Als Trader selbstständig machen? Darauf sollten Sie achten

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 12 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Trader sind Händler, die am Computer Börsengeschäfte betreiben. Mit ein paar Clicks bewegen sie ganze Finanzmärkte, streichen hohe Gewinne ein und widmen sich anschließend ihren Vorlieben in der Freizeit. Die Öffentlichkeit nimmt Trader entweder als Zocker oder als ernsthafte Vermögensverwalter wahr. Auf Fachmessen erscheinen sie eher unauffällig; sie sind überwiegend männliche Besucher. Viele von ihnen sind, ohne große Vorüberlegungen anzustellen, ins Trading "hineingesprungen", nachdem sie im Homeoffice mit Aktien gedealt hatten. Wenn auch Sie mit dem Gedanken spielen, sich als Trader selbstständig zu machen, dann werden Ihnen die folgenden 9 Tipps mit Sicherheit behilflich sein.  

Trader als Beruf

Trader betreiben den Handel mit Finanzprodukten an den unterschiedlichen Finanzmärkten. Der Devisenhandel ist ein markanter Handelszweig, weil er mit wenig Einsatz an Kapital hohe Gewinne verspricht. Unterschieden werden Retail Trader und Institutional Trader.

Retail Trader sind überwiegend Privatpersonen, die auf eigene Rechnung tätig werden. Institutional Trader sind Banken, Fonds oder Versicherungen, die ihre Finanzinformationen zu einem professionellen Trading nutzen und damit viele Vorteile gegenüber den Retail Tradern ausspielen können.

In Deutschland ist die Szene der Trader eher klein, befindet sich aber im Aufwind, seitdem amerikanische Trader den deutschen Finanzmarkt als lukrativ entdeckt haben. Die deutschen Trader sind überwiegend nebenberuflich tätig. Doch gibt es auch Trader in Vollzeit, die sich mit ihrem Hobby als Trader selbstständig gemacht haben.

1. Tipp: Persönliche Eignung prüfen

Ein Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, muss vorab seine persönliche Eignung prüfen. Zwar gehören Disziplin und Ernsthaftigkeit zur Persönlichkeit eines Traders wie zu der Persönlichkeit eines jeden anderen Selbstständigen auch; aber er benötigt die Fähigkeit, mit einer besonderen Art von Unsicherheiten umzugehen. Obwohl das Trading von außen betrachtet ein leicht zu durchschauender Handel zu sein scheint, liegt die Erfolgsquote der Aktionen nur bei 40 Prozent. Viele Trades sind im Grunde Mistrades, weil sie auf Zufälligkeiten und nicht auf dem Können der Trader beruhen. Wenn auch der Trader die persönliche Erfolgsquote steigern kann, sind Mistrades Teil seines Tagesgeschäftes. Die Gefahr des unbedachten Ausstiegs ist also groß. Zwar ist der Umgang mit Unsicherheiten erlernbar; aber die Fähigkeit, Unsicherheiten einschätzen und bewältigen zu können, gehört zur Eignung für den Beruf eines Traders. Sie zu prüfen, ist die Pflicht eines jeden Existenzgründers, der sich als Trader selbstständig machen will.

2. Tipp: Eigenkapitalbasis sichern

Ein Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, muss seine Eigenkapitalbasis sichern. Das gilt zwar für jeden anderen Existenzgründer auch, hat aber beim Trading eine besondere Relevanz. Sie hängt vom Wissen, dem Können und von den Erfahrungen des Traders ab. Das Ziel jeder Aktion ist es, die Überschüsse aus dem Trading zu nehmen, um sie zur Deckung der laufenden Kosten und zum Aufbau von Reserven zu verwenden. Die Reserven dürfen nicht in den aktuellen Handel zurückgeführt werden.

3. Tipp: Steuerliche Fragen klären

Wenn sich ein Existenzgründer als Trader selbstständig machen will, sollte er verschiedene steuerliche Fragen vorab klären. Er kann nämlich als Freiberufler und nicht als Gewerbetreibender eingestuft werden, sofern er eine private Vermögensverwaltung betreibt. Ein Steuerberater ist für die Beantwortung dieser Frage hinzuziehen.

4. Tipp: Erfahrungen sammeln

Wenn die Berechnung der Eigenkapitalbasis vom Wissen, Können und Erfahrungsschatz des Traders abhängt, sollte der Existenzgründer für eine Grundlage sorgen, bevor er sich als Trader selbstständig macht. Banken bieten kostenlose Demokonten und Musterdepots an, auf denen Erfahrungen für das Trading gesammelt werden können. Der künftige Trader kann so ohne Kosten lernen, Risiken einzuschätzen und die Hebelwirkungen des Börsenhandels zu verstehen, bevor er mit eigenem Geld schmerzliche Erkenntnisse gewinnt.

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Als Trader selbstständig machen? Darauf sollten Sie achten, selbststaendigkeit.de

5. Tipp: Businessplan ausarbeiten

Ein Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, benötigt einen Businessplan, auch wenn er ihn nicht für eine Kreditvergabe vorlegen muss. Der Businessplan hat ein Rechenmodell für die Erfolgsaussichten des Tradings zu enthalten. Zudem ist eine Alternative zu beschreiben, wenn die Ziele des Handels nicht erreicht werden können. Der Businessplan dient also nicht nur der Umsetzung einer Geschäftsidee in die wirtschaftliche Praxis. Er zwingt den Existenzgründer zur Vorsorge gegen Mistrading; denn Mistrading wird unweigerlich Teil seines Tagesgeschäftes werden. Darauf muss der Existenzgründer vorbereitet sein, will er nicht bereits im ersten Jahr seiner Selbstständigkeit als Trader scheitern.

6. Tipp: Tradingplan anlegen

Der Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, benötigt einen Tradingplan. Er muss zu folgenden Fragen Stellung nehmen:

  • Wie lauten die Ziele des Tradings?
  • In welchen Intervallen wird getradet?
  • Wie werden die Verluste durch Stopp-Loss-Orders begrenzt?
  • Welche Gewinne sind maximal erzielbar?

Die Beantwortung dieser Fragen muss zum ständigen Prozess werden, damit aus dem Tradingplan ein dynamisches Arbeitsmittel wird. Mit soliden Kenntnissen der Charttechnik kann der Existenzgründer und spätere Trader aus dem Tradingplan ein eigenes Chancen-Risiko-Profil für seine künftigen Trades entwickeln.

7. Tipp: Trading Journal führen

Der Trader sollte ein Trading Journal führen. Es ist ein Tagebuch seiner Tradings, das handschriftlich oder elektronisch aufgezeichnet wird. In Verbindung mit dem Tradingplan ist es eine gute Grundlage für die Analyse der getätigten Trades. Es ermöglicht dem Trader, Selbstkontrolle über das eigene Handeln auszuüben und zu gewinnen, sowie Fehler zu erkennen, und im Ergebnis, Gewinne zu maximieren. Deshalb sollte jeder Trader feste Termine zur Analyse von Trading Journal und Trading Plan einplanen.

8. Tipp: Rentabilitätsvorschau aufzeichnen

Ein Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, benötigt eine Rentabilitätsvorschau, weil seine Einkünfte besonderen Schwankungen ausgesetzt sind. Die schwankungsbedingten Differenzen müssen mit dem Tradingplan abgeglichen und in der Rentabilitätsvorschau berücksichtigt werden, damit ein verlässliches Bild über die wirtschaftliche Entwicklung aufgezeichnet werden kann.

9. Tipp: Blog einrichten

Das Wichtigste im Trading sind die Erfahrungen, wie schon Altmeister André Kostolany wusste. Deshalb sollte der Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, einen Blog einrichten, auf dem Gleichgesinnte ihre Erfahrungen austauschen können.

Fazit

Ein Existenzgründer, der sich als Trader selbstständig machen will, geht eine besondere Art der Selbstständigkeit ein. Deshalb muss er zunächst allen Anforderungen genügen, die an eine Firmengründung zu stellen sind. Sodann sollte er einen Tradingplan aufzustellen und ein Trading Journal führen sowie die genannten 9 Tipps beherzigen, damit er die erforderlichen Erfahrungen in eine Gewinnmaximierung umsetzen kann.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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