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Kaffee-Startup denkt Fairtrade neu

Das in Berlin und Kigali beheimatete Startup Kaffee-Kooperative.de importiert fertig gerösteten Spezialitätenkaffee nach Deutschland und stellt so den Fairtrade-Gedanken auf eine ganz neue Ebene: Statt bislang 15 Prozent verbleiben so stolze 40 Prozent der Wertschöpfung bei den Produzenten. Xaver Kitzinger, Co-Founder von Kaffee-Kooperative.de, wird das Fairchain-Modell im Mai auf dem Zukunftskongress von Fairtrade Deutschland vorstellen. Wir sprachen mit ihm vorab über die Fairchain-Idee und wie diese dabei helfen kann, Handel neu zu denken.

Was ist Fairchain und worin unterscheidet es sich von Fairtrade?

Fairchain ist Fairtrade weitergedacht. Fairtrade sorgt dafür, dass Bauern einen fairen Preis für Ihre Agrarprodukte erhalten sowie dass Arbeiterrechte und demokratische Entscheidungsprozesse in den Anbaukooperativen eingehalten werden. Das ist super und extrem wichtig, es handelt sich aber letztendlich um die gerechte Version eines unfairen Handelsystems: In Entwicklungsländern werden Agrarprodukte hergestellt, die dann in Industrieländern zu fertigen Produkten veredelt werden (also z.B. Kakao zu Schokolade, Kaffeebohnen zu Röstkaffee, Linsen zu Brotaufstrich).

Fairchain geht einen Schritt weiter: Fairchain-Produkte werden bereits im Anbauland zu fertigen Produkten weiterverarbeitet und als solche exportiert und lokal verkauft um mehr Wertschöpfung ins Land zu bekommen.

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Der Kaffee-Kooperative Gründer vor Ort in Kigali, Kaffee-Kooperative.de

Was hat Euch dazu bewegt, Fairtrade neu zu denken? Gab es einen konkreten Auslöser, besondere Erlebnisse?

Normalerweise ist so, dass man in Kaffeeanbauländern nur sehr schlechten Kaffee serviert bekommt. Man hockt also quasi unter einem Kaffeestrauch und bekommt Instantkaffee serviert. Das zeigt, dass etwas falsch läuft im Kaffeehandel. Die meisten Kaffeebäuerinnen und -bauern haben in ihrem Leben noch nie eine Tasse Kaffee getrunken.

In Ruanda war das anders, hier konnten wir sehr guten Kaffee im Supermarkt kaufen und wir haben uns daher gefragt wieso es diesen Kaffee, der auch Fairtrade ist, nicht in Deutschland zu kaufen gibt. Das haben wir nun ermöglicht.

Kannst Du uns einige Erfolgsstories aufzählen, inwiefern durch Euren Fairtrade-Ansatz die Strukturen oder auch Lebensbedingungen vor Ort verbessert werden?

Ja, sehr gerne. Wenn unsere Partnerkooperative ihren Kaffee als Röstkaffee und nicht als grüne Bohne verkauft, bleibt einfach deutlich mehr vom Erlös in Ruanda und die Bauern verdienen mehr. Dieses Geld fließt direkt in die Kooperative, die dann gemeinschaftlich entscheidet, was mit den Erlösen gemacht wird. So wurden Schulen und Krankenstationen gebaut und die Kooperative investiert in die Verbesserung des Kaffeeanbaus. Sie haben gemeinsam Kühe angeschafft und eine Milchverarbeitung aufgebaut, alles mit dem Ziel Biodünger aus dem Kuhdung herstellen zu können, um nachhaltig auf Biokaffeeanbau umstellen zu können.

Die Kooperative entscheidet also selbstbestimmt über Ihre Erlöse und wir finanzieren keine Entwicklungsprojekte. Wir nennen das Wandel durch Handel oder TradeNotAid.

Wie messt Ihr den positiven Impact von Fairchain?

Es ist sehr schwer zu quantifizieren, wie viel mehr genau die Bauern verdienen, da die Preise für Rohkaffee sehr stark schwanken. Wir messen unseren Impact vor allem an der Begeisterung und der Unterstützung, die wir durch die Partnerkooperative bekommen. Sie haben große Hoffnungen in den Export von Röstkaffee und gleichzeitig hilft es ihnen auch, sich im lokalen und regionalen Markt zu positionieren. So ist es z.B. durch unsere Fairchain-Partnerschaft möglich geworden, dass nun auch für den lokalen Markt Röstkaffee mit Fairtrade-Logo verkauft werden kann. Dies wiederum ist für den Tourismussektor in Ruanda sehr relevant.

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Auf welche Herausforderungen stoßt Ihr bei der Umsetzung des Fairchain-Prinzips?

Wir betreten mit allem Neuland. Noch nie wurde Röstkaffee aus Ruanda exportiert und Allan Mubiru, einer der Gründer von Kaffee-Kooperative.de, arbeitet sehr eng mit der Rösterei und den Bauern zusammen, um einen konstante und hohe Qualität, die den deutschen Ansprüchen genügt, sicherzustellen. In Deutschland ist das Fairchain-Prinzip noch sehr neu und wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten, was das Besondere an unserem Fairchain-Kaffee ist. Das ist sehr zeitaufwändig, macht aber auch sehr viel Spaß, denn man erlebt sehr häufig einen Aha-Moment!

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Dir und Kaffee-Kooperative zu hören!

Kaffee-Kooperative

Startup: Das internationale Startup-Unternehmen Kaffee-Kooperative.de mit Sitz in Berlin und Kigali ist angetreten, um den Vertrieb von Fairtrade-Bio-Kaffee zu verändern. Kaffee-Kooperative.de importiert fertig gerösteten Spitzenkaffee, so dass die gesamte Wertschöpfungskette beim Produktionsprozess bei der Partner-Kooperative in Ruanda verbleibt. Coffee Fully Made in Africa – Fairtrade Plus Kaffee. Gründer: Allan Mubiru – Kigali, Rwanda; Xaver Kitzinger – Berlin, Germany Homepage: www.kaffee-kooperative.de