PKV oder GKV für Selbstständige: So entscheiden Sie sich richtig

Verfasst von Dennis.Singh. Zuletzt aktualisiert am 13 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Der Weg in die Selbstständigkeit ist mit vielen Herausforderungen und Entscheidungen verbunden. Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang ist die Wahl der Krankenversicherung. Im Gegensatz zu Personen, die in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, können Selbstständige und Freiberufler selbst entscheiden, ob sie eine private Krankenversicherung (PKV) oder die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Anspruch nehmen. Doch wo liegen die Vor- und Nachteile und für wen ist welche Option die bessere Wahl? Im Folgenden ein Überblick.  

Generelle Überlegungen

Bei der Entscheidung für eine Krankenversicherung für Selbstständige gilt es, eine ganze Reihe von Aspekten einer genauen Betrachtung zu unterziehen. Unterschiede bestehen neben den Kosten vor allem im angebotenen Leistungsspektrum. Doch das sind nur zwei von mehreren Faktoren, die ausschlaggebend dafür sind, ob eine PKV oder eine GKV die richtige Wahl ist. Zunächst einmal sollte man sich folgender Dinge bewusst sein:

  • Die Beitragshöhe der GKV ist an die Höhe des Einkommens des Versicherten gekoppelt. Die privaten Krankenversicherer ziehen hingegen das Alter und den Gesundheitszustand für die Beitragsberechnung heran.
  • Gesetzliche Krankenkassen bieten ein mehr oder weniger einheitliches Leistungsspektrum an. Die Leistungen, die eine PKV übernimmt, sind stark vom jeweils gewählten Tarif ab.
  • Die gesetzliche Krankenversicherung ist in der Regel die bessere Wahl für Personen, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind oder Kinder und Ehepartner kostenfrei mitversichern möchten.
  • Eine private Krankenversicherung ist vor allem für Personen interessant, die noch jung sind, keine große Familie planen und besonderen Wert auf zusätzliche Leistungen legen.

Wie unterscheiden sich die Tarife bei einer PKV?

Es gibt bei der PKV viele Tarife, jedoch sind nicht alle Leistungen entscheidend. Die Leistungen sollten auf den persönlichen Bedarf und Anspruch abgestimmt werden. Welche Leistungen sinnvoll sind und welche nicht, hängt vor allem von den individuellen Umständen ab.

In den meisten Fällen bieten PKV verschiedene Tarife an, zu denen einzelne Zusatzleistungen bzw. Leistungserweiterungen hinzu-gebucht werden können. Die im Vertrag festgehaltenen Leistungen bleiben für die gesamte Vertragsdauer bestehen, die PKV kann keine Leistungen kürzen. Was allerdings nicht vertraglich festgehalten ist, wird im Schadensfall auch nicht übernommen. Zur Auswahl stehen mindestens folgende Leistungserweiterungen:

  • Beitragsrückerstattung
    Mit dieser Zusatzleistung können bis zu drei Monatsbeiträge als Rückerstattung erhalten werden. Ob sich das tatsächlich lohnt, sollte jedoch vorab durchgerechnet werden.
  • Chefarzt
    Eine freie Arzt- und Krankenhauswahl sollte in jedem Fall vertraglich festgelegt werden. Eine Chefarztbehandlung hört sich zwar gut an, muss aber nicht immer vorteilhaft sein.
  • Einzelbettzimmer
    Ob man bei einem stationären Aufenthalt ein Einzelbettzimmer benötigt, muss jeder selbst entscheiden. Allerdings sollte man mindestens ein Zweibettzimmer wählen, um im Zweifel nicht in ein Mehrbettzimmer verlegt zu werden.
  • Heilpraktiker
    Wer nicht nur Schulmediziner aufsucht, sondern sich auch alternative Heilmethoden vorstellen kann, sollte darüber nachdenken, diese Option vertraglich festzuhalten.
  • Krankentagegeld
    Insbesondere für Selbstständige ist das Krankentagegeld eine wichtige Zusatzleistung. Allgemein empfiehlt es sich, mindestens sechs Wochen Ersatzzahlungen und eine Zahlung von 70 Prozent des Nettoarbeitsentgelts zu wählen.
  • Sehhilfen
    Wer auf eine Sehhilfe angewiesen ist, kann von entsprechenden Zusatzleistungen stark profitieren. Es ist sinnvoll, eine Kostenübernahme von etwa 75 Prozent zu vereinbaren.
  • Vorsorgeuntersuchungen
    Um Erkrankungen möglichst frühzeitig zu entdecken, ist eine Kostenübernahme für Vorsorgeuntersuchungen sehr zu empfehlen.
  • Zahnersatz
    Allgemein ist es ratsam, eine Kostenübernahme von 65 Prozent für Zahnersatz und Implantate zu wählen. Routine Zahnarztbehandlungen sollten stets zu mindestens 80 Prozent von der PKV übernommen werden.

Je mehr Zusatzleistungen gewählt werden, desto höher fällt dementsprechend der Versicherungsbeitrag aus. Daher sollte man bei der Ausgestaltung der Leistungen darauf achten, welche Leistungen wirklich gewünscht sind und welche nicht benötigt werden.

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PKV oder GKV für Selbstständige: So entscheiden Sie sich richtig. Bildquelle: Depositphotos.com

Welche privaten Krankenkassen bieten gute Leistungen?

Allein in Deutschland gibt es mehr als 40 private Krankenversicherer, die sich in verschiedenen Bereichen mitunter recht stark voneinander unterscheiden. Um einen Anbieter zu finden, der am besten zu den individuellen Umständen passt, ist es ratsam, die einzelnen Anbieter untereinander zu vergleichen und dabei folgende Fragen im Hinterkopf zu behalten:

  • Welche speziellen Wahltarife stehen zur Verfügung?
  • Wie hoch ist der Zusatzbeitragssatz?
  • Wie sieht es in Bezug auf Service und Beratung aus? (Reicht eine Online- bzw. Telefon-Beratung aus oder ist eine Beratung vor Ort erwünscht?)
  • Welche Zusatzleistungen werden angeboten?
  • Was ist im Falle einer Kündigung zu beachten?

Das Internet bietet mit sogenannten Vergleichsrechnern eine einfache Möglichkeit, die Leistungen der unterschiedlichen PKV miteinander zu vergleichen.

Kostenkalkulation: PKV vs. GKV

Um tatsächlich herauszufinden, ob eine PKV oder eine GKV die bessere Wahl ist, kommt man nicht um eine individuelle Kalkulation der Kosten herum. Während der Beitrag bei gesetzlichen Krankenversicherungen stets an einen prozentualen Anteil der beitragspflichtigen Einnahmen gekoppelt ist (derzeit 14,6 Prozent), spielen bei der PKV das Eintrittsalter des Versicherungsnehmers, der Gesundheitszustand und etwaige Vorerkrankungen sowie die gewählten Zusatzleistungen, die über den Basistarif hinausgehen, eine Rolle.

Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch der gewählte Selbsterhalt, wie Tim Bökemeier von der PKV-Welt.de schreibt. In der Regel wird dieser bei 0 Euro, 500 Euro oder 1000 Euro angesetzt und meint den Betrag, den der Versicherte in Eigenleistung erbringt. Erst wenn der gewählte Selbsterhalt überschritten wird, übernimmt der Versicherer die Kosten.

Fazit

Es lohnt sich, Kosten und Nutzen von GKV und PKV abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen, die gründlich überlegt wurde. Einmal in der privaten Krankenversicherung ist es mitunter nicht einfach, wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln.

Die zusätzlichen Leistungen und die Vorzüge einer PKV sind allerdings nicht zu unterschätzen, vor allem Selbstständige mit hohem Einkommen können von den vergleichsweise niedrigen Beiträgen im Gegensatz zur GKV profitieren. Auch junge Menschen können von einer PKV profitieren, wenn sie einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen und keine Risikozuschläge für Vorerkrankungen zahlen müssen. Allgemein sollte man eine PKV möglichst früh abschließen, ab einem Alter von etwa 45 Jahren wird es zunehmend unattraktiver von der GKV zur PKV zu wechseln.


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