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Cargonexx will mit künstlicher Intelligenz den LKW-Transportmarkt revolutionieren

Das Start Up Cargonexx hat bereits zehn Wochen nach Marktstart mehr als 1.500 Transportunternehmen und Speditionen als Kunden gewonnen. Co-Founder Rolf-Dieter Lafrenz erläutert im Interview, warum nachhaltige Wettbewerbsvorteile und ein langer Atem für Gründer besonders wichtig sind.

Was ist Dein wichtigster Tipp für Jungunternehmer, die gerade selbst gegründet haben?

Langer Atem. Die meisten Dinge dauern länger und sind komplizierter, als ein Gründer sie plant.

Was waren Eure drei größten Herausforderungen in der Startphase?

In der Konzeptionsphase lag die größte Schwierigkeit darin, das MVP richtig zu dimensionieren. Als B2B-Geschäftsmodell arbeiten wir für professionelle Anwender, die einen rudimentären Funktionsumfang nicht akzeptieren. So hat es neun Monate gedauert, bis das MVP stand. In der Markteinführungsphase mussten wir hart arbeiten, um die ersten Kunden zu gewinnen. Cargonexx ist ein zweiseitiges Marktplatzmodell. Wir starteten mit der Akquisition von Transportunternehmern, obwohl wir noch gar keine Aufträge hatten. Das erfordert viel Überzeugungsarbeit. Als wir dann schließlich operativ loslegten, standen die internen Prozesse im Vordergrund. Jeden Tag kam ein neues Thema hoch, das gelöst werden musste.

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Die Cargonexx Gründer Rolf-Dieter Lafrenz und Andreas Karanas, cargonexx.de

Wie funktioniert Cargonexx?

Wir organisieren LKW-Transporte auf einer digitalen Plattform. Mit Cargonexx können Spediteure LKW-Sendungen im Fernverkehr mit einem Klick zu aktuellen Marktpreisen vergeben. Transportunternehmen können passende Ladungen mit einem Klick akquirieren. Es war noch nie so einfach, schnell und günstig, LKW-Transporte zu organisieren.

Wer ist Eure Zielgruppe und wie erreicht Ihr sie?

Der LKW-Transportmarkt ist riesig, etwa viermal so groß wie der Werbemarkt und zwanzigmal so groß wie der Taximarkt. Es gibt in Deutschland ca. 15.000 Spediteure und 50.000 Transportunternehmen. Der Markt ist europäisch, da viele Transporte die Ländergrenzen überschreiten. In Europa fahren täglich etwa 2 Millionen schwere LKW.

Wie ermittelt Ihr die aktuellen Marktpreise?

Das war in der Tat die größte Herausforderung. Obwohl der LKW-Transportmarkt so groß ist, gibt es keinen funktionierenden Marktplatz und keine Transparenz über die Preise. Die Raten im Spotmarkt schwanken täglich und von Tour zu Tour. Wir haben einen selbst lernenden Algorithmus gebaut, der auf den Prinzipien der künstlichen Intelligenz basiert. Diesen Algorithmus trainieren wir mit Millionen von realen Tourdaten. Er wird täglich besser, die Prognosegenauigkeit steigt mit jedem Datensatz. Letztendlich lernt die künstliche Intelligenz das Erfahrungswissen der Disponenten.

Wie ist die Idee zu Cargonexx entstanden?

Ich bin gleichzeitig Partner bei Schickler, einer der führenden Unternehmensberatung für Medien- und Digitalunternehmen. Schickler betreibt einen Inkubator für digitale Geschäftsmodelle. Während eines Projektes für einen Transport-Fachverlag haben wir uns die Vermittlung von LKW-Transporten angeschaut. Schnell wurde klar, dass wir mit innovativen Technologien und Geschäftsmodellen einen Mehrwert schaffen können. Wir haben sechs Monate überlegt, bis wir den heutigen Ansatz gefunden haben. Dann haben wir eine Firma gegründet und haben losgelegt.

Was ist das Besondere an dem Startup Cargonexx?

Ich finde es besonders wichtig, dass sich die Gründer vom ersten Tag an Gedanken über ihre Wettbewerbsvorteile und USPs machen. Gerade im E-Commerce oder in den transaktionsorientierten Bereichen sind viele Ideen schön, aber leicht kopierbar oder ohne große Chance, attraktive Renditen in einem harten Wettbewerb zu erzielen. Cargonexx besitzt zwei sich selbst verstärkende Wettbewerbsvorteile, die sich sogar kombinieren. Das ist zum ersten der selbst lernende Preis-Algorithmus, der mit wachsender Datenmenge immer besser wird. Der zweite Wettbewerbsvorteil liegt in einem zweiseitigen Netzwerk aus Speditionen und Transportunternehmen. Wie bei klassischen Rubrikenmärkten gilt hier das „the winner takes it all-Prinzip“.

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Cargonexx will mit künstlicher Intelligenz den LKW-Transportmarkt revolutionieren, cargonexx.de

Hast Du direkt nach der Firmengründung Geld verdient?

Wenn man einen zweiseitigen Marktplatz aufbauen möchte, ist es sehr schwer, sofort Geld zu verdienen. Wahrscheinlich brauchen wir mehr als zwei Jahre, um profitabel zu werden. Um solche Durststrecken zu überwinden, benötigt man ein richtig attraktives Geschäftsmodell, das Investoren überzeugt, solange dabei zu bleiben. Das ist uns zum Glück bislang gelungen.

Hast Du Dich sofort Vollzeit selbstständig gemacht?

Nein, ich habe parallel in meiner anderen Firma weitergearbeitet. Wie ich schon sagte, dauern die meisten Entwicklungen länger als ursprünglich geplant. Dann ist es gut, ein zweites Standbein zu haben, sonst gibt man zu schnell auf.

Wie sieht aktuell Deine Arbeitswoche aus?

Ich arbeite viel, bestimmt 60 bis 80 Stunden. In unserer internen Aufgabenverteilung bin ich auch für den Vertrieb verantwortlich. Zwei bis drei Tage pro Woche bin ich unterwegs und besuche Kunden, halte Vorträge und knüpfe Kontakte.

Wo soll Cargonexx in 5 Jahren stehen?

Wir wollen das führende LKW-Transportnetzwerk in Europa werden. Der Markt ist riesig und unsere Ausgangsposition ist gut. Wenn wir nur ein Prozent vom Marktpotenzial erreichen, gehören wir zu den größten Start Ups Deutschlands. Doch die Größe ist nicht unser Ziel, sondern lediglich das Ergebnis unserer Arbeit. Cargonexx soll so einfach und günstig sein, dass die Kunden es lieben, weil es ihnen das Leben einfacher macht. Wenn uns das gelingt, kommt das Wachstum von allein.

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Euch und Cargonexx zu hören!

Cargonexx GmbH

Startup: Das Hamburger Logistik Start Up läutet mit künstlicher Intelligenz eine neue Ära des LKW-Transports ein: Oneclick-Trucking. Selbst lernende Algorithmen (machine learning) bestimmen Spotmarkt-Preise für LKW-Touren, die automatisch auf freie Frachtführer-Kapazitäten verteilt werden. Spediteure und Transportunternehmer sparen Zeit und Geld mit Cargonexx und gewinnen die Sicherheit, dass ihre Touren auf dem Spotmarkt vertrauensvoll durchgeführt werden. Das intelligente Matching von Ladung auf freie Kapazitäten reduziert Leerfahrten im LKW-Transport. So erzielen Transportunternehmer eine höhere Marge. Gleichzeitig sinkt das Verkehrsaufkommen mit positiven Effekten auf den Verkehr und die Umweltbelastung. Cargonexx fällt in die Kategorie „vernetzte, intelligente Mobilität“ oder „Distribution 5.0“. Gründer: Rolf-Dieter Lafrenz und Andreas Karanas