Was kostet Franchise: Kosten und Franchisegebühren auf einen Blick [inkl. Beispiele]

Eine Besonderheit des Franchising und ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl des Systems sind die Franchisegebühren. Für diese zusätzlichen Kosten können Sie bestimmte Leistungen des Franchisegebers erwarten. Erfahren Sie, wie sich diese Gebühren zusammensetzen und mit welchen weiteren Ausgaben Sie bei einer Franchise-Gründung rechnen müssen.

Inhaltsverzeichnis

Franchise und Kosten: Diese Gebühren sind üblich

Franchise ist eine attraktive und relativ risikoarme Möglichkeit, als Unternehmer zu starten. Sie übernehmen ein erprobtes Konzept und erhalten umfassende Unterstützung vom Franchisegeber. Allerdings kosten diese Vorteile Geld, wobei Sie mit folgenden Franchisegebühren rechnen müssen:

  • Einstiegsgebühr: Sie fällt einmalig beim Einstieg in das Franchisesystem an.
  • Laufende Franchisegebühren: Diese sind laufend, meist monatlich, zu zahlen.
  • Werbegebühren: Diese ebenfalls laufenden Gebühren verwendet der Franchisegeber zweckgebunden für zentrale Werbemaßnahmen .
  • Verdeckte Gebühren: Diese können den Gewinn des Franchisenehmers schmälern, obwohl sie nicht direkt als Franchisegebühren ausgewiesen werden.

Zusätzlich müssen Sie, wie auch bei jeder anderen Existenzgründung, Anfangsinvestitionen tätigen. Je nach Konzept kann es sich dabei zum Beispiel nur um eine Büroeinrichtung, aber auch um ganze Immobilien oder hochwertige Geschäftsausstattungen handeln.

Einstiegsgebühr: Einmalzahlung beim Start

Die umfangreichste Unterstützung vom Franchisegeber erhalten Sie zu Beginn, wenn Sie in das System einsteigen. Deshalb ist dafür in den meisten Fällen eine einmalige Einstiegsgebühr, auch Eintrittsgebühr genannt, fällig. Je nach Franchisesystem werden damit folgende Leistungen des Franchisegebers abgedeckt:

  • Überlassung der Nutzungsrechte
  • Franchise-Handbuch
  • Basisschulung
  • Start-up-Begleitung inklusive betriebswirtschaftlicher Beratung
  • Standortanalyse
  • Einbindung in vorhandene Strukturen (z. B. IT, Logistik)
  • Gegebenenfalls Kosten für bestimmte Ausstattungsgegenstände

Der Deutsche Franchiseverband (DFV) hat in einer Studie untersucht, welche Eintrittsgebühren 2018 üblich waren. Von den repräsentativ befragten Unternehmen zahlten als Einstiegsgebühren:

  • 38 % bis 5.000 €
  • 19 % 5.001 – 10.000 €
  • 38 % 10.001 – 50.000 €
  • 5 % über 50.000 €

Franchisegebuehren Verteilung der Einstiegsgebuehren 2021

Die Höhe der Einstiegsgebühr hängt im Wesentlichen von der Komplexität des Konzepts und vom Umfang der gebotenen Dienstleistungen beim Start ab. Die folgende Tabelle zeigt einige Beispiele aus unterschiedlichen Branchen.

Franchise-Unternehmen

Branche Unternehmenszweck Einstiegsgebühr

BACK-FACTORY

BACK-FACTORY

Gastronomie Zu dieser Kette gehören Selbstbedienungs-Restaurants, die verschiedene Snacks, Backwaren und Getränke anbieten. 2.900 €

Dahler &.Company

Dahler &.Company

Immobilien Unter der Marke treten Immobilienmakler auf, die sich auf hochwertige Wohnimmobilien spezialisiert haben. 20.000 €

clever fit

clever fit

Fitness Die Franchisenehmer betreiben klassische Fitnessstudios. 3.490 € Vorvertragsgebühr + 9.990 €
Lizenzvertragsgebühr

Town & Country

Town & Country

Bau Das Unternehmen verkauft Massivhäuser in kostengünstiger Standardbauweise. 10.000 € + 10.000 €
für die Town &
Country Stiftung

VBC

VBC

Bildung Die Franchisepartner organisieren Weiterbildungen für Vertriebsmitarbeiter. 37.400 €

TeeGschwendner

TeeGschwendner

Einzelhandel Dieses System steht für den Betrieb von Einzelhandelsgeschäften, in denen Tee und Zubehör verkauft werden. 15.000 €

Laufende Gebühren: Entgelt für die regelmäßige Unterstützung

Als Franchisenehmer sind Sie auch nach der Gründung nicht vollkommen auf sich allein gestellt, sondern erhalten Unterstützung durch den Franchisegeber. Da dieser das System am Laufen halten und natürlich auch daran verdienen möchte, verlangt er regelmäßige Franchisegebühren, die meist monatlich fällig werden. Damit wird unter anderem Folgendes abgedeckt:

  • Betreuung und Beratung
  • Schulungen
  • Marketing und Werbung
  • Pflege der Infrastruktur (IT-System, Lieferketten)
  • Entwicklung des Systems (z. B. Qualitätssicherung, Optimierung, Anpassung des Handbuches)
  • Verwaltungsaufgaben (Abrechnung)
  • Ertragsanteil des Franchisegebers

Die laufenden Franchisegebühren können als Festbetrag oder als prozentualer Anteil einer bestimmten Bezugsgröße vereinbart werden. Meist ist das der Umsatz. Es gibt aber auch andere Berechnungsgrundlagen, etwa den Gewinn, die Anzahl abgesetzter Produkte oder das Einkaufsvolumen. Sowohl bei Fest- als auch bei Prozentbeträgen kann es Staffelungen geben, sodass der Prozentsatz zum Beispiel ab einem bestimmten Umsatz sinkt.

Einige Franchisegeber berechnen zusätzlich Werbegebühren. Diese müssen sie zweckgebunden für zentrale Werbemaßnahmen verwenden, zum Beispiel für Online- oder Printanzeigen, Radio- oder Fernsehwerbung, von denen in der Regel alle Franchisepartner gemeinsam profitieren.

Die Statistik des DFV für 2018 ergab, dass 31 % der Franchisegeber eine fixe monatliche Franchisegebühr verlangen. Bei 36 % dieser Systeme überstieg sie 500 €/Monat. Eine umsatzabhängige Gebühr wurde bei 78 % der Franchisesysteme fällig. Diese lag bei:

  • 36% der Systeme unter 5 %
  • 50% der Systeme zwischen 5 % und 10 %
  • 14% der Systeme über 10 %

Fallen zusätzlich noch Werbegebühren an, liegen diese meist zwischen 1 und 2 % des Umsatzes, in etwa 30 % der Fälle auch über 2 %.

Wie unterschiedlich die Zusammensetzung der laufenden Gebühren aussehen kann, zeigt die folgende Tabelle mit den oben bereits vorgestellten Franchisesystemen.

Franchise-Unternehmen

Branche Laufende Gebühren Werbegebühr

BACK-FACTORY

BACK-FACTORY

Gastronomie 4 % vom Nettoumsatz 0,5 % vom Nettoumsatz

Dahler & Company

Dahler & Company

Immobilien 10 % vom Nettoumsatz 250 €/Monat

clever fit

clever fit

Fitness 5 % vom Nettoumsatz 500 €/Monat

Town & Country

Town & Country

Bau keine 350 €/Monat

VBC

VBC

Bildung 14,7 % vom Außenumsatz 3 % vom Außenumsatz

TeeGschwendner

TeeGschwendner

Einzelhandel keine 4 % vom Tee-Einkauf

Erkennen Sie verdeckte Franchisegebühren

Verdeckte Franchisegebühren werden nicht direkt abgerechnet, obwohl sie den Ertrag der Franchisepartner indirekt mindern. In Einzelfällen kann das dem Franchisenehmer trotzdem einen Vorteil bringen. Um das bewerten zu können, müssen Sie die Quellen dieser verdeckten Kosten jedoch kennen, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Der Franchisenehmer unterliegt einer Bezugsbindung. Die gelieferten Waren enthalten einen Preisaufschlag (verdeckte Gebühren). Falls sie trotzdem günstiger sind als vergleichbare, auf dem Markt erhältliche Produkte, wirkt sich dies nicht negativ aus.
  • Der Franchisegeber kauft in großen Mengen Ware ein, die er an seine Franchisepartner weiterverkauft. Vergünstigungen wie Rabatte, Skonti oder Boni gibt er aber nicht weiter, was man auch als verdeckte Franchisegebühren werten kann. Ein Nachteil entsteht dem Franchisenehmer nur, wenn er diese Preisnachlässe bei einem direkten Einkauf hätte nutzen können.
  • Der Franchisegeber mietet Geschäftsräume und vermietet diese dem Franchisenehmer zu einem höheren Mietpreis weiter. Die Differenz sind verdeckte Gebühren. Auch hier ist aber die Möglichkeit vorstellbar, dass der Franchisenehmer die Räume selbst hätte nicht oder nur zu einem höheren Preis anmieten können. Für Ihre Entscheidung für oder gegen ein Franchisesystem ist es wichtig, dass Sie auf verdeckte Gebühren und deren Auswirkungen auf Ihre Gewinnchancen achten. Sie müssen sie jedoch im Normalfall akzeptieren, denn der Franchisegeber ist nicht dazu verpflichtet, diese Vorteile an Sie weiterzugeben.

Investitionskosten: Was Sie zusätzlich zur Franchisegebühr zahlen müssen

Neben all den bisher aufgezählten Gebühren fallen beim Franchising wie bei jeder anderen Gründung auch Investitionskosten und laufende Betriebskosten an. Welche Ausstattung Sie brauchen und wie viel diese kostet, hängt vom Geschäftskonzept ab. Für einen mobilen Verkaufsstand müssen Sie natürlich weniger investieren als für ein Restaurant oder ein Fitnessstudio. Deshalb lassen sich hier nur einige ausgewählte Beispiele für typische Investitionen und Betriebskosten nennen:

  • Geschäftsausstattung
  • Büroeinrichtung inklusive Technik
  • Fahrzeuge
  • Werkzeug und andere Arbeitsmittel
  • Verbrauchsmaterial
  • Löhne und Gehälter für Angestellte
  • Miete für Geschäftsräume

Hinsichtlich der Start-Investitionen ermittelte der Deutsche Franchiseverband für 2018 folgende statistische Werte. Von den befragten Unternehmen investierten:

  • 45 % bis 50.000 €
  • 21 % 50.001 – 100.000 €
  • 14 % 100.001 – 200.000 €
  • 15 % 200.001 – 1 Mio. €
  • 5 % mehr als 1 Mio. €

Franchisegebuehren Verteilung der Start Investitionssummen 2021

Franchisegeber wissen erfahrungsgemäß, mit welchem Investitionsvolumen zu rechnen ist. Die Tabelle zeigt, dass dieses vom Geschäftsmodell abhängt und auch innerhalb eines Systems stark schwanken kann. Das liegt daran, dass es einige Franchisesysteme ermöglichen, unterschiedlich große Unternehmen zu betreiben. Zum Beispiel hängt es bei Einzelhandelsgeschäften von der Fläche ab, wie viel Sie für Einrichtung, Waren und Miete ausgeben müssen.

Franchise-Unternehmen

Branche Investitionskosten (ohne Einstiegsgebühr)

BACK-FACTORY

BACK-FACTORY

Gastronomie mind. 300.000 €

Dahler &.Company

Dahler & Company

Immobilien ca. 30.000 € – 200.000 €

clever fit

clever fit

Fitness 666.520 €

Town & Country

Town & Country

Bau 140.000 €

TeeGschwendner

TeeGschwendner

Einzelhandel 45.000 € – 105.000 €

Franchise und Kosten: Am Beispiel von clever fit

Zu „clever fit“ gehören aktuell mehr als 385 Fitnessstudios in Deutschland und noch weitere in den Niederlanden, der Schweiz und Österreich. Die Fitnesskette betreibt in dieser Branche bundesweit die meisten Standorte. Zu den Gebühren und Investitionen für ein Franchise-Unternehmen veröffentlichte der Franchisegeber folgende Informationen:

Art der Gebühr Höhe
Einstiegsgebühren 3.490 € Vorvertragsgebühr + 9.990 € Lizenzvertragsgebühr
Laufende Gebühren 5 % des Gesamtnettoumsatzes
Werbegebühren 500 €/Monat
Gesamtinvestitionen (inkl. Einstiegsgebühr) 680.000 €
Benötigtes Eigenkapital 60.000 €

Eigenkapital: So viel brauchen Sie als Franchisegründer

Wie auch andere Unternehmer müssen viele Franchisepartner einen Kredit aufnehmen, um sämtliche Anfangsinvestitionen finanziell stemmen zu können. Diesen zu erhalten, ist beim Franchising im Vergleich zu Existenzgründungen mit eigener Geschäftsidee oft einfacher, da durch das erprobte System und die Betreuung des Franchisegebers das Risiko eines Kreditausfalls geringer ist.

Oft hilft übrigens auch der Franchisegeber bei der Fremdkapitalbeschaffung. Ein bestimmter Eigenkapitalanteil wird aber in der Regel immer vorausgesetzt. Dazu können neben den liquiden Mitteln zum Teil auch Sicherheiten wie Immobilien und Wertgegenstände gehören.

Auch zur notwendigen Eigenkapitalquote führte der DFV Untersuchungen durch. Innerhalb der Franchisesysteme verteilte sich 2018 der mindestens geforderte Anteil des Eigenkapitals an der Investitionssumme folgendermaßen:

  • 9% ohne Eigenkapital
  • 12 %: 1 % – 10 % Eigenkapital
  • 50 %: 11 % – 25 % Eigenkapital
  • 18 %: 26 % – 50 % Eigenkapital
  • 11 %: mehr als 50 % Eigenkapital

Es gibt einige wenige Franchisesysteme, bei denen Sie ohne Eigenkapital starten können. In den meisten Fällen dürfte die erforderliche Summe jedoch zwischen 10.000 € und 100.000 € liegen.

5 Systeme mit Eintrittsgebühren unter 10.000 Euro

Nicht alle Franchisegeber verlangen eine hohe Eintrittsgebühr. Hier sehen Sie 5 Beispiele, bei denen diese unter 10.000 € liegt.

Franchise-Unternehmen

Inhalt Unternehmenszweck Eintrittsgebühr

Power Plate

Power Plate

Fitness Die Fitnessstudios arbeiten mit der Methode des Vibrationstrainings. 0 €

HOL'AB! Getränkemarkt

HOL’AB! Getränkemarkt

Getränkehandel Franchisepartnerschaften für diese regional bekannten Getränkemärkte sind nur in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt möglich. 5.000 €

Le Feu

Le Feu

Flammkuchen-Restaurant Die Franchisenehmer betreiben Restaurants, in denen Flammkuchen sowie französische Weine und Spezialitäten serviert werden. 7.500 €

Snap-on Tools

Snap-on Tools

Werkzeugvertrieb Als eines der weltweit ältesten Franchisesysteme widmet sich Snap-on Tools dem Vertrieb von Werkzeugen und Werkstattausrüstungen. 7.500 €

mediaconcepts

mediaconcepts

Marketing-Agentur Mit mediaconcepts führen Franchisepartner eine Marketing-Agentur, die sich unter anderem mit Grafikdesign und Internetauftritten beschäftigt. 8.900 €

5 Tipps: Darauf sollten Sie bei der Franchisegebühr achten

Wenn Sie als Franchisenehmer durchstarten möchten, lohnt es sich, bei der Bewertung der Gebühren genauer hinzusehen. Beachten Sie dabei folgende Tipps:

  1. Sie haben ein interessantes System gefunden? Vergleichen Sie die Franchisegebühren mit denen ähnlicher Konzepte.
  2. Überprüfen Sie, welche Dienstleistungen den Franchisegebühren gegenüberstehen und welchen konkreten Nutzen Sie davon haben.
  3. Eine geringe Einstiegsgebühr bringt keinen Vorteil, wenn dafür die laufenden Gebühren besonders hoch sind oder kaum Unterstützung zu erwarten ist.
  4. Betrachten Sie bei der Bewertung eines Systems nicht nur die anfallenden Kosten, sondern setzten Sie diese auch ins Verhältnis zum Umsatz- bzw. Gewinnpotenzial. Die Franchisegeber informieren darüber.
  5. Achten Sie auch auf die oben beschriebenen verdeckten Gebühren.

Fazit: Franchisegebühren und Leistungen genau vergleichen

Achten Sie bei der Entscheidung für ein Franchisesystem genau darauf, welche Gebühren Sie zahlen müssen. Vor allem die laufenden Franchisegebühren beeinflussen Ihre Gewinnchancen nachhaltig. Überprüfen Sie deshalb auch die Art der Berechnung und ob zusätzlich zweckgebundene Beiträge für Werbung oder IT anfallen.

Im Gegenzug erhalten Sie Leistungen vom Franchisegeber. Der Umfang dieses Service-Pakets ist immer im Verhältnis zu den Gebühren zu betrachten. Es kann sinnvoll sein, höhere Ausgaben zu akzeptieren, wenn dafür eine entsprechend umfangreiche Unterstützung geboten wird.

Roul Radeke von Selbststaendigkeit.de

Roul Radeke

Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer des 2015 gegründeten Onlineportals Selbststaendigkeit.de und bei radeke-interim.de. Das Onlineportal Selbststaendigkeit.de bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching), digitale Produkte für die Selbstständigkeit und zahlreiche Werbemöglichkeiten.