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Assam Projekt: Bio-Tee aus dem Online-Shop

27.03.2018 | Mit Hagen Kühn von Assam Projekt

Zwei Schulfreunde, der eine mittlerweile Wirtschaftsingenieur, der andere Koch, Lebensmittel- und Verpackungstechniker, beschließen 2014, ihre Tee-Leidenschaft in die eigenen Hände zu nehmen. Sie besuchen Fachmessen, testen Teesorten und entscheiden sich für Assam-Tee, biologisch hergestellt und fair gehandelt. Nach umfangreichen Recherchen über verschiedene Kanäle, Messebesuchen und eigenen Kontakten in Indien finden sie in Assam einen Ort, an dem seit sechs Generationen Assam-Tee angebaut wird. Hagen Kühn und Max Schütze gründen eine GmbH, bestellen dort mehrere Tonnen Tee und das Assam Projekt beginnt.

Herr Kühn, war das Assam-Projekt eine mutige Laune oder hatten Sie für Ihr Start-up einen Businessplan?

Natürlich war das Ganze Projekt, als wir es angingen, durchgeplant. Einfach mal so gründet man ja nicht eine GmbH und investiert eine Menge Geld in eine Firma. Jedenfalls sollte das jedem vor einer Gründung aus Eigenmitteln klar sein. Auch ein ansprechender Return of Invest (ROI) ist nicht direkt in den ersten Monaten zu erwarten. Wir begannen mit der Idee, die wir dann in der Theorie durchgeplant haben und nachdem wir den Plan in der Theorie für vollumfänglich erachtet haben galt es, diesen auch in die Tat umzusetzen. Irgendwann kommt man dann an den Punkt, an dem die Umsetzung ansteht. Gerade die vielen Fallstricke mit Behörden, Kontrollstellen, Steuer- Internet- und Wirtschaftsrecht sollten vorab recherchiert und bekannt sein, damit man eben nicht direkt zu Beginn des Projektes bereits scheitert. Das ist auch unsere Empfehlung an andere junge Gründer. Informiert euch vorher und fragt zur Not auch im Freundes- und Bekanntenkreis, wenn ihr an eure Grenzen stößt. Im Zweifel würden wir auch externe Beratung nahelegen.

Assam Projekt

Die Gründer des Assam Projekts (v.l.): Hagen Kühn und Max Schütze ©Klaus Lange für das Assam Projekt, assam-projekt.de

Wie fanden Sie für Ihren Fernhandel mit Indien die richtigen Partner für Produktion, Transport und Vertrieb?

Das war in der Tat eines der schwierigsten Unterfangen bei der Gründung des Unternehmens. Nachdem die Theorie soweit gepasst war und es an die Umsetzung gehen sollte, war es besonders schwer, direkten Kontakt generell nach Indien zu Produzenten vor Ort herzustellen. Diese Plantagen unterhalten in der Regel ja keine Verkaufs- oder Kontaktstellen in aller Herren Länder.
Wir recherchierten, wo der beste Assam tatsächlich hergestellt wird und nutzen dann alle Möglichkeiten, an die Plantagenbesitzer heranzutreten.
Für unseren aktuellen Partner spricht die generelle Einsicht, dass nachhaltige Bewirtschaftung und faire Entlohnung langfristig einfach insgesamt zu einem besseren Umfeld in der Produktion führt und sich das auch im steigenden Interesse der Verbraucher und deren Sensibilisierung wiederspiegelt. Der Kunde ist bereit für ein gutes und fair gehandeltes Produkt einen angemessenen Betrag zu bezahlen. Daher ist auch die Rückverfolgbarkeit für unsere Kunden wichtig damit Sie wissen, was Sie tatsächlich in der Tasse haben.

Bio und Fair Trade klingt in Deutschland schon fast selbstverständlich. Folgen Ihre Partner in Indien den gleichen Standards?

Natürlich muss eine Zertifizierung von der Produktion bis in den Einzelhandel Kontrollen komplett durchlaufen. Andernfalls würde das Produkt sofort seine Zertifizierung verlieren. Hier ist es beispielsweise bei der Einfuhr in die EU besonders wichtig, die Freigabe durch den Zoll zu erhalten, da ansonsten der Tee nur noch als konventionelle Ware angeboten werden dürfte.

Für uns stand von Anfang an bei der Wahl der Partner für unser Projekt fest, dass gewisse Zielprämissen eingehalten werden müssen und dazu zählte auch, dass wir nur biologisch angebauten und fair gehandelten Tee beziehen werden. Macht man sich einmal bewusst, was alles in der Tasse ist, wenn Pestizide und Herbizide zum Einsatz kommen und was das für Auswirkungen auf die Arbeiter und auch das gesamte Ökosystem der teils riesigen Teegärten bedeutet, dann möchte man doch keinen konventionellen Tee mehr trinken. Zumindest ist das unser Gedanke und wir scheinen hier ja auf sehr gutem Wege zu sein, was sich durch hohen Zuspruch des Verbrauchers und gute Umsatzzahlen widerspiegelt.

Mit der Second Flush-Ernte SFTGFOP1 bieten Sie nur die beste Assam-Variante an. Wie tasten sich zwei Quereinsteiger an dieses Fachgebiet heran und können Sie auf der Tonganagaon-Plantage beurteilen, ob Qualität und Herstellungsbedingungen Ihren Anforderungen entsprechen?

Eine unserer weiteren Zielprämissen war, den Konflikt von Qualität und Preis zu reduzieren. So fragt man sich doch schnell, warum man im Einzelhandel sonst für einige Gramm Tee in akzeptabler Qualität einen hohen Preis zahlen soll. Durch den Fokus auf eine Sorte lässt sich das natürlich durch eine große Einkaufsmenge noch weiter optimieren. Wir sind ja auch nicht komplett neu eingestiegen in den Tee, sondern haben uns vorher schon eingehend damit beschäftigt, da wir auf gute Qualität generell einen hohen Wert legen. Wenn Sie dann nach einigen Dutzend Tea Tastings sich letzten Endes für ein Produkt entscheiden, spielen natürlich viele Faktoren eine entscheidende Rolle und der Geschmack lässt sich hier doch deutlich differenzieren, auch beim gleichen Produkt. Die Anforderungen könnten unserer Meinung nach weiter angehoben werden, allerdings muss der Kunde auch bereit sein, dafür zu bezahlen. Die Grundanforderungen werden unter anderem durch die regelmäßig stattfindenden Kontrollen sichergestellt und letztendlich durch die Qualitätskontrolle bei uns in der Tasse.

Lagerung und Verpackung des Tees übernehmen die Berliner Mosaik-Werkstätten für Behinderte. Welche sozialpolitische Verantwortung verbinden Sie mit dem Assam-Projekt?

Auch das war für uns ein zentrales Anliegen, auch aus persönlichen Gründen. Wir möchten die Arbeit der Werkstatt fördern und finden den Ansatz einfach super. mit Behinderung eine Teilhabe zu ermöglichen und Ihnen Wertschätzung entgegenbringen. Wenn Sie einmal in einer solchen Werkstatt beim Tag der offenen Tür waren, dann können Sie das sicher leicht nachvollziehen. Und wir möchten damit unseren Teil der sozialen Verantwortung hier in unserem Heimatland erfüllen.
Mit der Mosaik Werkstatt verbindet uns mittlerweile eine enge Partnerschaft, wir sind stolz darauf und wollen eben das auch nach außen kommunizieren.

Sie sind in einer Branche tätig, die von großen Anbietern dominiert wird. Spüren Sie die Konkurrenz oder ist Ihr Online-Vertrieb eine konfliktfreie Nische?

Natürlich gibt es Konkurrenz und natürlich wissen wir davon. Unser Ansatz ist aber ein völlig anderer. Beste Qualität zu guten Preisen. Suchen Sie das mal bei der Konkurrenz. Das mag vielleicht abgehoben klingen, aber wir haben das vermisst auf dem Teemarkt und sind ja unter anderem deswegen in den Markt gestartet. Gerade das viele positive Feedback unserer Kunden bestärkt uns in unserem Handeln und wir freuen uns sehr darüber.
Wir werden das Prinzip demnächst auch auf eine weitere Sorte Tee anwenden und sind auf das Feedback unserer Kunden gespannt.

Ihr Tee schmeckt hervorragend, kann mit gutem Gewissen getrunken werden und ist vergleichsweise günstig. Ist der Direktvertrieb Ihr Erfolgsrezept oder könnten Sie diese Qualität zu ähnlichen Preisen auch im Einzelhandel anbieten?

Sicher lässt sich das Produkt auch im Supermarkt anbieten, allerdings kommt dann natürlich ein weiterer Vertriebsweg hinzu, welcher ja an Geschäft beteiligt werden muss und somit das Produkt unnötig teurer macht. Und ein Tee-Einzelhandel an der nächsten Ecke muss ebenfalls andere Preise kalkulieren, da er ein Ladengeschäft betreibt und viel geringere Mengen von einer Sorte einkauft als wir, dafür aber einige hundert Sorten auf Lager vorhalten muss. In weiten Teilen kann natürlich aber der Verbraucher selbst bestimmen, was er kaufen mag und damit natürlich auch den Markt im Ganzen beeinflussen.

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Teeplantage: nur die feinsten Teeblätter für Second Flush, Fotolia ©dbunn

Seit Februar 2018 haben Sie auch Earl Gray-Tee im Angebot, natürlich Bio und Fair Trade. Das klingt nach skalierbarem Erfolgsmodell. Erschließen Sie nun eine Handelskette nach der anderen, vielleicht als nächstes Darjeeling?

Earl Grey ist für uns der nächste logische Schritt. Nicht nur, weil wir ihn selbst gerne Trinken, sondern weil er auf der gleichen Sorte Tee aufbaut. Im Endeffekt veredeln wir nur den Tee, den wir sowieso schon verkaufen. Hierzu nehmen wir nur feinste Zutaten und alle auch aus biologisch kontrolliertem Anbau, was keine Selbstverständlichkeit ist. Gerade diese hohe Qualität im Einkauf garantiert uns dann auch ein hervorragendes Endprodukt am Markt, wofür die Kunden bereit sind, einen angemessenen Preis zu bezahlen.
Eine komplett andere Sorte ist natürlich nicht auszuschließen, aktuell allerdings nicht in unserer Pipeline.

Ab wann wird ein Gründer-Projekt zu einem Unternehmen? Haben Sie noch Zeit für andere Tätigkeiten und wieviel Gründerneugier bleibt im Geschäftsalltag erhalten?

An und für sich schon bereits in der Planung zur Gründung. Gerade hier befasst man sich doch sehr intensiv mit der Materie und dabei wechselt das Ganze dann auch die Phase vom reinen interessenbasierten Hobby zum professionellen Geschäft.

Welche Tipps können Sie anderen Existenzgründern und Start-ups geben? Worauf sollten Sie unbedingt achten, welche Anfängerfehler vermeiden?

Wie oben bereits erwähnt, sollte eine gute Planung die Grundvoraussetzung sein. Darüber hinaus sollte das Endprodukt dann auch tatsächlich in der Lage sein, einen gewissen Umsatz zu generieren, um das zu tragen. Hier sollte man realistisch und zurückhaltend kalkulieren. Unserer Erfahrung nach benötigt es einen langen Atem, bis zum gewünschten und gesetzten Ziel zu gelangen. Idealerweise sollte man mit Zwischenzielen Etappen meistern. Das hält auch die eigene Einsatzbereitschaft durchgehend hoch. 

Herzlichen Dank für das Interview! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und freuen uns jetzt schon darauf Neues von Dir und Assam Projekt zu hören!

Assam Projekt

Unternehmen: Das Berliner Assam Projekt besteht aus den Schulfreunden Hagen Kühn und Max Schütze, beide Geschäftsführer der Assam Projekt K+S GmbH. 2014 machten Sie ihre Teeleidenschaft zum Beruf: einmal im Jahr nach der Second Flush-Ernte transportiert ein LKW den feinen Assam Tee vom nordostindischen Teegarten Tonganagaon nach Kalkutta. Per Schiff erreicht der Tee Wochen später Hamburg und wird schließlich in den gemeinnützigen Berliner Mosaik-Werkstätten für den Online-Versand verpackt. Seit Februar 2018 vertreibt das Assam-Projekt auch Earl Grey Tee über seinen Online-Shop. Gründer: Hagen Kühn und Max Schütze Homepage: https://assam-projekt.de