Home » News » Gründertipps » Krisen-Know-how: Corona-Pandemie und Selbstständigkeit

Krisen-Know-how: Corona-Pandemie und Selbstständigkeit

Wer kurz vor oder während der Krise sein eigenes Business ins Leben gerufen hat, wird es in diesen Tagen oft nicht leicht haben. Das gilt vor allem für Unternehmen im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Hotellerie oder im Veranstaltungsbereich. Corona hat diese Unternehmen ziemlich hart getroffen und die beiden Lockdowns seitens der deutschen Politik haben die Lage nicht einfacher gemacht. Es hilft leider nicht, denn es geht immerhin um Menschenleben. Also müssen sich Selbstständige anderweitig behelfen. Deshalb haben wir einige Tipps auf die Beine gestellt, um sich in diesen Zeiten als Selbstständiger über Wasser zu halten und handlungsfähig zu bleiben.

Liquidität sicherstellen

Die eigene Liquidität während der Corona-Krise zu bewahren, ist für Gründer mit Abstand das Wichtigste. Um die Übersicht zu behalten, sollten Selbstständige spätestens jetzt einen Liquiditätsplan erstellen oder existierende Pläne prüfen und gegebenenfalls überarbeiten.

Nachdem nun Klarheit über die Ist-Situation besteht, gilt es zu überlegen, welche finanziellen Verbindlichkeiten später bezahlt werden können und wo sich Einsparungspotenziale verstecken. Lassen sich beispielsweise laufende Kosten einfrieren, wenn die laufenden Geschäfte aktuell ohnehin stillstehen. Auch ein Überbrückungskredit kann eine Option sein, ebenso wie die Senkung oder Stundung der Miete für Geschäftsräume. Weiterführende Informationen stellt in diesem Zusammenhang die Bundesregierung auf ihrer Webseite zur Verfügung.

Weitere Maßnahmen sind die Vereinbarung von Ratenzahlungen oder die Stornierung aller Buchungen, bei denen das möglich ist. Es kommt darauf an, eine Zahlungsunfähigkeit um jeden Preis zu vermeiden, denn sie ist oft der erste Schritt in die Insolvenz. Eine gründliche Überprüfung der finanziellen Situation ist also essenziell.

Krisen-Know-how Corona-Pandemie und Selbstständigkeit

Krisen-Know-how: Corona-Pandemie und Selbstständigkeit, Bildquelle: pixabay.com/de/photos/planung-planen-anpassung-620299/

Weitere Einnahmequellen ausfindig machen

Jetzt ist es wichtig, sich auf die Suche nach zusätzlichen oder neuen Einnahmequellen zu begeben. Dabei können sich Gründer von anderen Unternehmen inspirieren lassen: Restaurants zum Beispiel, die innerhalb kürzester Zeit einen Lieferservice auf die Beine gestellt haben, oder selbstständige Berater, die ihre Dienstleistung jetzt primär als Videoberatung anbieten. Produktionsbetriebe haben, wo es möglich war ihre Fertigung so umgestellt, dass dringend gebrauchte medizinische Artikel, wie etwa Masken, hergestellt werden konnten.

Dabei ist es ratsam, über den Tellerrand zu schauen: Einige Branchen sind von den Folgen der Pandemie weniger betroffen als andere. Dazu gehören unter anderem der Medizin- und Pflegebereich, die Biotech-Szene, E-Commerce und Remote Learning. Wer seinen Businessplan in Richtung einer dieser Bereiche ändert oder adaptiert, kann seine Situation trotz Krise verbessern.

Außerdem sollte man sich nicht davor scheuen, Finanzhilfen für Solo-Selbstständige und Unternehmen in Anspruch zu nehmen. Sie werden sowohl vom Bund als auch von den Ländern zur Verfügung gestellt. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass aufgrund der hohen Nachfrage solche Hilfen erst mehrere Wochen oder sogar Monate nach Beantragung auf dem Konto eingehen können. Das gilt es also bei der weiteren finanziellen Planung ebenfalls zu berücksichtigen.

Versorgung im Krankheitsfall absichern

Krise oder nicht – der Erhalt der eigenen Arbeitskraft ist für Selbstständige besonders wichtig. Angestellte Arbeitnehmer haben im Krankheitsfall in der Regel Anspruch auf sechs Wochen Lohnfortzahlung. Danach zahlt die gesetzliche Krankenkasse Krankengeld, maximal 72 Wochen lang. Freiberufler und Selbstständige müssen sich selbst bei einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse absichern. Eine private Krankentagegeldversicherung kann beispielsweise greifen, wenn eine Krankschreibung infolge einer Infektion durch das Corona-Virus erfolgt.

Das Finanzdienstleistungsunternehmen Swiss Life, die Konzernmutter von Swiss Life Select, weist auf einer Weboffice-Seite für Vertriebspartner auf die Krankenvollversicherung für Selbstständige hin. Je nach Bedarf und Angebot der Versicherer lässt sich mit ihr ein individueller Versicherungsschutz für den Krankheitsfall zusammenstellen. Swiss Life arbeitet bei diesem Versicherungsangebot mit Kooperationspartnern wie der Allianz, dem Deutschen Ring und der Signal Iduna zusammen.

Neben einer Krankenversicherung sollten auch Vorkehrungen gegen eine mögliche Berufsunfähigkeit getroffen werden. Die ist nämlich oft wahrscheinlicher als man vermuten mag. Statistisch gesehen wird nämlich jeder Vierte irgendwann im Laufe seiner Karriere einmal berufsunfähig. Die Gründe können unter anderem psychischer Natur sein oder auch vom Bewegungsapparat oder vom Skelett ausgehen. Deshalb ist es sinnvoll eine entsprechende Versicherung abzuschließen. Sie sollte etwa 75 bis 80 Prozent des aktuellen Nettogehalts abdecken, um den aktuellen Lebensstandard weiterhin halten zu können.

Visionär denken – vor der Krise ist nach der Krise

Eines steht fest: Covid-19 verändert unsere Gesellschaft dauerhaft. Jetzt ist es an der Zeit, Trends rechtzeitig wahrzunehmen. Welche Vertriebskanäle werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen und welche nicht? Welche Produkte und Dienstleistungen sind nach der Krise besonders begehrt?

Wenn uns die Pandemie eines gelehrt hat, dann dass wir insgesamt digitaler werden müssen. Ein gutes Beispiel ist das Thema Homeoffice. Vor zwei Jahren konnte sich wahrscheinlich niemand vorstellen, dass wir in den Jahren 2020 und 2021 etwa 25 Prozent aller Menschen in Deutschland von zuhause aus arbeiten. Die Digitalisierung ist hier die Zukunft und spätestens jetzt sollte man als Selbstständiger darüber nachdenken, sein Unternehmen so digital wie nur irgend möglich auszulegen.

Wer sich danach richtet und seine Geschäftsprozesse dahingehend optimiert, kann bereits während der Pandemie den Grundstein legen, um danach als Gewinner aus der Krise hervorzugehen.

Semra Dindas

Semra Dindas ist als freiberufliche Texterin und Autorin tätig. Sie studierte Internationale Betriebswirtschaft in Wien und verfasst heute maßgeschneiderte Webtexte, Ratgeber und wissenschaftliche Texte. Ihr Fachwissen liegt in den Bereichen Unternehmensgründung, Marketing, Finanzierungen, Recht, Geschäftsideen und alles rund um das Thema Selbstständigkeit. Seit 2020 ist sie für Selbststaendigkeit.de tätig und veröffentlicht wöchentlich Beiträge für das Onlineportal.