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Felix Haupt erläutert die Unterschiede zwischen Chartanalyse und Fundamentalanalyse – Börsenwissen kompakt

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 9 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Aktien bieten Anlegern lukrative Renditemöglichkeiten in Form von Kursgewinnen und Dividenden, gehen aber auch mit Risiken einher. So können etwa schwächelnde Märkte, Unternehmensinsolvenzen, aber auch politische und gesellschaftliche Veränderungen zu Wertverlusten führen. Deshalb stellt sich für Anleger die schwierige Frage, in welche Aktien sie investieren sollten. Mit Methoden wie der Fundamental- und der Chartanalyse versuchen Analysten, Antworten darauf zu geben. Börsenexperte Felix Haupt von der BeJoCo Finanzinformationen GmbH erklärt, wie die Verfahren funktionieren und wodurch sie sich unterscheiden.  

Der Hauptzweck – Erleichterung von Investitionsentscheidungen durch Kursprognosen

Sowohl die Fundamental- als auch die Chartanalyse sollen begründete Vorhersagen treffen, wie sich Börsenkurse in Zukunft entwickeln werden. Dadurch soll Anlegern einerseits die Auswahl der passenden Aktien, andererseits aber auch des passenden Kauf- bzw. Verkaufszeitpunkts erleichtert werden. Die Verfahren unterscheiden sich dabei im Wesentlichen durch die Daten, auf die sie ihre Vorhersagen stützen.

Welche Form der Analyse zu größerem Erfolg führt, ist unter Experten umstritten. Auch gibt es lediglich Indizien dafür, dass die fundamentale und die technische Analyse Hinweise auf die tatsächliche künftige Entwicklung von Kursen geben. Gewissheit gibt es diesbezüglich nicht. Grundsätzlich kann eine breite Datenbasis aber dabei helfen, die aktuelle Situation von Unternehmen und ihren Werten besser einzuschätzen und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen. Deshalb lohnt es sich für Investoren, sich mit beiden Verfahren zu beschäftigen.

Tipp: Unterstützung bei Anlageentscheidungen können auch Orientierungshilfen wie das Felix-Haupt-Musterdepot bieten.

So funktioniert die Fundamentalanalyse

Um den tatsächlichen inneren Wert einer Aktie unabhängig vom aktuellen Marktgeschehen zu ermitteln, muss man zunächst den Wert der gesamten Aktiengesellschaft errechnen und diesen durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien dividieren. So erkennt man, ob die Aktie in Relation zum aktuellen Kursverlauf über- oder unterbewertet ist und ob sich ein Kauf bzw. Verkauf lohnt. Bei der Wertermittlung muss eine Vielzahl von Faktoren auf betriebswirtschaftlicher, mikro- und makroökonomischer Ebene berücksichtigt werden.

1. Betriebswirtschaftliche Ebene

Auf betriebswirtschaftlicher Ebene sieht man sich an, wie sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Daran anschließend wirft man einen Blick auf Zukunftschancen. Gibt es beispielsweise Investitionen in neue Märkte oder neue Partnerschaften? Und wie sieht es mit den Produkten aus? Haben sie besondere Alleinstellungsmerkmale? Sind bereits Nachfolger für langsam auslaufende Cash Cows geplant? Nicht vergessen werden dürfen auch die Kompetenz des Managements und der Wert der Marke an sich.

Einen guten Gesamtüberblick bieten weiterhin folgende Kennzahlen:

  • Eigenkapitalquote
  • Liquiditätsgrad (Vgl. auch Liquiditätsplan)
  • Deckungsgrad
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis
  • Dividendenrendite
  • Eigenkapitalrendite
  • Total Return
  • Ausschüttungsquote

2. Volkswirtschaftliche Ebene

Um die Zukunftsaussichten eines Unternehmens einschätzen zu können, muss man sowohl einen Blick auf sein unmittelbares Marktumfeld als auch auf makroökonomische Zusammenhänge werfen. Hierbei spielen unter anderem folgende Aspekte eine Rolle.

  • Konjunkturelle Situation
  • Auftragseingänge und Kapazitätsauslastung der Unternehmen
  • Geldmenge und Zinsen
  • Investitionen
  • Arbeitsmarktsituation
  • Wechselkurse
  • Außenhandel
  • Preisniveau
  • Güternachfrage
Felix Haupt erläutert die Unterschiede zwischen Chartanalyse und Fundamentalanalyse_TB2

Felix Haupt erläutert die Unterschiede zwischen Chartanalyse und Fundamentalanalyse. Bildquelle: Depositphotos.com

Die benötigten Informationen sind im Normalfall frei zugänglich. So finden Sie etwa Angaben zum Ertrags- und Substanzwert im Geschäftsbericht der jeweiligen Unternehmen und volkswirtschaftliche Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt, In- und Output, Vermögenswerte und Kapitalbilanz in den Erhebungen des Statistischen Bundesamtes.

Kritik an der Fundamentalanalyse:

Ein wesentlicher Kritikpunkt an der Fundamentalanalyse besteht darin, dass die Bewertungen sich überwiegend auf die Vergangenheit und nicht auf die Zukunft beziehen. Kaum beachtet werden außerdem Eigendynamiken an den Börsen. So kann es zum Beispiel passieren, dass durch Herdenverhalten starke Titel nach unten und schwache Titel nach oben gezogen werden, obwohl die Substanzwerte eine andere Entwicklung nahelegen.

Weitere Kritikpunkte bestehen darin, dass sich Faktoren wie die Qualität des Managements nicht quantifizieren lassen, dass die Fundamentalanalyse sehr zeitaufwendig ist, dass psychologische Vorgänge weitgehend ausgeklammert werden und dass schnell kaum überschaubare Datenmengen entstehen.

Die Besonderheiten der Chartanalyse

Bei der Chartanalyse geht man einen anderen Weg. Hier ist man der Auffassung, dass alle für den künftigen Kursverlauf relevanten Informationen dem Kursverlauf der Vergangenheit entnommen werden können. Betriebs- und Volkswirtschaftliche Faktoren werden dabei nicht berücksichtigt. Als Begründer der Chartanalyse gilt Charles Dow, auf den auch der Dow-Jones-Index zurückgeht. Als Mitherausgeber des Wall Street Journals schrieb er bereits 1884 über Trends an Aktienmärkten. Diese Artikel bildeten gesammelt später die Grundlage der Chartanalyse.

Als ein wesentlicher Vorteil des Verfahrens wird betrachtet, dass psychologisches Verhalten einkalkuliert wird. Schließlich habe sich irrationales Verhalten in der Vergangenheit bereits in den Kursen niedergeschlagen. Führt man diese Entwicklungen also in die Zukunft fort, so die Auffassung von Chartanalysten, könne man auch künftige irrationale Entwicklungen vorhersehen.

Funktionsweise:

Charts umfassen Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreszeiten und bilden den Verlauf einzelner Aktien oder kompletter Indexverläufe ab. Auf der Horizontalen zeichnet der Charttechniker dabei die Zeitachse und auf der Vertikalen die Aktienkurse ein. Die daraus entstehende Linien bildet Verläufe, Zacken und Einschläge, aus denen mittels verschiedenster Analyseverfahren Erkenntnisse abgeleitet werden. Dazu zählen unter anderem die folgenden.

  • Klassische Chartanalyse
  • Formationsanalyse
  • Closing-Gap-Analyse
  • Analyse mittels Fibonacci-Zahlen
  • Oszillatoren
  • Intermarket-Analyse
  • Elliots-Wave-Theorie
Felix Haupt erläutert die Unterschiede zwischen Chartanalyse und Fundamentalanalyse_TB3

Mit Methoden wie der Fundamental- und der Chartanalyse versuchen Analysten, Antworten darauf zu geben, in welche Aktien Sie investieren sollten. Bildquelle: Depositphotos.com

Man erkennt bereits an dieser kurzen Auswahl, dass es verschiedenste Möglichkeiten gibt, mit Charts zu arbeiten. Allen gemein ist, dass man aus wiederkehrenden Mustern Trends für die Zukunft ableitet. Extreme Ausschläge dienen dabei als Ankerpunkte für verschiedene Arten von Linien. Am wichtigsten sind Unterstützungs- und Widerstandslinien.

Unterstützungslinien sind Verbindungen zwischen zwei oder mehr Tiefpunkten. Daran kann man zum Beispiel ablesen, welche Kursstürze normal sind. Nähert sich ein Kurs der Unterstützungslinie, gilt dies bei Analysten als Kaufsignal. Wird die Unterstützungslinie hingegen durchbrochen, gelten weitere Verluste als wahrscheinlich und man sollte die Aktie verkaufen.

Widerstandslinien geben an, wann Aufwärtsbewegungen in der Vergangenheit gestoppt wurden. Sie verbinden mehrere Kurshochpunkte miteinander. Wenn sich die Linie der Widerstandslinie nähert, sollte man verkaufen, da ein Umschwung zu erwarten ist. Weitere bekannte Muster sind W-, M- und Schulter-Kopf-Formationen.

Kritikpunkte:

Oft treffen Vorhersagen nur deshalb zu, weil sich viele Marktteilnehmer daran orientieren und das vorhergesagte Ereignis im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung selbst auslösen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die geometrischen Muster der Chartanalyse erst dann wirklich augenfällig werden, wenn sie schon fast wieder vorbei sind. Dann kann man allerdings als Anleger nicht mehr davon profitieren. Oft ist auch die eingeschränkte Übertragbarkeit ein Problem. In vielen Fällen lassen sich die Chartanalysen nicht uneingeschränkt auf die Aktien anwenden, die man selbst im Portfolio hält.

Um die Kritikpunkte auszugleichen, entwickelte man die Charttechnik mit der Zeit zur markttechnischen Analyse weiter. Dabei geht es vor allem darum, dass Verhalten der Marktteilnehmer noch transparenter zu machen. So bezieht man etwa auch Aspekte wie den Umsatzverlauf, die Kursvolatilität und die Gesamtstimmung an den Märkten mit ein.

Das Fazit von Felix Haupt – Welche Methode ist die bessere?

Weder bei der fundamentalen noch bei der charttechnischen Analyse gibt es gesicherte Belege dafür, dass sie künftige Entwicklungen zuverlässig vorhersagen. Dennoch können die dabei erhobenen Daten eine gewisse Entscheidungshilfe bei der Auswahl von Aktien bieten. Wer sich also im Vorfeld einer Anlageentscheidung umfassend über ein Unternehmen und seine Marktsituation informieren will, kann durchaus auch auf die Erkenntnisse von Fundamental- und Chartanalyse zurückgreifen. Man sollte sich aber nicht allein darauf verlassen und sich für den Verlustfall ausreichend absichern.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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