Gewerblicher Internetanschluss: Das sollten Selbständige beachten

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 12 Januar, 2024
Lesezeit Minuten.
Für Privatpersonen ist ein Internetzugang heutzutage Standard. Doch der gewerbliche Internetanschluss stellt an Selbständige höhere Ansprüche. Gerade Startups sind häufig überfragt bezüglich der Internetgeschwindigkeit und Technologie. Dabei sind Telefonie und Internet unabhängig vom Tätigkeitsfeld extrem wichtig geworden. In diesem Beitrag geht es daher um Möglichkeiten für Unternehmen einen stationären Internetzugang zu erhalten und worin dessen Vorteile liegen.  

Warum ist der Internetzugang für fast jeden Betrieb wichtig?

Das schnelle Internet ist in der heutigen Zeit ein entscheidender Wettbewerbs- und Standortfaktor. Aus diesem Grund sind die Gemeinden zusammen mit den Internetanbietern stark daran interessiert die IT-Infrastruktur auszubauen. Es werden neue Glasfaserleitungen gelegt, neue LTE-Basisstationen aufgebaut und die seit Jahren bestehende Netzinfrastruktur modernisiert. Für Gewerbebetriebe, selbst Einzelunternehmer und Kleinstbetriebe, ist ein Internetzugang wichtiger Bestandteil der Selbständigkeit.

In Zeiten der Digitalisierung kommt kaum eine Branche ohne aus – selbst Elektriker, Fliesenleger, Friseure und Schornsteinfeger brauchen immer öfter für ihre Geschäftsprozesse einen Zugang zum Internet.

Welche Arten von Internetanschlüssen kommen für Gewerbebetriebe in Frage? 

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen einer Standleitung und einem asynchronen Internetzugang. Während bei einer Standleitung die Bandbreite in beide Richtungen symmetrisch (also gleich) ist, erhalten Kunden bei einer asymmetrischen Bandbreite (Technologie auch ADSL/VDSL genannt) eine niedrigere Geschwindigkeit für den Upload.

Lese-Tipp: Bedeutung der Bandbreite

Was ist VDSL?

VDSL steht für “Very high speed digital subscriber line” und ist die Weiterentwicklung von ADSL. Es verspricht eine höhere Internetgeschwindigkeit. Während ADSL eine Downloadrate von 16 Mbit/s erreicht, erreichen Internetzugänge über VDSL eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Mbit/s. Mit SuperVectoring-Technologie erreichen Internetanschlüsse heute sogar 250 Mbit/s.

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Gewerblicher Internetanschluss: Das sollten Selbständige beachten, Bildquelle: Depositphotos.com

Für welche Unternehmen eignet sich ein asymmetrischer Internetanschluss?

Ein asymmetrischer Internetzugang ist vor allem für Privatnutzer und kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern eine Alternative zu teuren Business-Standleitungen. Freiberufler und Selbständige kommen mit einem Business-DSL-Tarif meist aus. Gleiches gilt natürlich für Unternehmer, die gerade erst den Schritt in die Existenzgründung gewagt haben.

Solche asymmetrischen Bandbreiten haben zum Beispiel 50 Mbit/s im Download und 10 Mbit/s im Upload. Der Grund weshalb Internetzugänge asymmetrisch angeboten werden? Privatkunden laden deutlich mehr Daten herunter als hoch. Sie schauen Videos, laden Software und hören Musik. Für einige Selbständige reicht ein solcher Anschluss ebenfalls aus, da er bei mit einer Grundgebühr von 30 EUR/Monat relativ günstig ist. Im Vergleich dazu kostet ein 50 Mbit/s-Internetanschluss im Durchschnitt ca. 25 EUR/Monat.

Asymmetrische Business-Tarife sind über folgende Technologien möglich:

  • Kabelanschluss: Hierbei muss ein Koaxial-Kabelanschluss vorhanden sein. Die meisten Gewerbeobjekte haben diesen nicht. Ansonsten ist Kabel-Internet eine günstige und vor allem schnelle Alternative zu DSL.
  • DSL / VDSL: Der Internetanschluss über die Telefonleitung ist wegen der hohen Verfügbarkeit der am meisten genutzte Anschluss.
  • Glasfaser: Glasfaser bis in’s Haus (FTTH – Fiber-to-the-Home) ist eine hervorragende Möglichkeit einen schnellen und zuverlässigen Anschluss zu erhalten. Immer mehr Gewerbegebiete werden per Glasfaser erschlossen.
  • Richtfunk: Auf dem Land ist Richtfunk für viele Unternehmen eine gute Möglichkeit den eigenen Standort individuell mit dem Internet zu vernetzen. Hierbei sollten Unternehmer darauf achten eine möglichst latenzfreie und zuverlässige Technik zu wählen. Die Sichtverbindung der Richtfunkantennen muss gegeben sein.

Wichtig ist, dass das Unternehmen in Upload (also Richtung Internet) keine großen Datenmengen laden muss. Denn sonst wäre hier die Upload-Geschwindigkeit der Flaschenhals.

Die Standleitung für Unternehmen und Selbständige mit höheren Ansprüchen

Immer dann, wenn viele Mitarbeiter an verschiedenen Standorten im Spiel sind und größere Datenmengen auf gemeinsam genutzte Tools hochgeladen werden, ist eine symmetrische Leitung oftmals die richtige Wahl. Unternehmen und Selbständige mit eigenem Server oder einer eigenen IT-Infrastruktur sollten dann einen symmetrischen Internetzugang wählen – so auch wenn größere Datenmengen in die Cloud geladen werden. Solche Standleitungen erreichen in der Praxis bis zu 10 Gbit/s, die den Geschäftskunden dann anders als Privatkunden, garantiert zur Verfügung steht. Unternehmen sollten genau abwägen, ob die gesteigerte Performance es wert ist. Denn Standleitungen sind deutlicher teurer.

TIPP:

Selbständige können Gebühren für tägliche Kommunikationsabläufe (auch Internet) von der Steuer absetzen. Bei Telefonie und Internet ist der dienstlich genutzte Anteil der Grundgebühr absetzbar.

Was sind die Vorteile von Business-DSL und Standleitungen?

Ein einfacher Privatkundenanschluss ist bereits sehr leistungsfähig geworden. Die Anbieter bieten je nach Technik bis zu 1 Gbit/s schnelle Zugänge an, die für anspruchsvolle Anwendungen, wie Videostreaming (IPTV) und Online-Gaming genutzt werden können. Für kleine und mittlere Unternehmen dürften diese oft ausreichen. Doch warum sollte man einen vergleichsweise teureren Business-Tarif nehmen? Die Antwort ist recht einfach: Die Anbieter verbieten die Nutzung für kommerzielle Zwecke in ihren AGBs oder schränken Upload-lastige Anwendungen stark ein.

Die Ansprüche an einen Internetzugang sind außerdem für ein Unternehmen anders. Daher braucht ein Selbständiger einen noch leistungsfähigeren Internetanschluss. Folgende Aspekte sind vor allem wichtig.

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Der gewerbliche Internetanschluss stellt an Selbständige höhere Ansprüche. Bildquelle: Depositphotos.com

Verfügbarkeit: Schnelle Entstörung der Leitung

In der Regel ist die Verfügbarkeit von Internetanschlüssen relativ hoch. Anbieter geben in ihren AGB eine Verfügbarkeit der Leitung von bis zu 99% an.  Dennoch ist eine garantierte Ausfallsicherheit nicht gegeben. Während sich Privatanwender lediglich ärgern, gehen dem Unternehmer mit seinen digitalisierten Prozessen Umsätze verloren. Die Provider bieten daher in ihren Business-Tarifen eine schnelle Störungsbehebung an, so dass Geschäftskunden schnell wieder ihren Betrieb aufnehmen können.

Hinweis: Unitymedia gibt für Privatkunden eine mittlere Verfügbarkeit von 97,5 % an. Für die Business-Tarife liegt diese bereits bei 99,5 %.

Feste IP-Adresse für Internet

Echte Business-Internetanschlüsse haben den Vorteil, dass dem Geschäftskunden bei jeder Einwahl die gleiche feste IP-Adresse zugewiesen wird. Dadurch lassen sich im firmeninternen Netzwerk Netzkomponenten über das Internet direkt ansprechen. Andernfalls müsste der Anbieter auf Dienste wie Dynamisches DNS (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Dynamisches_DNS) zugreifen.

Priorisierung und VPN

Beim herkömmlichen Internetanschluss hat ein Privatkunde keinen Einfluss darauf, wie der Netzbetreiber Datenpakete routet. Über welche Knotenpunkte die Daten geleitet werden und wie die Auslastung dort ist, bleibt alleine dem Anbieter überlassen. Vom Anbieter werden Daten nahezu gleich behandelt – unabhängig von deren Wichtigkeit. Das kann dazu führen, dass latenzkritische Anwendungen wie IP-Telefonie davon negativ beeinflusst werden. Es kommt zu Aussetzern. Für Unternehmen ist so etwas nicht akzeptabel.

VPN ist seit dem NSA-Skandal für Unternehmen immer wichtiger. Geschäftskunden-Internetanschlüsse sind gegen Abhorchen oft gut geschützt. Provider bieten Geschäftskunden optional MPLS-VPN (Multiprotocol Label Switching) oder IP-VPN an. Die Verbindung zwischen Standorten kann dadurch als privates Netzwerk auf Netz- bzw. Hardware-Ebene gesehen werden. Daten verlaufen nur auf einer festgelegten Route. Der Geschäftskunde kann mittels MPLS die Prioritäten genau setzen. Echtzeit-Daten und IP-Telefonie laufen auf diese Weise bevorzugt auf einer klar definierten Route. Außerdem ist der Datenverkehr hardwareseitig verschlüsselt, was die Datensicherheit weiter erhöht.

Weitere Vorteile von Business-Anschlüssen

Zu den weiteren Vorteilen eines Business-Tarifs zählen:

  • Mehrere Telefonleitunen mit mehreren Rufnummern
  • Anpassung des Tarifs (Vergrößerung oder Verkleinerung) ist oftmals jederzeit möglich – gerade für Startups, die im Wachstum sind, ganz interessant.
  • Teils auch Mobilfunk-Flat inklusive
  • Domain, Homepage und E-Mailadressen inklusive
  • Leistungsfähigere Hardware möglich
  • Kurze Entstörungszeiten

Fazit zu gewerblichen Internetanschlüssen

Einfache Business-Tarife bei Anbietern wie der Telekom, Unitymedia, Vodafone oder o2 sind nur unwesentlich teurer als Privatkundentarife. Unternehmen, die höhere Leistungen und Zuverlässigkeit brauchen und mehrere Standorte haben, profitieren von leistungsstarken Standleitungen. Ob dies Sinn macht, muss im Einzelfall abgewogen werden.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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