Schwarze Schafe unter Gründungscoaches – So erkennt und umgeht man sie

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 26 Februar, 2024
Lesezeit Minuten.
Existenzgründerberatungen sind wichtig. Ein Unternehmensstart erfordert mehr als eine gute Idee. Es gibt je nach Business Vorschriften, die einzuhalten und Genehmigungen, die einzuholen sind. Um auf der sicheren Seite zu sein, wenden sich Gründer an Coaches, die versprechen, die Gründung zu unterstützen. Doch sind alle Gründungscoaches vertrauenswürdig?  

Unternehmensberater ist kein geschützter Begriff

Jemand der einen Geschäftsinhaber dahingehend berät, ob er grüne Gardinen oder blaue Rollos an den Fenstern anbringen soll, kann sich theoretisch schon Unternehmensberater nennen. Der Begriff ist nicht geschützt und es gibt keine Vorschriften für die berufliche Qualifikation, die ein Unternehmensberater vorweisen muss. Allerdings haben sich verschiedene zertifizierte Fortbildungen am Markt etabliert, die Gründercoaches das nötige Fachwissen vermitteln und die sozialen Kompetenzen stärken, die für eine erfolgreiche Gründerbegleitung wichtig sind.

Viele Gründungscoaches arbeiten bei Bildungsträgern als freie Dozenten und geben dort Existenzgründerseminare. Da diese Kurse in der Regel förderfähig sind, unterliegen sie einem Zertifizierungsverfahren, das die fachliche Qualifikation der Dozenten überprüft. Dies ist bereits ein erster Hinweis darauf, dass die fachliche Kompetenz vorhanden und bei öffentlichen Stellen nachgewiesen ist. Ob die Kommunikation auf einer Wellenlänge stattfindet, was bei einer Unternehmensgründung vielen auch sehr wichtig ist, ist schnell festzustellen, wenn ein individuelles Beratungsgespräch vereinbart wird. Das Erstgespräch wird von seriösen Gründungscoaches üblicherweise kostenfrei angeboten.

Was weist auf einen guten Gründungscoach hin?

Neben dem kostenlosen Erstgespräch, bieten einige Coaches eine Geldzurück-Garantie an. Dies würde ein Coach, der regelmäßig seine Einnahmen wieder hergeben muss, nicht tun. Es ist daher anzunehmen, dass seine Kunden mit seiner Unterstützung zufrieden waren.

Seriöse Coaches haben kein Problem damit, ihre Qualifikationen offen zu legen und sich in Beraternetzwerken zu registrieren. Ein beruflicher Background mit Schwerpunkten in Betriebswirtschaft, Steuern oder Recht spricht für Fachkompetenz in den jeweiligen Fachbereichen. Manchmal arbeiten auch Versicherungsagenten als Unternehmensberater. Hier gilt es darauf zu achten, dass dieser nicht nur seine Versicherungen verkaufen will. Es gibt durchaus kompetente Gründercoaches, die aus dieser Branche kommen.

Zudem firmieren sie unter einer seriösen Adresse und haben professionelle Geschäftsräume mit der üblichen Büroausstattung. Es ist in der heutigen Zeit kein Problem, voll ausgestattete Büros oder Praxisräume stundenweise anzumieten. Bei Büroräumen im eigenen Haus, sollten die Kunden nicht durch Privaträume geführt werden müssen, um ihren Termin wahrnehmen zu können.

Die Darstellung im Internet kann natürlich trügerisch sein, denn leider neigen die unseriösen Anbieter eher zu professionellen Webseiten als manch ein guter Coach. Doch wer einen Gründer beraten will, sollte selbst mit einer Domain aufwarten, in der kein Anbieter von kostenfreien Webseiten vor der Domainendung steht. Die Kontaktdaten sollten mit einer Festnetznummer und einer Mailadresse versehen sein, die auf die Domain hinweist. Freemailadressen wirken unprofessionell. Auch die ausschließliche Angabe von Handynummern schreckt viele Interessenten ab.

Auch die Gestaltung der Webseite lässt darauf schließen, ob ein Coach empfehlenswert ist oder nicht. Impressum und Kontaktdaten müssen leicht zu finden sein. Kundenbewertungen sollten im Internet nachvollzogen werden können. Hier ist ein wenig Eigenrecherche gefragt.

Geben Gründungscoaches Referenzen an, könnten diese zu den Erfahrungen mit dem Coach befragt werden.

Profile auf Xing und LinkedIn können darauf hinweisen, wie lange der Anbieter bereits Erfahrungen als Gründercoach hat. Hier ist vor allem Vorsicht geboten, wenn der Coach selbst einen sehr wechselhaften Lebenslauf angegeben hat und erst kurz als Coach arbeitet.

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Schwarze Schafe unter Gründungscoaches – So erkennt und umgeht man sie, Bildquelle: Depositphotos.com

Austausch mit Startups und anderen Gründern

Unternehmen die sich erst kürzlich am Markt etabliert haben, hatten in der Regel einen Gründungscoach. Hier kann beispielsweise nach einer Empfehlung für einen Coach gefragt werden.

Viele Gewerbevereine und Unternehmensverbände veranstalten Gründertreffen oder sind bereit, Gründungswillige zu informieren und zu beraten. Dort sind schwarze Schafe in der Regel schon bekannt und es wird vor ihnen gewarnt.

Natürlich gibt niemand gern zu, einem unseriösen Berater auf den Leim gegangen zu sein, doch es hilft anderen Gründern, offen mit kritischen Kontakten umzugehen.

Je spezieller eine Geschäftsidee ist, desto individueller muss das Gründercoaching aussehen. Das sollte ebenfalls bei der Wahl und der Befragung anderer eine Rolle spielen. Es ist ein Unterschied, ob jemand ein Bistro oder eine Softwareschmiede eröffnen möchte.

Preis und Leistung prüfen

Unternehmensberatung kann gefördert werden. Davon sollten Gründer sich aber nicht blenden lassen, denn ob eine Förderung bewilligt wird, entscheidet nicht der Gründungscoach. Daher sollte der Existenzgründer sein eigenes mögliches Budget beim Preisvergleich immer im Auge behalten.

Das Beratungsangebot sollte individuell zusammenstellbar sein. Jeder hat andere Voraussetzungen und bringt bereits Kenntnisse mit. Es sollte nicht dafür bezahlt werden müssen, dass diese in der Beratung enthalten sind. Der Preis muss zu jederzeit transparent und nachvollziehbar sein. Leistungsangebote im Detail zu erfragen, kann vor bösen Überraschungen schützen.

Wer kennt ihn nicht, den Spruch, wenn Vergleiche hinken, dass Äpfel und Birnen nicht miteinander vergleichbar wären? Beides ist Obst und doch sehr unterschiedlich. So kann es auch mit Coaches sein. Viele Coaches, die sich auch in der Gründerberatung sehen, sind auf die Persönlichkeit des Gründers orientiert, beraten in Imagefragen, spirituell oder in Anlehnung an verhaltenstherapeutische Ansätze. Wer Hilfe beim Businessplan sucht oder wissen möchte, wie er sich selbst sozial absichern kann, wird hier unter Umständen nicht die Angebote bekommen, die er sich wünscht. Um von vornherein einschätzen zu können, ob der Gründungscoach passt, ist eine gute Vorbereitung auf das Erstgespräch erforderlich. Mit einem Fragenkatalog kann abgeklopft werden, ob der Gründercoach das Fachwissen mitbringt. Eine stundenweise Abrechnung des Coachings ermöglicht auch den Einsatz mehrerer Berater für die unterschiedlichen Schwerpunkte.

Fazit

Es ist nicht leicht, einen geeigneten Gründungscoach zu finden. Wichtig ist, dass Vertrauen gefasst werden kann und ein offener Austausch möglich ist. Angebote die mit hohen Zusatzkosten verbunden sind (Software, Begleitung der Gründung mit verschiedenen Dienstleistungen usw.) sollten immer hinterfragt werden. Ein guter Gründercoach greift die Idee auf und weist auf Schwachstellen hin. Er versucht nicht, den Gründer zu beeinflussen oder sich einzumischen. Kann der Gründungscoach nicht vertreten, einen Gründer in seiner Idee zu bestärken, so schlägt er eher das Ende des Coachings vor, als sich zu bereichern.

Einige Beratungskonzepte sind überregional präsent. Je größer ein Beraternetzwerk ist, desto eher besteht die Möglichkeit die Gründerberatung bezuschussen zu lassen. Besonders wer sich aus einer Arbeitslosigkeit heraus selbstständig machen will oder durch die Selbstständigkeit die Gefahr von Arbeitslosigkeit abwenden kann, profitiert von entsprechenden Hilfen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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