Migranten gründen häufiger Unternehmen

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 13 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Laut einer aktuellen Studie gründen Menschen, die über ausländische Wurzeln verfügen, in Deutschland häufiger ihr eigenes Unternehmen und wagen damit den Schritt in die Selbständigkeit. Dabei ist nicht nur auffällig, dass vermehrt Gründungen stattfinden, sondern diese vergleichsweise auch groß ausfallen. Das Ziel, mit dem Unternehmen den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können, stand dabei schon in den Jahren 2009 bis 2015 an vorderster Stelle.  

Die Bestreitung des Lebensunterhalts steht für Migranten an erster Stelle

Glaubt man den aktuellen Erhebungen einer von der staatlichen Förderbank KfW veröffentlichten Statistik, so machen sich jedes Jahr in Deutschland stolze 170.000 Migranten selbständig. Doch vergleicht man diese Zahl mit all den Personen, die für sich selbst beschlossen haben, ihr eigenes Business hochzuziehen, so hat nur jeder fünfte Existenzgründer ausländische Wurzeln. Trotzdem ist unbestreitbar, dass Migranten einen wichtigen Beitrag zum deutschen Gründungsgeschehen leisten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Zahl der Voll- und Nebenerwerbsgründungen. Von den Vollerwerbsgründungen entfielen insgesamt 47 Prozent auf Gründungen durch Migranten. Bei den Nebenerwerbsgründungen lag der Anteil sogar bei 53%.

Migranten gründen hierzulande oftmals mit dem Ziel, den Lebensunterhalt mit ihrem eigenen Unternehmen vollständig bestreiten zu können. Dies belegen Untersuchungen, die sich mit den Jahren 2009 bis 2015 beschäftigt haben. Gleichfalls ist es so, dass Migranten gemäß den Erhebungen mehr Zeit in ihre Projekte investieren und auch häufiger mindestens eine weitere Person bei der Gründung miteinbeziehen. Keine Aussage ist darüber möglich, für welche Branchen sich Migranten vorzugsweise entscheiden oder welchen Sektor sie überdurchschnittlich oft wählen.

Beendigung des unternehmerischen Tätigseins fand ebenso öfter statt

Leider ist es oftmals auch so, dass Migranten, die ihr eigenes Unternehmen gegründet haben, ihr Vorhaben öfter wieder abgebrochen haben. Dieses Ergebnis geht aus der Sonderwertung hervor, die der KfW-Gründungsmonitor zur Verfügung stellt. Der KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner beschreibt das Ganze wie folgt:

„Migranten gründen häufiger aus Mangel an Erwerbsalternativen – und brechen ihr Projekt dann eher wieder ab, wenn sich attraktive Jobmöglichkeiten bieten.“ 

Der Abbruch der Selbständigkeit ist aber nicht zwangsläufig an die Folgen einer winkenden Festeinstellung in einem Betrieb gekoppelt respektive an die erwähnten, attraktiven Jobmöglichkeiten. Es ist kein Geheimnis, dass Unternehmensgründungen in Deutschland auf dem Papier relativ einfach vonstattengehen, der langfristige und erfolgreiche Haupterwerb sich häufig aber nicht einstellt. Gründe hierfür gibt es in vielfältiger Ausführung:

  • Die Konkurrenz ist in Deutschland in allen Branchen mittlerweile enorm
  • Ohne ein ausreichendes Startkapital kommt man je nach Branche nicht weit
  • Marketing und Suchmaschinenoptimierung beanspruchen nicht nur monetäre, sondern auch personelle Ressourcen
  • Unternehmensführung lernt man nicht von heute auf morgen
Migranten gründen häufiger Unternehmen_TB2

Wer in Deutschland sein eigenes Unternehmen groß rausbringen möchte, muss etliche Dinge beachten, Selbststaendigkeit.de

Deutsche gründen in Deutschland aufgrund von Ängsten häufiger nicht

Doch woran liegt es, dass die Deutschen weniger gründen und nicht den Schritt zum eigenen Unternehmen wagen? Ein Grund könnte sicherlich die Tatsache sein, dass viele Deutsche in Sachen Geld weniger risikofreudig sind, als Migranten. Oftmals wollen sie weniger Kredite aufnehmen und dafür alles aus dem Eigenkapital finanzieren, was allerdings häufig nicht funktionieren kann. Dabei gibt es heutzutage einige gute Kreditangebote für Selbstständige, derer sich jedoch sehr viele Gründer auch gar nicht bewusst sind. Vielfach ist es zudem auch Unwissenheit, die sich um die Selbständigkeit rankt und diverse Mythen wie die folgenden:

  • Selbständige müssen immer arbeiten
  • Selbständige haben eine unsichere Existenz
  • Selbständige sind von Aufträgen abhängig

An der weit verbreiteten Annahme, dass Selbständige immer arbeiten müssen, ist je nach Branche in jedem Fall etwas dran. Während alleine das Wort „Selbständigkeit“ schon suggeriert, dass vieles alleine und ständig erledigt werden muss, sieht die Praxis nicht selten so aus, dass Wochenenden in Wahrheit gar keine Freizeit bedeuten und die klassische 40-Stunden-Woche ohnehin nicht zutrifft. Wer es allerdings richtig anstellt, kann mit der Selbständigkeit nicht nur eine sichere Existenz mit vielen Aufträgen aufbauen, sondern nachher ein überdurchschnittlich gutes Auskommen erwirtschaften.

Selbständigkeit ermöglicht die Realisierung von eigenen Träumen

Wer nun abschließend überlegt, sich vielleicht auch mit einer bestimmten Geschäftsidee selbständig zu machen, aber Zweifel daran hat, ob das Leben als Arbeitnehmer mit einem standardisierten Nine-to-Five-Job nicht am Ende doch besser ist, sollte sich einmal vergegenwärtigen, welche Vorteile eine richtig aufgezogene Selbständigkeit hat:

  • Verwirklichung von eigenen Wünschen und Träumen
  • Unabhängigkeit von Chefs und Vorgesetzten
  • Arbeitszeiten legt man selbst fest
  • Wer das findet, was er gerne macht, wird nie wieder arbeiten müssen

Es ist kein Geheimnis, dass in Deutschland sehr viele Menschen mit einem normalen Alltag im Büro, der jede Woche aufs Neue wiederkehrt, zufrieden sind. Jedoch ist es ebenso unbestreitbar, dass dies selten die eigene Erfüllung ausmacht und vielfach sogar große Unzufriedenheit über die jeweilige Situation herrscht. Ein Selbständiger hingegen hat nicht nur die Möglichkeit, alles exakt so zu machen, wie er es machen möchte, sondern er kann im Endeffekt auch seine Arbeitszeiten selbst so gestalten, wie es für ihn am sinnvollsten ist. Somit lässt sich resümieren, dass die Selbständigkeit, wie alles im Leben, sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt und es zum Teil auch von dem eigenen Typ abhängt, ob das Ganze etwas für einen ist oder nicht.


Weitere hilfreiche Beiträge

Was ist der Meisterbrief? Der Meisterbrief ist im handwerklichen Bereich die höchste Qualifikation, die man erreichen kann. Sie bescheinigt, dass Sie Mehr lesen...

Selbstständig ohne Meister: Ist das im Handwerk möglich?

Vorbereitungen treffen Bevor man das Geschäft anmelden kann, müssen einige Vorbereitungen getroffen werden. Zunächst muss eine Idee vorhanden sein, die auch Mehr lesen...

Sich jeden Traum verwirklichen

Vorwort: Selbstständige mit finanziellen Vorsorgelücke Die Steueroptimierung ist ein wichtiger Bereich der Selbstständigkeit. Dieser Bereich gerät immer wieder in den Diskurs, Mehr lesen...

Steueroptimierte Selbstständigkeit: Strategien und Tipps für Unternehmer
Jetzt mit Roul Radeke, dem Autor dieses Beitrags vernetzen:

Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

Die wichtigsten Artikel und mehr direkt in Ihr Postfach!
  • Unverzichtbares Gründerwissen
  • Wertvolle Tipps für Selbstständige
  • Exklusive Angebote für Ihr Business
* Ja, ich möchte den Newsletter. Die Einwilligung kann jederzeit im Newsletter widerrufen werden. Datenschutzerklärung.
Success message!
Warning message!
Error message!