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Homeoffice oder Büro: Diese Vor- und Nachteile sollte man bedenken

Die Corona-Krise hat dem Homeoffice offenbar endgültig zum Durchbruch verholfen. Allerdings ist diese Situation nicht ohne weiteres auf die Zukunft anwendbar, denn viele Heimarbeitsplätze wurden nur behelfsmäßig improvisiert. Doch auch im Homeoffice gibt es Standards und Gesetze, an die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer halten müssen. Welche Vorteile und Nachteile das Homeoffice im Vergleich zum Büro mit sich bringt, beleuchten wir jetzt etwas genauer.

Heimarbeit wird immer beliebter – auch bei den Arbeitgebern

Lange Zeit wehrten sich vor allem viele mittelständische Arbeitgeber gegen die Einführung von Heimarbeitsplätzen. Durch die innerbetriebliche Digitalisierung sind die technischen Voraussetzungen in den meisten Betrieben gegeben. Dennoch bleiben viele Chefs skeptisch, weil sie fürchten, die Kontrolle zu verlieren. Wie kann man den Leistungs- und Arbeitsnachweis sicherstellen und welche Kosten kommen überhaupt auf den Betrieb zu?

Tatsächlich steht auf der Kostenseite oft eine erhebliche Einsparung für die Arbeitgeber. Sofern Homeoffice zum Dauerzustand wird, können Büroarbeitsplätze nachhaltig eingespart werden. Dem gegenüber stehen vergleichsweise geringe Investitionen für den Heimarbeitsplatz des Arbeitnehmers. Mit einem Laptop und Internetanschluss ist es allerdings nicht getan. Der Arbeitgeber hat auch im Homeoffice die Pflicht, für eine adäquate Arbeitsplatzgestaltung zu sorgen, die den Vorgaben des Arbeitsrechts und des Gesundheitsschutzes entsprechen. Die permanente Arbeit am Küchentisch oder auf dem Sofa entspricht nicht diesen Standards, weswegen Bürostuhl, Schreibtisch und weitere Arbeitsausrüstung vom Arbeitgeber zu stellen sind.

Homeoffice oder Büro: Diese Vor- und Nachteile sollte man bedenken

Homeoffice oder Büro: Diese Vor- und Nachteile sollte man bedenken, Bildquelle: pixabay.com/de/photos/homeoffice-sofa-laptop-quarant%C3%A4ne-4954211/

Auch die Sicherheit steht auf dem Spiel

Im Homeoffice ändern sich auch die Spielregeln für die Sicherheit. Teure Folgen kann es beispielsweise haben, wenn der Arbeitnehmer nebenbei im Haushalt arbeitet und dort einen Unfall hat. Das gilt nicht nur für offensichtlich arbeitsfremde Tätigkeiten wie Fensterputzen, sondern auch schon für den kochend heißen Kaffee, den man sich über die Hände kippt. Im firmeneigenen Büro würde das bereits als Arbeitsunfall zählen. Hier muss der Arbeitnehmer also gegebenenfalls selbst Vorsorge treffen.

Doch was ist eigentlich mit Sicherheitsstandards und vertraulichen Unterlagen der Firma? Während im Büro bestimmte Anforderungen für Sicherheitszertifizierungen zum Alltag gehören, finden sich beim Homeoffice wichtige und vertrauliche Papiere schon mal auf dem Wohnzimmertisch. Auch hier muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass der Arbeitnehmer einen abschließbaren Aktenschrank in einem separaten, abschließbaren Raum bekommt, um seiner Sorgfaltspflicht nachkommen zu können. Und hier stößt das Homeoffice schnell an die Grenzen, weil das längst nicht in allen Wohnungen umsetzbar ist.

Homeoffice geht nur mit Selbstdisziplin

Ein großer Vorteil der Heimarbeit ist, dass im Homeoffice nicht ständig jemand auf die Finger des Arbeitnehmers schaut und sich die Zeit mehr oder weniger frei einteilen lässt. Diese Flexibilität ist tatsächlich einer der Hauptgründe für Arbeitnehmer, im Homeoffice tätig zu sein. Für die meisten Arbeitgeber ist das auch in Ordnung, solange die vorhandenen Aufgaben pünktlich und fachgerecht erledigt werden. Die Flexibilität macht es aber bisweilen auch schwierig, Mindestarbeitszeiten einzuhalten oder sich überhaupt zur Arbeit zu motivieren. Kinderbetreuung hier, Einkaufen dort – wer im Homeoffice arbeitet, muss die Regeln für die Disziplin selbst aufstellen und einhalten, um das erforderliche Pensum zu schaffen. Die eigene Karriere kann ebenfalls leiden, wenn das Homeoffice noch die Ausnahme im Betrieb ist. Dann verschwindet man nämlich aus dem Blickfeld der Vorgesetzten, wird quasi abgekoppelt vom Betriebsalltag und die gute Arbeitsleistung wird eher den Anwesenden vor Ort zugeschrieben. Allerdings sollte dadurch auch nicht der Fall eintreten, dass der Arbeitgeber den Mitarbeiter im Homeoffice zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit als verfügbare Arbeitskraft versteht. Die Regelungen, die sich aus Arbeitsvertrag und Arbeitsrecht ergeben, gelten auch im Homeoffice. 

Homeoffice inmitten der Freizeitumgebung – kann das gutgehen?

Fachleute sehen ein Problem bei der Selbstdisziplinierung, weil das Homeoffice in der Regel im privaten Haushalt eingerichtet wird, wo der Arbeitnehmer seine Freizeit verbringt. Sich mal eben auf die Couch zu legen, den Fernseher einzuschalten oder mit dem Nachbarn zu plaudern kann dann schnell zu Versäumnissen bei der Arbeit führen. Daher ist es auch im Homeoffice wichtig, klare Strukturen zu schaffen. Konkret bedeutet das, nach Möglichkeit einen festen Arbeitsplatz einzurichten, der frei von Ablenkungen und Störungen bleibt.

Homeoffice oder Büro: Diese Vor- und Nachteile sollte man bedenken

Das Homeoffice wird zur Normalität, Bildquelle: pixabay.com/de/photos/homeoffice-office-b%C3%BCro-arbeit-5190504/

Klare Regeln für das Homeoffice vereinbaren

Insbesondere für Homeoffice-Nutzer mit Kindern ist das eine Herausforderung. Zweifellos bieten die zeitliche Flexibilität und der Wegfall von Arbeitswegen große Vorteile für das Management der Kinderbetreuung. Man kann die Kinder in Ruhe für Kita oder Schule vorbereiten, gemeinsam frühstücken und nebenbei die eine oder andere Hausarbeit erledigen. Fällt jedoch die Kita aus oder kommen die Kinder aus der Schule, fordern sie Aufmerksamkeit und Zuwendung – und das ist mit dem Homeoffice nur schwer zu vereinbaren. Sieht man von Extremsituationen ab, wie sie bei der Corona-Krise durch Homeschooling und Kitaschließungen auftraten, lässt sich das allerdings in den meisten Fällen regeln. Bewährt hat sich folgende Ansage für die Familie: Sobald die Eltern am Homeoffice-Platz sitzen und arbeiten, befinden sie sich „an der Arbeit“ und sind ebenso wenig ständig verfügbar wie im echten Büro. Dies sollte man auch Nachbarn und Freunden klar machen, die allzu gerne davon ausgehen, dass man Zeit habe, weil man ja sowieso daheim sei.

Fazit: Das Homeoffice wird zur Normalität

Die Arbeit vom heimischen Büroplatz aus wird in vielen Unternehmen bald zum Standard gehören. Einsparungen am Bürostandort kommen dem Arbeitgeber zugute, der allerdings umgekehrt für entsprechende Investitionen im Homeoffice sorgen muss. Ausstattung und Arbeitsumgebung müssen den arbeitsrechtlichen Standards entsprechen. Die zeitliche Flexibilität und Möglichkeit, Kinderbetreuung mit einem aktiven Arbeitsleben zu vereinbaren, sind für Arbeitnehmer interessant. Am Ende funktioniert das aber nur, wenn die erforderliche Selbstdisziplin und genügend Eigenmotivation aufgebracht werden können.

Hanno Steiger

Hanno Steiger ist langjähriger Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Interimsmanagement und Unternehmensfinanzierung. Er sammelte ebenso fundierte Erfahrungen in der Beratung von Unternehmen und Unternehmern bei Corporate Finance Transaktionen und Restrukturierungen (M&A, Finanzierung, Restrukturierung, Rating Advisory, Due Diligence, LBO). Hanno Steiger ist Inhaber der Steiger Unternehmensberatung.