Selbstständigkeit und fürs Alter vorsorgen!? So funktioniert‘s

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 9 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Finanzmodelle, um als Selbstständiger fürs Alter vorzusorgen, gibt es so einige. Eine Rentenabsicherung im gesetzlichen Rahmen sowie private Vorsorgeleistungen bilden die zwei Hauptkategorien, die grundsätzlich möglich sind. Hinzu kommen Ausnahmen und Sonderfälle. Der wichtigste Impuls aus all diesen Möglichkeiten ist dieser: Eine Altersvorsorge ist für Selbstständige ein wichtiger Baustein und nicht etwa ein unnötiger Luxus. Pauschale Empfehlungen kann es hingegen leider nicht geben. Stattdessen muss das Konzept der Altersvorsorge individuell ausgeklügelt sein. Welche Bausteine dabei möglich sind, darüber informiert dieser Ratgeber.  

Die private Rentenversicherung. Eine Option für jedermann?

Die private Rentenversicherung kann eine Option für Selbstständige sein, für das Alter vorzusorgen. Das private Pendant zur gesetzlichen Rente ist allerdings nicht nur für Selbstständige reserviert. Jede Person, die in Eigenregie für das Rentenalter vorsorgen will, kann dafür eine private Rentenversicherung abschließen.

Der Weg zur privaten Rentenversicherung ist einfach: Ähnlich wie bei einer Versicherung ist ein monatlicher Beitrag mit Blick auf die Vertragslaufzeit zu errechnen. Dieser Beitrag muss zur persönlichen finanziellen Lage passen und wird später die Höhe der Rentenzahlungen direkt bedingen. Daher ist es wichtig, sich rechtzeitig um die private Altersvorsorge zu kümmern. Für Privatpersonen ohne eigenes Gewerbe dient die private Rentenversicherung dazu, eine Lücke zu schließen: die Differenz zwischen Gehalt und gesetzlicher Rente. Für Selbstständige kann das zutreffen, wenn sie ebenfalls über die gesetzliche Rentenversicherung abgesichert sind. Es kann aber auch ihr einziges Einkommen im Rentenalter sein. Entsprechend hoch müssen die monatlichen Erträge aus der Rentenversicherung dann sein.  

Anbieter von privaten Rentenversicherungen unterscheiden in der Regel in klassische und fondsgebundene Rentenversicherungen. Der Unterschied besteht vor allem in der Art der Geldanlage. Die klassische private Rentenversicherung ist mit Blick auf die Rendite sicherer angelegt. Auch Riester-Zulagen, die gerne für die private Altersvorsorge genutzt werden, können hier einfließen. Beim Fondsmodell muss eine Kapitalgarantie Vertragsbestandteil sein. Erst dann ist die Versicherung riesterfähig.

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Das Arbeitsmodell eines Selbstständigen hat zwei Seiten: Zum einen bietet die Selbstständigkeit viele Freiheiten. Doch es gilt auch, in Eigenregie für die Zukunft vorzusorgen, Quelle: Selbststaendigkeit.de

Die gesetzliche Pflichtversicherung. Ein solides Grundmodell

Bestimmte Beschäftigungsgruppen sind per se in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Dazu zählen Handwerker, Lehrkräfte, Erzieher, Pflegekräfte, Hebammen, Seelotsen, Schiffer, Fischer, Künstler und Publizisten. Aus der Gruppe der Selbstständigen sind all jene rentenversicherungspflichtig, die einen Gründungszuschuss von der Agentur für Arbeit erhalten und, die im Rahmen ihrer Selbstständigkeit mehr verdienen als ein geringfügig Beschäftigter.

Die Versicherungspflicht sollte für einen Selbstständigen keine Bürde sein, sondern geht mit diesen Vorteilen einher:

  • Die gesetzliche Rentenversicherung bezahlt bei Erwerbsminderung sowie bei Gründen, die eine Rentenzahlung vor dem Rentenalter bedingen.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung kommt für Reha-Maßnahmen sowie Übergangsgelder auf, die in Folge einer Krankheit oder Behinderung zu bezahlen sind.
  • Die gesetzliche Rentenversicherung sorgt für einen zuverlässigen Renteneingang im Alter und dient daher gerne als Grundlage der Altersvorsorge.
  • Familienmitglieder erhalten auf diesem Weg eine Waisen- und Hinterbliebenenrente.

Laut der Deutschen Rentenversicherung beläuft sich der aktuelle Beitragssatz auf 18,6 Prozent (Stand: März/2018). Zudem gibt es Sonderkonditionen für Selbstständige, die gerade erst den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt haben. In den ersten drei Jahren bezahlen sie den halben Regelbeitrag: 283,19 Euro in den alten Bundesländern. 250,64 Euro in den neuen Bundesländern. Zum Vergleich: Der volle Regelbeitrag liegt bei 566,37 Euro in den alten Bundesländern und 501,27 Euro in den neuen Bundesländern. Abweichungen vom sogenannten Regelbeitrag sind möglich, wenn der Steuerbescheid ein niedrigeres Einkommen ausweist.

Einkommensabhängig ist der Beitrag unter anderem für Hausgewerbetreibende, Schiffer, Fischer und Seelotsen. Publizisten und Künstler haben die Möglichkeit, sich im Rahmen der Künstlersozialkasse (KSK) zu versichern und so nur die Hälfte der anfallenden Versicherungsbeiträge zu bezahlen. Die Leistungen, die die KSK im Gegenzug bietet, sind hingegen durchaus ansehnlich.

Vorsorge verpasst. Droht jetzt die Altersarmut?

Die Zahlen aus dem ARD-Format plusminus sind alarmierend: 2,3 Millionen Selbstständige haben die Ratschläge zur Absicherung offensichtlich in den Wind geschlagen. Ihnen fehlt eine Absicherung im Falle von Krankheit und Arbeitslosigkeit. Von einer adäquaten Altersvorsorge ist erst gar nicht die Rede. Sogar die Notwendigkeit von Hartz IV-Zahlungen steht in diesem Beitrag im Raum. Diese sind von all jenen im Alter zu beantragen, die nicht im Rahmen der gesetzlichen Versicherung abgesichert sind und die es verpasst haben, sich eine solide Altersvorsorge aufzubauen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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