in welcher Verbindung Stakeholder und Shareholder zum Kapital und zum Markt stehen und wie einzelne Parameter sich untereinander beeinflussen lassen und ineinandergreifen.
Zusammengefasst
Stakeholder und Shareholder sind zwei bedeutsame Begriffe aus der Betriebswirtschaft, mit denen jeder entsprechend positionierte Mitarbeiter umgehen können muss. Sie sind einfach zu verstehen, doch haben sie äußerst umfangreiche Aufgaben, Rechte und Tätigkeitsfelder. Eine Selbstanalyse hilft oft bei der Definitionsfindung, ob man selbst denn nun eher als Stakeholder oder als Shareholder zu interpretieren ist. Wer seine Möglichkeiten und Chancen erhöhen möchte, der wählt in jedem Fall die Rolle des Shareholders; denn wer entsprechend gut in ein laufendes Unternehmen investiert, dem stehen innerhalb dieser Firma weitaus mehr Möglichkeiten, mehr Befugnisse und Entscheidungsfreiheiten zu. Natürlich birgt sich dahinter realistisch betrachtet auch ein entsprechendes Risiko; das Zielunternehmen seiner eigenen Investition will daher auch im Vorfeld bereits eine weise Überlegung sein.