Existenzgründerdarlehen beantragen: Geförderte Kredite für Existenzgründer im Vergleich (2022)

Geförderte Existenzgründerdarlehen sind eine günstige Form der Fremdkapitalbeschaffung im Rahmen einer Unternehmensgründung. Hierbei gibt es verschiedene Alternativen, für die jeweils individuelle Bedingungen gelten. Speziell für Gründer bieten sich jedoch auch noch andere Möglichkeiten an, Zuschüsse zu erhalten oder besondere Finanzierungsoptionen zu nutzen. Wir stellen die spannendsten dieser Kreditalternativen vor.

Inhaltsverzeichnis

Geförderte Existenzgründerdarlehen von Bund und Länder

Der Start in die berufliche Selbstständigkeit gelingt nicht immer ohne Fremdkapital. Denn einerseits sind vor allem zu Beginn umfangreiche Investitionen notwendig und auch laufende Kosten fallen bereits an. Andererseits muss sich das Unternehmen erst am Markt etablieren, sodass Sie in der Anfangszeit noch nicht mit ausreichenden Einnahmen rechnen können und dementsprechend auf einen Kredit für Existenzgründer angewiesen sind.

Klassische Filialbanken sind allerdings oft zurückhaltend, wenn es um Kredite für Existenzgründer geht, selbst wenn ein gutes Konzept vorliegt. Denn Gründungen gehen immer mit einem gewissen Risiko einher. Deshalb fordern Banken Sicherheiten, die sie im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers verwerten können. Sind diese nicht vorhanden, ist es kaum möglich, ein klassisches Existenzgründerdarlehen zu erhalten.

Da Existenzgründungen jedoch für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft sehr wichtig sind, werden sie mit mehreren Förderprogrammen verschiedener Institutionen von Bund und Ländern unterstützt. Dazu gehören zinsverbilligte Existenzgründerdarlehen mit tilgungsfreien Anlaufjahren, Bürgschaften als Kreditsicherheit sowie Zuschüsse für Gründungen im wissenschaftlichen Bereich und aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Es ist empfehlenswert, bei der Finanzierungsplanung diese öffentlich geförderten Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Trotzdem kann es sein, dass keines dieser Programme zum eigenen Konzept passt. In diesem Fall lohnen sich Anfragen bei Kreditplattformen, die Existenzgründerdarlehen online vermitteln und dabei auch nach dem Crowdlending-Prinzip arbeiten. Eine Variante davon ist der Kredit von privat, welcher in diesem Artikel ebenfalls beschrieben wird.

Existenzgründerkredit, Bürgschaft, Zuschuss oder Crowdlending?

Es gibt viele Möglichkeiten, auf die Existenzgründer bei der Finanzierung ihres Vorhabens zurückgreifen können. Welche sich am besten eignet, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab.

Arten von Existenzgruenderdarlehen

Wie die Darstellung zeigt, können Sie als Alternative oder Ergänzung zum klassischen Existenzgründerdarlehen der Hausbank zum einen die Kreditprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau und der Landes-Förderbanken sowie die ebenfalls öffentlich geförderten Bürgschaften und Mikrokredite in Anspruch nehmen. Zum anderen kann der Kredit von privat für viele Vorhaben das notwendige Kapital liefern.

Daneben gibt es für Existenzgründer in bestimmten Situationen Unterstützung in Form öffentlich geförderten Zuschüssen. Diese müssen Sie im Gegensatz zu einem Existenzgründerdarlehen nicht zurückzahlen.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die wichtigsten Finanzierungsoptionen:

Optionen Situation Höhe des Kapitalbedarfs/der Förderung Art der Förderung
KfW: ERP-Gründerkredit–
StartGeld
Gründer und Unternehmensnachfolger innerhalb der ersten 5 Jahre (auch bei vorläufigem Nebenerwerb) Bis zu 100.000 € Zinsverbilligter Kredit zur Vollfinanzierung und Übernahme von Sicherheiten (80 %)
KfW: ERP-Kapital
für Gründung
Gründer und Unternehmensnachfolger innerhalb der ersten 3 Jahre (nur Vollzeit) Bis zu 500.000 € Zinsverbilligter Kredit zur Teilfinanzierung (bei mind. 10 % Eigenkapital) und Übernahme von Sicherheiten (100 %)
KfW: ERP-Gründerkredit–
Universell
Gründer und Unternehmensnachfolger innerhalb der ersten 5 Jahre (auch bei vorläufigem Nebenerwerb) Bis zu 25 Mio. € Zinsverbilligter Kredit zur Vollfinanzierung und auf Wunsch Übernahme von Sicherheiten (50 %)
Kredite der
ländereigenen
Förderbanken
Existenzgründer Unterschiede je nach Bundesland Unterschiede je nach Bundesland, meist zinsverbilligte Kredite und Übernahme von Sicherheiten
Bürgschafts-
übernahme durch
Bürgschaftsbanken
Gründer und KMU für alle Vorhaben im Rahmen der Förderrichtlinie Maximaler Bürgschaftsrahmen: 1 Mio. € Übernahme von Sicherheiten
Mikrokredit Existenzgründer und Kleinstunternehmer, die von Banken keine Kredite erhalten Bis zu 20.000 € Übernahme von Sicherheiten
Kredit von privat Beliebige Vorhaben Maximaler Kreditbetrag: 50.000 € bis 300.000 €, je nach genutzter Plattform und individuellen Gegebenheiten Keine
Gründungszuschuss Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit für ALG-1-Empfänger ALG 1 + 300 € für 6 Monate, anschließend gegebenenfalls 300 € für 9 Monate Zuschuss
EXIST-
Gründerstipendium
Innovative Existenzgründungen von Wissenschaftlern, Hochschulabsolventen und Studierenden 1.000 € bis 3.000 € pro Monat als Stipendium, 5.000 € für Coaching, für Sachausgaben: bis zu 10.000 € bei Einzelgründungen und 30.000 € für Teams Zuschuss für max. 1 Jahr
EXIST-
Forschungstransfer
Besonders aufwendige, forschungsbasierte Gründungsvorhaben von Teams an Hochschulen und Forschungseinrichtungen Phase I: Übernahme der Personalkosten für max. 4 Stellen und Sachkosten, Beschränkung der Förderung von Sachkosten und studentischen Hilfskräften auf 250.000 €; Phase II: bis zu 180.000 €, aber max. 75 % der tatsächlichen Kosten Zuschuss

Existenzgründerdarlehen der KfW – geförderte Kredite für den leichten Start

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau ist eine bundesweit tätige Förderbank, die sich neben einigen anderen Aufgaben von öffentlichem Interesse auch der Mittelstands- und Gründungsförderung widmet. Speziell für Existenzgründer und Unternehmensnachfolger bietet sie die folgenden drei Kreditprogramme an:

Anbieter

Maximales Kredit-volumen

Eigenkapital erforderlich

Effektiver Jahreszins

Auch für vorläufige Nebenerwerbe

Laufzeit

Maximal bisher am Markt

KFW

ERP-Gründerkredit – StartGeld

100.000 €

Nein

2,07 % oder 2,94 %

Nein

5 oder 10 Jahre

5 Jahre

KFW

ERP-Kapital für Gründung

500.000 €

Ja (mind. 10 %)

0,40 % – 3,07 %

Nein

15 Jahre

3 Jahre

KFW

ERP-Gründerkredit – Universell

25 Mio. €

Nein

1,01 % – 5,91 %

Ja

5, 10 oder 20 Jahre

5 Jahre

Die einzelnen Angebote für Existenzgründerdarlehen zielen jeweils auf verschiedene unternehmerische Situationen ab. Sie dürfen die Mittel im Wesentlichen für alle wichtigen Investitionen und Betriebsmittel verwenden. Umschuldungen oder Sanierungen sind mit diesen Existenzgründerdarlehen jedoch nicht möglich. Auch einige spezielle Verwendungszwecke sind ausgeschlossen, weil dafür andere Fördermöglichkeiten vorgesehen sind.

Die Vorteile der beschriebenen Existenzgründerdarlehen bestehen in vergünstigten Zinsen sowie zum Teil in tilgungsfreien Anlaufjahren sowie der Übernahme von Teil- oder Vollbürgschaften. Denn das Existenzgründerdarlehen beantragen Sie nicht direkt bei der KfW, sondern bei Ihrer Hausbank oder einer anderen Filialbank. Diese übernimmt im Falle einer Teilbürgschaft der KfW den anderen Teil des Kreditausfallrisikos. Die KfW-Bürgschaft vereinfacht es jedoch deutlich, auch ohne eigene Sicherheiten einen Existenzgründerkredit zu erhalten.

Die KfW kooperiert mit allen Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Sie beantragen das Existenzgründerdarlehen wie auch jeden anderen Kredit mit allen dafür notwendigen Unterlagen. Die Bank prüft sowohl die Erfolgsaussichten Ihres Vorhabens als auch Ihre Bonität. Denn das sind die Voraussetzungen dafür, dass die KfW das Existenzgründerdarlehen gewährt.

Regionale Fördermöglichkeiten durch Landesbanken

Auch über Ihr Landesförderinstitut können Sie einen öffentlich geförderten Existenzgründerkredit erhalten. Diese Landesbanken verwenden dafür öffentliche Mittel und nutzen zum Teil auch die Möglichkeiten der KfW. Sie haben jedoch eigene Förderprogramme entwickelt, wobei jede Landesbank nur Gründungen im eigenen Bundesland fördert.

Ein solches Existenzgründerdarlehen beantragen Sie ebenfalls bei Ihrer Hausbank oder einer anderen Geschäftsbank. Diese prüft das Vorhaben und leitet den Antrag an die Förderbank weiter. Gewährt diese das Darlehen, kümmert sich die Hausbank um den Kreditvertrag, die Zahlungsabwicklungen und Prüfung der Mittelverwendung, wie es auch bei den Existenzgründerdarlehen der KfW üblich ist.

Folgende Förderbanken sind für die einzelnen Bundesländer zuständig. Es handelt sich nicht in jedem Fall um eigenständige Landesbanken, sondern mitunter um Teilbereiche der eigentlichen Landesbanken wie der Norddeutschen Landesbank oder der Landesbank Hessen-Thüringen.

Land Landesbank
Bayern LfA Förderbank Bayern
Baden-Württemberg L-Bank – Staatsbank für Baden-Württemberg
Niedersachsen NBank Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen NRW.BANK
Brandenburg Investitionsbank des Landes Brandenburg
Berlin Investitionsbank Berlin
Hamburg Hamburgische Investitions- und Förderbank
Rheinland-Pfalz Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz
Schleswig-Holstein Investitionsbank Schleswig-Holstein
Sachsen Sächsische Aufbaubank
Thüringen Thüringer Aufbaubank
Sachsen-Anhalt Investitionsbank Sachsen-Anhalt
Mecklenburg-Vorpommern Landesförderinstitut Mecklenburg-Vorpommern
Hessen Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen
Saarland Saarländische Investitionskreditbank
Bremen Bremer Aufbaubank

Die folgenden beiden Beispiele zeigen, dass es in den einzelnen Bundesländern Unterschiede bei der Gründungsförderung gibt. Die Landesbanken von Bayern und Baden-Württemberg sind hierbei nur exemplarisch ausgewählt.

LfA Förderbank Bayern

Speziell für Gründer bietet die Bayerische Landesförderbank Existenzgründerdarlehen, die Übernahme von Sicherheiten und die Vermittlung von Beteiligungskapital an. Der Gründerkredit kommt für Neugründungen infrage, aber auch für Unternehmensnachfolger und zukünftige Geschäftsführer, die sich mit mindestens 10 % am Unternehmen beteiligen. Die Mittel dürfen Sie grundsätzlich für alle aktivierbaren Finanzierungen verwenden. Das individuelle Risiko beeinflusst die Zinshöhe.

LfA Förderbank Bayern

Beachten Sie, dass Sie dieses Existenzgründerdarlehen vor Beginn des Vorhabens beantragen müssen, wobei eine Gewerbeanmeldung oder eine Eintragung ins Handelsregister noch nicht als Beginn gilt.

L-Bank – Staatsbank für Baden-Württemberg

Die L-Bank fördert Gründungen mit verschiedenen Kreditprogrammen wie:

  • Gründungsfinanzierung
  • Startfinanzierung 80
  • Entwicklungsprogramm ländlicher Raum
  • Liquiditätskredit
  • MikroCrowd

L-Bank

So fördert beispielsweise das Programm MikroCrowd speziell kleinere Start-ups durch die Kombination eines zinsvergünstigten Existenzgründerdarlehens bis zu 10.000 € mit der Eigenkapitalgewinnung durch Crowdfunding. Dafür kooperiert die Landesbank mit einem auf diese Finanzierungsart spezialisierten Partnerunternehmen. Voraussetzung ist, dass mindestens 50 % des Kapitalbedarfs durch Crowdfunding abgedeckt werden können.

Kreditbesicherung durch eine Bürgschaftsbank

Kommt ein Existenzgründerdarlehen der KfW oder Landesbank nicht infrage, so kann eine öffentlich geförderte Bürgschaft die Kreditchancen bei der Hausbank verbessern. Dafür gibt es in jedem Bundesland eine Bürgschaftsbank, etwa die die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg GmbH, die Bürgschaftsbank Bayern GmbH oder die Bürgschaftsbank zu Berlin-Brandenburg GmbH.

Diese Bürgschaften helfen dann weiter, wenn die Gewährung eines Existenzgründerdarlehens an fehlenden Sicherheiten scheitert. Das Gründungsvorhaben muss jedoch tragfähig und erfolgversprechend sein. Die Basis für die gewährten Sicherheiten sind öffentliche Rückbürgschaften. Das Risiko eines Kreditausfalls verteilt sich somit auf den Bund, das Bundesland, die Bürgschaftsbank und die Hausbank.

Die Beantragung der Bürgschaft erfolgt über die Hausbank, wobei die Grenze für eine Ausfallbürgschaft bei 1 Mio. € liegt. Für kleinere Bürgschaften können sich Unternehmen auch direkt an die Bürgschaftsbank wenden. Eine weitere Funktion der Bürgschaftsbanken, die für Existenzgründer ebenfalls interessant sein kann, ist die Übernahme von Garantien gegenüber Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Das kann die Gewinnung von Eigenkapitalbeteiligungen erleichtern.

Mikrokredite für kleine Unternehmen

Ganz allgemein bezeichnet man Kredite mit einem relativ geringen Volumen als Mikrokredite. Für Gründer ist jedoch besonders das öffentlich geförderte Programm des Mikrokreditfonds Deutschland interessant. Das ist ein Garantiefonds, der von der NBank verwaltet wird. Er sichert Mikrokredite der GRENKE Bank mit einem maximalen Volumen von 20.000 € ab.

Davon profitieren Gründer kleiner Unternehmen, die ein erfolgversprechendes Konzept haben, aber von den klassischen Banken wegen fehlender Sicherheiten kein Existenzgründerdarlehen erhalten. Die Vermittlung dieser Mikrokredite erfolgt über Mikrofinanzinstitute in ganz Deutschland. Das sind meist auf Existenzgründung spezialisierte Unternehmensberatungen, die im Rahmen ihrer Tätigkeit diese Mikrokredite an interessierte Gründer vermitteln.

Mikrokredite werden oft als Stufenkredite gewährt, mit denen Existenzgründer ihr Unternehmen schrittweise aufbauen können. Die folgende Tabelle führt exemplarisch einige Mikrofinanzinstitute auf. Da diese Finanzierungsalternative häufig von Existenzgründern mit Migrationshintergrund in Anspruch genommen wird, sind auch die Sprachkenntnisse aufgeführt.

Anbieter Sitz Zielgruppe Sprachkenntnisse
 

indaro_mikrofinanz

indaro Mikrofinanz GmbH & Co. KG

Stuttgart Alle Gründer und Unternehmen Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch
 

nordhand

NordHand eG

Dortmund Alle Gründer und Unternehmen Deutsch
 

Mikrokredit Schleswig-Holstein Mikrofinanzinstitut GmbH

Mikrokredit Schleswig-Holstein Mikrofinanzinstitut GmbH

Lübeck Kleine und mittlere Unternehmen und Gründungen; Branchen: vor allem Handel, Handwerk, Dienstleistungen und Gastronomie; Unternehmen von Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund Deutsch, Englisch, Türkisch

Kredit von privat

Der Kredit von privat gehört nicht zu den geförderten Finanzierungsmöglichkeiten. Er kann jedoch ebenfalls eine Alternative zum Existenzgründerdarlehen sein, wenn die Kreditanfrage bei anderen Banken erfolglos war. Die Vermittlung erfolgt online über Portale, die den Kontakt zwischen Kreditsuchenden und potenziellen Kreditgebern herstellen. Das Geld kommt hauptsächlich von Privatleuten, die es lukrativ anlegen möchten.

Da ein Darlehen im Normalfall durch viele Anleger finanziert wird, bleibt das Ausfallrisiko für den Einzelnen im Rahmen. Deshalb ist es auch ohne Sicherheiten und gegebenenfalls mit einem negativen Schufa-Eintrag möglich, auf diese Weise ein Existenzgründerdarlehen zu erhalten. Diese Finanzierungsform ist auch als Crowdlending bekannt. Der Unterschied zum Crowdfunding besteht darin, dass damit Fremd- und kein Eigenkapital beschafft wird.

Bei Plattformen wie auxmoney, Smava und Vaidoo können Sie Ihr Finanzierungsprojekt vorstellen, um Anleger davon zu überzeugen. Giromatch arbeitet dagegen mit einem Algorithmus, um passende Kreditangebote zu vermitteln. Die Kreditkonditionen richten sich nach Ihrer Bonität, welche die Vermittler nach einem internen Verfahren bewerten. Auxmoney schreibt den Zinssatz auf dieser Basis vor, bei Smava und Vaidoo lässt er sich verhandeln.

auxmoney

Die Konditionen und die Chance auf ein Existenzgründerdarlehen hängen demnach von Ihrer Bonität ab und davon, wie überzeugend Sie Ihr Finanzierungsprojekt vorstellen. Der Hauptvorteil dieser Finanzierungsmethode besteht darin, dass bei der Kreditentscheidung aufgrund der Risikosplittung fehlende Sicherheiten oder eine ungünstige Bonität weniger ins Gewicht fallen. Andererseits ist dadurch das Überschuldungsrisiko höher. Und auch beim Crowdlending gibt es keine Garantie dafür, dass Sie ein Darlehen erhalten.

Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit: Gründungszuschuss

Existenzgründungsförderungen beschränken sich nicht nur auf Kreditprogramme. In besonderen Situationen gibt es auch Zuschüsse, die Sie nicht zurückzahlen müssen. Dazu gehört der Gründungszuschuss für Empfänger von Arbeitslosengeld 1, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen möchten. Ansprechpartner dafür ist die Arbeitsagentur.

Voraussetzung für den Bezug ist, dass Sie mindestens einen Tag arbeitslos gemeldet waren und einen Restanspruch auf ALG 1 von mindestens 150 Tagen haben. Ob Sie den Zuschuss erhalten, liegt im Ermessen der Arbeitsagentur-Mitarbeiter. Der Zuschuss in Höhe von 300 € wird zunächst für sechs Monate gewährt, und zwar zusätzlich zum ALG 1. Danach können Sie neun Monate lang 300 € erhalten, wenn Sie eine Weiterförderung beantragen und diese bewilligt wird.

Für die Beantragung des Gründungszuschusses der ersten Phase brauchen Sie einen Businessplan und die Tragfähigkeitsbescheinigung eines Experten, zum Beispiel eines Gründungsberaters. Für die Weitergewährung nach einem halben Jahr müssen Sie nachweisen, dass Sie in den vergangenen Monaten hauptberuflich unternehmerisch tätig waren, unter anderem durch Ihre Einnahmen und Ausgaben.

Bezieher von Arbeitslosengeld 2, die gründen möchten, erhalten diese Unterstützung nicht. In dieser Situation gibt es jedoch die Möglichkeit, das Einstiegsgeld als Zuschuss zu beziehen.

EXIST: Gründung aus dem Studium oder als Wissenschaftler

Innovative Gründungen im wissenschaftlich-technischen Bereich unterstützt das BMWi in Kooperation mit dem Europäischen Sozialfonds mit dem Förderprogramm EXIST. Zwei Module dieses Programms ermöglichen Gründern unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse, die sie nicht zurückzahlen müssen. Das ist zum einen das EXIST-Gründerstipendium und zum anderen der EXIST-Forschungstransfer.

exist

Das EXIST-Gründerstipendium können Sie beantragen, wenn Sie studieren, das Studium abgeschlossen haben oder wissenschaftlich an einer Hochschule oder sonstigen Forschungseinrichtung tätig sind. Ihr Gründungsprojekt muss einen innovativ technologieorientierten oder wissensbasierten Charakter sowie Alleinstellungsmerkmale und gute Erfolgschancen aufweisen. Die Höchstförderdauer beträgt ein Jahr, wobei der Lebensunterhalt, Sachausgaben sowie das Coaching finanziell unterstützt werden. Die Höhe des monatlichen Zuschusses zum Lebensunterhalt richtet sich nach dem Bildungsstand und beträgt beispielsweise für Studierende 1.000 € und für Promovierte 3.000 €.

Der EXIST-Forschungstransfer unterstützt besonders aufwendige, forschungsbasierte Gründungsvorhaben. Die Förderung besteht aus zwei Phasen, wobei in der ersten die Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen sowie die Gründung und in der zweiten der Aufbau des Unternehmens im Fokus stehen. Die erste Phase fördert Forscherteams an Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Zuschüssen für Personal- und Sachkosten. Die zweite Phase ermöglicht Teil-Kostenübernahmen, wobei das Unternehmen jedoch bereits existieren muss.

Der Businessplan: Voraussetzung für Gründungskredite und Fördermittel

Wenn Sie ein gefördertes oder klassisches Gründerdarlehen oder einen Zuschuss beantragen, brauchen Sie einen Businessplan. Unabhängig davon ist dieser generell ein wichtiges Element der Gründungsvorbereitung, da Sie sich bei der Erstellung intensiv mit Ihrem Vorhaben beschäftigen und die Realisierbarkeit prüfen. Ein Gründungsberater kann Sie dabei unterstützen.

Banken und Entscheider über Fördermittel beurteilen anhand des Businessplans die Erfolgsaussichten Ihres Unternehmens. Davon hängt die Gewährung des Existenzgründerdarlehens oder der Förderung ab. Achten Sie deshalb darauf, dass der Plan vollständig, übersichtlich und für Außenstehende verständlich ist. Wie umfangreich er sein muss, hängt auch von der Größe und der Komplexität Ihres Gründungsvorhabens ab.

Folgende Elemente und Inhalte gehören zu einem Businessplan:

  • Kurzbeschreibung der Idee mit Erfolgsfaktoren und Alleinstellungsmerkmalen
  • Lebenslauf, Vorstellung Ihrer Person, speziell der Qualifikation und Berufserfahrung
  • Informationen über das Produkt oder die Dienstleistung mit Hervorhebung des Kundennutzens
  • Zeitliche Planung von Produktion und Absatz
  • Marktanalyse (Zielgruppen, Kundenstruktur, Wettbewerber, regionale Besonderheiten)
  • Marketing (Preisgestaltung, Werbung, Vertrieb)
  • Mitarbeiter (Anzahl, Qualifikation, Einstellungszeitraum)
  • Organisation, vor allem bei komplexeren Organisationen
  • Rechtsform und gegebenenfalls Verteilung der Unternehmensanteile
  • SWOT-Analyse (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken)
  • Finanzplan (Investitionsplan, Liquiditätsplan, Kapitalbedarfsplan, Rentabilitätsvorschau)
  • Vorhandene Sicherheiten und mögliche Fördermittel
  • Verträge, wie Arbeitsverträge oder Gutachten und sonstige Anlagen

Fazit: Existenzgründerdarlehen, Bürgschaften oder Zuschüsse für Ihr Vorhaben

Die Finanzierung einer Unternehmensgründung muss nicht an Kreditablehnungen durch Banken scheitern. Da Gründer einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten, gibt es vielfältige Fördermöglichkeiten, ob als zinsvergünstigtes Existenzgründerdarlehen, öffentliche Bürgschaft oder Zuschuss.

Unabhängig davon stellt auch der Kredit von privat eine Alternative dar, um das notwendige Kapital zu beschaffen. Mit einem ansprechenden Konzept und guter Bonität kann die Gewährung schnell und unbürokratisch erfolgen.

Roul Radeke von Selbststaendigkeit.de

Roul Radeke

Roul Radeke ist Gründer und Geschäftsführer des 2015 gegründeten Onlineportals Selbststaendigkeit.de und bei radeke-interim.de. Das Onlineportal Selbststaendigkeit.de bietet Existenzgründern und Unternehmern News aus der Gründer- und Unternehmerszene, hilfreiches Wissen für die Gründung und Führung von Unternehmen, geförderte Existenzgründungsberatung (AVGS-Coaching), digitale Produkte für die Selbstständigkeit und zahlreiche Werbemöglichkeiten.