Covid-19 und Unternehmensführung: Auswirkungen auf den Geschäftsalltag

Verfasst von Roul Radeke. Zuletzt aktualisiert am 14 März, 2024
Lesezeit Minuten.
Vor dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie erfolgte die Kooperation in Unternehmen trotz Digitalisierung meist in persönlichen Meetings und Besprechungen. Im Sinne des Social Distancings oder im Zuge des Lockdowns sind viele Unternehmen teilweise oder vollständig zum Homeoffice übergegangen. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und ist mit zahlreichen Herausforderungen für die Führungsebene verbunden.  

Veränderungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Die Veränderungen der Covid-19-Pandemie auf die Arbeitswelt betrifft Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Ebenso sind sämtliche Unternehmensabteilungen in irgendeiner Form betroffen. Ein wesentliches Merkmal ist der teilweise oder vollständige Übergang zum Homeoffice.

Statistiken zufolge arbeiten in Summe etwa 45 Prozent aller Berufstätigen während der Pandemie im Homeoffice. Davon sind 10,5 Millionen ausschließlich im Homeoffice tätig. Weitere 8,3 Millionen erledigen ihre Arbeit zumindest teilweise vom Homeoffice aus.

Der Übergang zum Homeoffice wird sich unter hoher Wahrscheinlichkeit auch nach dem Ende der Pandemie fortsetzen. Angaben des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V (Bitkom) zufolge, werden nach Covid-19 etwa 35 Prozent der Beschäftigten (14,7 Millionen) einen flexiblen Arbeitsort wählen.

74 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass es in Deutschland eine noch stärkere Nutzung des Homeoffice geben sollte. 85 Prozent der Beschäftigen sind überzeugt, dass das Homeoffice den Verkehr entlasten und damit langfristig auch die Umwelt schonen kann. 52 Prozent der Befragten äußerten, dass die Arbeit ausschließlich im Homeoffice stattfinden sollte, bis die Pandemie überwunden ist.

Ebenso ist jedoch festzustellen, dass bislang das vollständige Potenzial des Homeoffices noch nicht ausgeschöpft ist. So sind 43 Prozent überzeugt, dass sich ihre Tätigkeit nicht für Homeoffice eignet. 21 Prozent sagen, dass ihre Arbeit ausschließlich im Homeoffice erfolgen kann, während 34 Prozent davon überzeugt sind, dass das Homeoffice zumindest teilweise geeignet ist.

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Covid-19 und Unternehmensführung: Auswirkungen auf den Geschäftsalltag, Bildquelle: Stock Images by Depositphotos

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zusammenarbeit in den Abteilungen

Viele Abteilungen sind auf die Zusammenarbeit in Teams angewiesen. Speziell im Personalwesen sind unter normalen Umständen persönliche Treffen und Besprechungen Gang und Gäbe.

Besonders in Unternehmen und Abteilungen mit ausgeprägter Präsenzkultur sind die Umstellungen im Zuge der Corona-Pandemie enorm. Speziell für Führungskräfte und Vorgesetzte ergeben sich große Herausforderungen. Bislang war es für Mitarbeiter möglich, bei einer Frage einfach ins Büro zu kommen und eine persönliche Antwort zu erhalten. Bei der Arbeit aus dem Homeoffice muss zunächst eine Besprechung angesetzt oder die Führungskraft angerufen werden.

Manchen Mitarbeitern fällt die Arbeit ohne den persönlichen Kontakt zu Kollegen und Vorgesetzten schwer. Für die Unternehmensführung bedeutet dies die Aufgabe, gegenüber den Mitarbeitern genug Feingefühl aufzuweisen, um auf einzelne Belange einzugehen. Besonders, wenn Mitarbeiter Probleme mit den ihnen aufgetragenen Arbeiten haben, ist die Führung aus dem Homeoffice komplizierter als bei direkter Präsenz. Die Umstellung auf virtuelle Meetings (beispielsweise Videokonferenzen) ist in manchen Unternehmen und Abteilungen daher ein langwieriger Prozess. Mehr zum Thema Coronavirus und die Auswirkungen auf Unternehmen im Artikel von Haufe.

Sonstige Auswirkungen und Folgen für Unternehmen

Der Übergang zur virtuellen Zusammenarbeit aus dem Homeoffice ist mit zahlreichen Veränderungen verbunden. Es gibt verschiedene Ansätze, das persönliche Meeting oder das kurze Gespräch auf dem Büroflur zu ersetzen. In vielen Unternehmen und Abteilungen finden an Stelle dessen Video-Konferenzen statt. In einigen Firmen hat sich eine Hybrid-Strategie entwickelt, bei der sich Präsenz im Büro sowie Homeoffice-Arbeit einander abwechseln.

Regelmäßige Besprechungen sind Rituale, um sich über den Stand der aktuellen Arbeit oder wichtiger Projekte auszutauschen. Auch während der Pandemie ist es wichtig, bei den Besprechungen eine gewisse Regelmäßigkeit zu wahren. Zu beachten ist, dass das Risiko der Ablenkung im Homeoffice hoch ist. Ebenso kann sich bei einer großen Zahl virtueller Meetings bei den Mitarbeitern schnell eine gewisse Müdigkeit einstellen. Ebenso zu berücksichtigen sind technische Hürden. Dazu gehören Probleme mit der Internetverbindung, defekte Headsets oder fehlende Geräte. Aufgrund der sich rapide ausbreitenden Pandemie blieb vielen Unternehmen nur wenig Einarbeitungszeit, um auf die neuen Herausforderungen zu reagieren. Geringere Probleme hatten dabei Unternehmen, die bereits vor Covid-19 auf Video-Konferenzen und Home Office setzten.

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Videokonferenzen gehören mittlerweile zur Alltagsroutine vieler Unternehmen. Bildquelle: Stock Images by Depositphotos

Worauf sollte die Unternehmensführung in der Krise achten?

In Zeiten des Social Distancings arbeiten wesentlich mehr Menschen weitgehend für sich. Dies verlangt der Unternehmensführung eine neue Art der Kommunikation ab. Nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf den Umgang mit Mitarbeitern stellen sich neue Herausforderungen. Zu beachten sind dabei Faktoren wie eine geduldige Herangehensweise, Offenheit gegenüber den technischen Möglichkeiten, genau definierte Ziele und Rahmenrichtlinien sowie regelmäßige virtuelle Meetings.

Virtuelle Führung ist von direkter Präsenz in mehrerlei Hinsicht verschieden. Die Voraussetzungen der Mitarbeiter in ihren Homeoffices unterscheiden sich nicht nur von den Voraussetzungen im Unternehmen vor Ort, sondern auch voneinander. Es existiert kein gemeinsamer Raum, der für gleiche Voraussetzungen sorgt. Für Führungskräfte bedeutet dies, Rücksicht auf die Unterschiede nehmen zu müssen. Daher steigt die Bedeutung des Einzelgesprächs. Führungen über generelle Anweisungen sind kaum mehr möglich.

Damit verbunden ist die Anforderung, das Engagement der Mitarbeiter aufrechtzuerhalten. Es ist Aufgabe der individuellen Führung, auf Unsicherheiten und Belastungen zu reagieren. Gerade während der Isolation kann die Produktivität am heimischen Arbeitsplatz leiden. Zwar können Führungskräfte den Mitarbeitern nicht die Sorgen nehmen, aber ihnen jederzeit Perspektiven aufzeigen. Gerade in unsicheren Zeiten sind Visionen und Perspektiven von großer Wichtigkeit. 

Für Führungskräfte selbst ist es wichtig, die eigene Resilienz zu stärken. Gegenüber den Mitarbeitern können Vorgesetzte nur dann überzeugend Perspektiven aufzeigen, wenn sie die Hoffnung selbst erfahren. Die eigene Resilienz als Fähigkeit, Unsicherheiten zu überwinden, ist insbesondere in Zeiten hilfreich, die schwere Entscheidungen erfordern.

Die Entscheidungen der Führungsebene sollten das wirtschaftliche Wohl des Unternehmens nie außer Acht lassen. Auch unbeliebte und schwer vermittelbare Entscheidungen wie etwa Sparkurse oder Entlassungen gehören dazu. Fehlende Entscheidungen sind typischerweise ein größerer Fehler als Entscheidungen, die später zu korrigieren sind. Für Führungskräfte bedeutet dies, Optionen so rational wie zeitnah zu überdenken und dabei Ruhe und Überblick zu wahren.

Damit verbunden ist die Herausforderung der Agilität. Als Fähigkeit, rasch auf Veränderungen zu reagieren, ist Agilität in Zeiten der Unsicherheit von großer Bedeutung. Die Bereitschaft, unter stets neuen Rahmenbedingungen zu entscheiden und zu handeln, ist in dieser Zeit gefragt. Dies wird sich voraussichtlich auch nach der Krise fortsetzen, da sich die Rahmenbedingungen auf den Märkten rasch verändern werden. Unternehmensführung nach der Krise bedeutet daher auch, sich weiterhin Herausforderungen zu stellen, die sich gegenwärtig noch nicht absehen lassen.


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Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer von Selbststaendigkeit.de. Das Onlineportal bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching) sowie digitale Produkte für die Selbstständigkeit.

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