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Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbstständige: Auswahltipps und Besonderheiten

Für viele Selbstständige sind ihre beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten die Grundlage für das Einkommen und den gewohnten Lebensstandard. Aber was würde passieren, wenn Sie aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls Ihren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben könnten?

Das Risiko der Berufsunfähigkeit

Wenn Sie als Betriebsinhaber berufsunfähig werden, können Sie eventuell das eigene Unternehmen so umorganisieren, dass qualifiziertes Personal die bisher selbst erledigten Aufgaben übernimmt und Sie dafür andere, die Ihr Gesundheitszustand erlaubt. Das ist aber nicht immer möglich und meist mit finanziellen Einbußen verbunden. Eine weitere Alternative könnte darin bestehen, dass Sie sich beruflich vollkommen neu orientieren. Meist hat das die Aufgabe des Unternehmens zur Folge. Aber es ist vor allem im fortgeschrittenen Alter nicht einfach, in einem neuen Bereich Fuß zu fassen. Der materielle Lebensstandard lässt sich in so einer Situation ebenfalls selten halten, was besonders kritisch ist, wenn noch Darlehen abzuzahlen sind.

Je qualifizierter und spezialisierter die bisherige Berufstätigkeit war, desto mehr Einbußen müssen Sie hinnehmen. Im schlimmsten Fall schaffen Sie es nicht, eine neue eigene Existenz aufzubauen und finden auch keine Arbeitsstelle, sodass nur die Grundsicherung bleibt. Das ist vor allem vor dem Hintergrund bedenkenswert, dass nicht selten psychische Erkrankungen zur Berufsunfähigkeit führen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann solche Situationen finanziell abfedern. Im Ernstfall erhalten Sie für die Dauer Ihrer Berufsunfähigkeit eine Rente, deren Höhe Sie bei Vertragsabschluss vereinbaren. Falls notwendig, wird diese bis zum Auslaufen des Vertrags gezahlt, was meist mit dem Eintritt in die Altersrente der Fall ist.

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Je qualifizierter und spezialisierter die bisherige Berufstätigkeit war, desto mehr Einbußen müssen Sie hinnehmen, Selbststaendigkeit.de

Unterschied zur Erwerbsunfähigkeit

Verwechseln Sie die Berufsunfähigkeit nicht mit der Erwerbsunfähigkeit. Die Berufsunfähigkeit bezieht sich auf Ihren konkreten Beruf. Erwerbsunfähigkeit besteht hingegen erst dann, wenn Sie überhaupt nicht mehr oder nur noch in sehr geringem Umfang erwerbstätig sein können. Wenn z. B. ein Feinmechaniker an Parkinson erkrankt, ist er berufsunfähig, aber nicht erwerbsunfähig, da er theoretisch noch andere Erwerbstätigkeiten ausüben könnte.

Falls Sie zu den relativ wenigen Selbstständigen gehören, die gesetzlich rentenversichert sind, erhalten Sie zumindest im Fall der Erwerbsunfähigkeit eine Rente, sofern Sie innerhalb der vorangegangenen fünf Jahre 36 Monate lang versichert waren. Das betrifft bestimmte Berufsgruppen, z. B. einige freie Berufe und Handwerker. Die Höhe hängt von den bis zu diesem Zeitpunkt erworbenen Ansprüchen ab, wobei keine Summen erreicht werden, mit denen sich der Lebensstandard halten lässt. Nur falls Sie vor 1962 geboren sind, haben Sie auch Anspruch auf eine Berufsunfähigkeitsrente. Die meisten Selbstständigen sind jedoch nicht gesetzlich rentenversichert, sodass diese Optionen im Ernstfall nicht gegeben sind.

Das beeinflusst den Beitrag

Die Höhe der Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung hängt von fünf Faktoren ab. Das sind die Rentenhöhe, die Vertragslaufzeit, der Beruf sowie Ihr Alter und Gesundheitszustand bei Vertragsbeginn. Die Höhe der Rente können Sie individuell vereinbaren. Falls die Versicherung Dynamisierungen anbietet, sind während der Vertragslaufzeit inflationsausgleichende Erhöhungen der Rente sowie der Beiträge möglich. Wenn Sie diese nicht in Anspruch nehmen, bleiben die Beiträge weitestgehend konstant. Eventuell ist eine Erhöhung bis zu einem ebenfalls zu vereinbarenden Bruttobeitrag möglich, falls die Versicherung weniger erfolgreich wirtschaftet.

Je länger der Vertrag läuft, desto höher ist der Beitrag. Sie können ihn auch vor dem Erreichen der Altersrente auslaufen lassen, falls sich die letzten Jahre im Ernstfall finanziell anderweitig überbrücken lassen. Die Art Ihres Berufs hat einen großen Einfluss auf den Beitrag oder die Möglichkeit, überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen zu können. Dabei bewerten die einzelnen Versicherer die Risiken einzelner Berufe unterschiedlich, sodass sich ein Vergleich lohnt. Was den Einfluss Ihres Alters und Ihres Gesundheitszustandes angeht, so ist der Zeitpunkt des Vertragsschlusses ausschlaggebend. Die Beiträge sind deshalb tendenziell umso niedriger, je jünger und gesünder Sie bei Abschluss des Vertrages sind.

Zum Zweck der Gesundheitsprüfung müssen Sie Fragen beantworten. Gehen Sie dabei sehr sorgfältig vor. Nehmen Sie möglichst die Hilfe Ihres Hausarztes in Anspruch und fordern Sie eventuell bei Ihrer Krankenversicherung und bei allen Ärzten, die Sie behandelt haben, Kopien Ihrer Krankenakten der letzten zehn Jahre an. Der Versicherer wird im Fall eines Antrages auf Berufsunfähigkeitsrente diese Unterlagen prüfen. Falls er Abweichungen zu Ihren Angaben feststellt, kann er die Leistung verweigern. Zur Gesundheitsprüfung gehören neben Ihrer Krankengeschichte auch Fragen darüber, ob Sie rauchen oder ein riskantes Hobby ausüben.

Besonderheit für Selbstständige – die Umorganisationsklausel

Falls der Versicherungsfall eintritt, müssen Sie einen Leistungsantrag stellen. Der Versicherer wird gründlich prüfen, ob Ihr Antrag berechtigt ist, was oft mehrere Monate in Anspruch nimmt. Als Indizien für die Berufsunfähigkeit gelten in den meisten Fällen, dass Sie entweder mehr als sechs Monate nicht in der Lage sind, Ihren Beruf auszuüben, oder dass Ihr Arzt Berufsunfähigkeit feststellt. Das bedeutet, dass Sie weniger als die Hälfte Ihrer bisherigen beruflichen Aufgaben bewältigen können.

Ihr Arzt oder Ihre Ärzte müssen die Berufsunfähigkeit ausführlich begründen. Zusätzlich sind umfassende Angaben über Ihre berufliche Tätigkeit erforderlich. Eine Besonderheit für Selbstständige, die einen höheren Aufwand bei der Beantragung mit sich bringt, ist dabei die Umorganisationsklausel. Diese ist in den Vertragsbedingungen vieler, aber nicht aller Versicherungen zu finden. Entsprechend dieser Klausel zahlt die Versicherung nur, wenn Sie Ihren Betrieb nicht auf wirtschaftlich sinnvolle Weise so umorganisieren können, dass Sie weiterhin in zumutbarer Weise beschäftigt bleiben. Zum Beispiel könnten Angestellte Ihre bisherigen Aufgaben übernehmen und Sie gehen einer anderen Arbeit nach.

Was als zumutbar und wirtschaftlich angemessen gilt, ist bei den einzelnen Versicherungsgesellschaften mehr oder weniger konkret geregelt. Oft erwarten die Versicherer keine Umorganisation, wenn Sie dadurch mehr als 20 Prozent weniger verdienen würden, wenn in Ihrem Unternehmen nicht mehr als fünf Personen arbeiten oder wenn Sie Akademiker sind und hauptsächlich organisatorische Aufgaben erfüllen.

Berufs­unfähigkeits­versicherung

Die Berufs­unfähigkeits­versicherung gehört zu den wichtigen Policen. Bildquelle: 153987764/shutterstock.com

Weitere wichtige Vertragsklauseln

Achten Sie beim Prüfen der Bedingungen für Ihre BU-Versicherung auf bestimmte Klauseln. Wichtig ist der Verzicht auf abstrakte Verweisung. Denn sonst bekommen Sie im Versicherungsfall keine Rente, wenn Sie in einem gleichwertigen Beruf arbeiten könnten. Günstig ist es ebenfalls, wenn rückwirkende Leistungen vereinbart werden. Dann erhalten Sie die Rente ab dem Beginn der tatsächlichen Berufsunfähigkeit, auch wenn die Prüfung des Anspruchs sehr lang dauert.

Der Berufsunfähigkeit geht meist eine ärztlich festgestellte Arbeitsunfähigkeit voraus. Sofern der Krankengeldanspruch Gegenstand Ihrer privaten oder freiwilligen Krankenversicherung ist, erhalten Sie zunächst diese Leistung. Sofern Ihr BU-Versicherungsvertrag eine AU-Klausel enthält, wird die Berufsunfähigkeitsrente bereits nach sechs Monaten ununterbrochener Arbeitsunfähigkeit gezahlt.

Liliya Mosoryk

Liliya Mosoryk

Liliya Mosoryk ist als Autorin und Bloggerin tätig. Zu ihren Themenschwerpunkten gehören insbesondere Beiträge rund um die Selbstständigkeit – von Geschäftsideen, Marketing, Organisation, Finanzen bis zu gesetzlichen Neuerungen. Seit 2017 ist sie für Selbststaendigkeit.de tätig und veröffentlicht wöchentlich Beiträge für das Onlineportal.