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Interview mit Oliver Mosig von PSB24 – „Viele Menschen beschäftigen sich zu spät mit dem Thema Sicherheitstechnik“

Vor allem in der dunklen Jahreszeit liest man regelmäßig von steigenden Einbruchszahlen. Dabei sind es längst nicht nur Einbrüche in private Wohnräume, die Jahr für Jahr zu erheblichen finanziellen und emotionalen Schäden führen. Auch gewerblich genutzte Räume, Fabrikhallen und Baustellen geraten regelmäßig in das Visier von Einzeltätern und Banden.  Entsprechend nimmt die Bedeutung des Themas Objektschutz für Unternehmen stetig zu, wie Sicherheitsexperte Oliver Mosig von PSB24 aus Erfahrung weiß. In unserem heutigen Interview erzählt er uns, wie man Objektschützer wird, welche typischen Fehler beim Thema Sicherheit gemacht werden und warum gerade Baustellen so beliebte Einbruchsziele sind.

Guten Tag, Herr Mosig! Sie sind mit Ihrem Unternehmen PSB24 seit 2011 in der Sicherheitsbranche tätig. Können Sie unseren Lesern zunächst einen kurzen Einblick geben, wie man eigentlich zum Objektschützer wird?

Kein Problem! Um als Objektschützer tätig zu werden, muss man zunächst bei einer zertifizierten Bildungseinrichtung die Sachkundeprüfung gem. § 34a GewO absolvieren. Hier hat man die Wahl zwischen verschiedenen Formaten – vom Schnellkurs bis zur 6-monatigen Ausbildung. Auch Kompaktpakete, die zusätzlich Brandschutz- und Waffensachkunde beinhalten, werden von einigen Bildungsträgern angeboten.

Hat man den entsprechenden Kurs beendet, legt man bei der örtlichen Handelskammer eine schriftliche und eine mündliche Prüfung ab. Wurden diese erfolgreich bestanden, erhält man seinen Sachkundenachweis.

Darüber hinaus gibt es auch dezidierte Ausbildungen als Fachkraft für Schutz und Sicherheit mit einer Dauer von drei Jahren und Weiterbildungen zur geprüften Schutz- und Sicherheitskraft. Hier können sich durchaus auch Quereinsteiger anmelden.

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Interview mit Oliver Mosig von PSB24 – „Viele Menschen beschäftigen sich zu spät mit dem Thema Sicherheitstechnik“. Bildquelle: © Missiya / Adobe Stock

Was sind typische Fehler, die Mieter und Hausbesitzer machen, wenn es um das Thema Einbruchsschutz geht?

Aus Erfahrung können wir sagen, dass die meisten Menschen sich erstmals mit dem Thema Sicherheit beschäftigen, wenn sie entweder selbst Opfer eines Einbruchs geworden sind oder ein Einbruch in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft stattgefunden hat. Bis dahin wird Sicherheitstechnik oft als unnötiger Kostenpunkt betrachtet.

Wir empfehlen deshalb, im Vorfeld eine Sensibilität für das Thema zu entwickeln und nicht nur durch umsichtiges Verhalten, sondern auch mit technischer Unterstützung für die Sicherheit der eigenen vier Wände zu sorgen. Hier sind vor allem zwei Aspekte relevant: die mechanische und die elektronische Absicherung.

Zur mechanischen Absicherung gehören beispielsweise Sicherheitstüren, Sicherheitszylinder, Querriegel und Sicherheitsglas. Typische Elemente der elektronischen Absicherung sind Alarmanlagen, elektronische Schließzylinder und Videoüberwachungstechnik.

Grundsätzlich empfiehlt sich ein guter Durchschnitt beider Varianten an den entscheidenden Schwachstellen des Hauses bzw. der Wohnung. Vorab sollte man sich von einem Experten zu verschiedenen Möglichkeiten beraten lassen.

Wie kann man sich das Thema Baustelleneinbruch als Laie vorstellen? Wie gehen die Täter vor?

Baustelleneinbruch ist für Kriminelle interessant, da sich viele Materialien und Werkzeuge leicht zu Geld machen lassen. Hier sind etwa Kupferkabel zu nennen, die in großen Mengen vor allem an Baumaschinen vorkommen. Doch auch Bohrhämmer, Fräsmaschinen und verschiedenste Handwerkzeuge sind bei Tätern beliebt.

Dabei hängt es immer auch von der Bauphase ab, worauf die Täter es abgesehen haben. Vor allem, wenn es in der Endphase eines Projekts an den Innenausbau geht, ist Vorsicht geboten. Zu dieser Zeit befinden sich viele Materialien auf der Baustelle, die für Diebe lukrativ sind. Hier sind beispielsweise hochwertige Fliesen, aber auch teure Badarmaturen und Heizsysteme zu nennen. Damit gehen deutlich höhere Anforderungen an die Überwachung einher.

Wie hat sich die Nachfrage im Bereich Baustellenüberwachung in den vergangenen Jahren entwickelt?

Im Bereich der Baustellenüberwachung spielt das Thema Videotechnik eine immer wichtigere Rolle. Sie spart erhebliche Kosten gegenüber dem klassischen Wachmann ein und zeichnet sich durch ihre hohe Genauigkeit aus. Präzise Kameras mit Wärmebildtechnik und erhöhten Nachtsichtweiten erkennen eindringende Personen auch auf weite Distanzen sofort. Zusätzlich sind sie mit Lautsprechern und Sirenen ausgestattet, sodass Einbrecher unmittelbar angesprochen werden können.

Natürlich ist die Anwesenheit eines Wachmanns trotz all dem nicht verzichtbar. Schließlich bedarf es immer auch flexibler situationsangemessener Entscheidungen und Handlungen, die von technischen Einrichtungen auf absehbare Zeit nicht autonom durchgeführt werden können.

In welchem Bereich bewegen sich die Schadenssummen im Vergleich zum Bespiel mit Wohnungseinbrüchen?

Die Schadenssummen bewegen sich von 100 Euro bei einfachen Baumaterialen und Maschinen bis hin zu fünfstelligen Beträgen bei Spezialwerkzeugen. Allein der Verzug durch nicht fortgeführte Arbeiten beläuft sich pro Tag auf mehrere Tausend Euro.

Bei Wohnungs- und Hauseinbrüchen steht zwar oft der seelische Schaden im Vordergrund, allerdings kommt es auch hier zu teils gravierenden finanziellen Schäden. Hauseigentümer in abgelegenen Ortsteilen sind bei Diebesbanden beispielsweise besonders begehrt. Hier rechnen sie mit viel Beute und laufen zudem weniger Gefahr, erwischt zu werden. Der finanzielle Schaden bewegt sich in der Regel im 5 – 6-stelligen Bereich.

Wie gehen Objektschützer vor, wenn sie beispielsweise in einem Unternehmenskomplex auf einer Überwachungskamera eine unbefugte Person feststellen, die sich an einer Tür zu schaffen macht?

Sicherheitsdienste können sich auf die Selbsthilfe berufen und Personen, die das Hausrecht verletzen, gemäß § 123 StGB wegen Hausfriedensbruchs anzeigen. Allerdings haben die Mitarbeiter keine hoheitlichen Rechte wie Polizeibeamte. Anwendbar sind die Jedermannsrechte nach dem Grundgesetz.

  • 32 Notwehr StGB
  • 859 Abs.2 BGB Selbsthilfe des Besitzers
  • 127 Abs. 1 Satz 1 StPO Vorläufige Festnahme
  • 123 StGB Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Wenn ein Dieb festgestellt wird, ruft der Mitarbeiter die 110 an und schildert kurz und knapp die Situation, während er die Kamera nicht aus den Augen lässt. Weiter agiert er im Interesse des Eigenschutzes und unter Berücksichtigung der Gegebenheiten der Situation.

Ist der Einbrecher auf weite Entfernung sichtbar, kann der Mitarbeiter sich mit einer starken Taschenlampe bemerkbar machen und den Einstiegsbereich ausleuchten. Das genügt erfahrungsgemäß schon, damit die Täter den Rückzug antreten.

Welche typischen Vorgehensweisen gibt es beispielsweise bei Einbrüchen in Unternehmen? Wie verschaffen Täter sich Zugang?

Typische Vorgehensweise bei Einbrechern gibt es nicht. Es gibt unzählige Einzelverbrecher und Banden und jede davon hat mit der Zeit ihre eigenen Methoden entwickelt. Große Unterschiede gibt es etwa beim Thema Gewaltbereitschaft.

Auch gehen zum Beispiel nicht alle Täter unauffällig und diskret vor. Nicht selten wird eine absolut offensichtliche Methode gewählt, da gerade die nicht erwartet wird. So sind etwa als Handwerker und Techniker getarnte Diebe keine Seltenheit. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Als Zugangsmöglichkeiten werden in der Regel die Areale genutzt, an denen der leichteste Zugang zum Gebäude möglich ist. Angekippte Fenster und instabile Türen sind ein gefundenes Fressen für Einbrecher.

Werfen wir zum Abschluss noch einen Blick in die Zukunft. Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Unternehmen?

Unser oberstes Ziel ist es, weiter den bestmöglichen Service für unsere Kunden zu garantieren und sie in allen sicherheitsrelevanten Fragen optimal zu unterstützen. Deshalb investieren wir weiter in die permanente Weiterbildung unserer Mitarbeiter und entwickeln auch unser Angebot an Sicherheitstechnik stetig weiter.

Dann wünschen wir Ihnen dabei alles Gute und danken Ihnen für die interessanten Einblicke.

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Die Protection Service Berlin bietet privaten und gewerblichen Kunden seit 2011 eine breite Auswahl hochwertiger Sicherheitstechnik und ein umfassendes Leistungsportfolio in den Bereichen Objektschutz, Wachschutz und Baustellenüberwachung. Dabei setzt das Team um Geschäftsführer Oliver Mosig auf eine individuelle Betreuung, kurze Kommunikationswege und innovative Technologien